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Ego-Shooter «Stalker Clear Sky»: 

Prima Mutanten, böse Bugs

02. Okt 2008 14:21
Was wohl hinter dieser Tür lauert? Szene aus Stalker Clear Sky
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Erschossen, verstrahlt, von Zombies umringt: Mit «Clear Sky» liegt nun die spielbare Vorgeschichte des apokalyptischen Game-Klassikers «Stalker» vor. Maik Söhler hat sich ins digitale Tschernobyl begeben.

Ich muss mal was gegen meine Zombie-, Alien- und Mutantenphobie unternehmen. Immer häufiger kommt es vor, dass ich Computer- und Videospiele exakt an der Stelle verlasse, an der halbwegs realistische Gegner Verstärkung von solchen Gestalten bekommen. Sie haben dafür gesorgt, dass das Adventure «Uncharted» und der Shooter «Crysis Warhead» - gute Spiele alle beide - auf die Fortsetzung der Action meinerseits warten müssen.

Wo Mutanten wanken und Aliens attackieren, führte mein Weg bisher zum Logout. Aus Gründen, die mir selbst rätselhaft sind, und deshalb auch zu meinem eigenen Ärger. Die moderne Psychologie hat gute Erfahrungen damit gemacht, Phobiker allmählich mit dem Gegenstand ihrer Angst zu konfrontieren. Die Erfolge können sich sehen lassen.

Meine Mutantenscheu muss also mit Mutanten, die Zombiefurcht mit Zombies konfrontiert werden. Ich habe mich umgehört, Spieler befragt, Fachjournalisten konsultiert und die Antwort auf diesen Zusammenhang lautete unisono: «Stalker Clear Sky». Dabei handelt es sich um die dieser Tage erschienene Fortsetzung des apokalyptischen, in der verstrahlten Umgebung des Atomreaktors von Tschernobyl spielenden Ego-Shooters «Stalker».

Total verstrahlt

Als Spieler mit dem gewöhnungsbedürftigen Namen «Narbe» kommt man in einem seltsamen Lager zu sich, umgeben von griesgrämigen, maulfaulen Leuten, die behaupten, zu «Clear Sky» zu gehören. Das ist eine Crew, die sich zusammengeschlossen hat, um zu überleben im Kampf aller gegen alle, der hier im Ödland um den kontaminierten Reaktor täglich stattfindet. Von der Freundlichkeit her stehen viele der «Clear Sky»-Verschworenen, zu denen man selbst auch zählt, den Gegnern in nichts nach. Allein der Mann an der Bar macht eine Ausnahme.

Es ist angerichtet: Szene aus 'Stalker Clear Sky'
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Das Lager besteht aus notdürftig reparierten Ruinen, ein Kommandant gibt Anweisungen, der Händler rückt auf seine Anweisung muffelig ein kleines Waffen- und Überlebensarsenal heraus. Man kann die Crew fragen, warum man hier ist, und manchmal bekommt man sogar eine Antwort. Man kann kleinere Botenaufträge übernehmen, um zu ein bisschen Kapital zu kommen. Kapital, das man später dringend brauchen wird.

Man erhält schließlich den ersten Einsatzbefehl, wird mit verbundenen Augen in die sogenannte Zone geführt - die Welt jenseits des eigenen Lagers. Angesichts dieser Zone würde niemand von blühenden Landschaften sprechen.

Mutanten und Zombies

Schon geht das Geschepper, Geknalle und Gemetzel los. Man ist dreimal gestorben, bevor man den ersten Gegner überhaupt zu Gesicht bekommen hat. Sehr schwierig. Zumal plötzlich dem Reaktor wieder Strahlung entweicht, Anomalien auftreten, wundersame Artefakte das eigene Leben mal besser, mal schlechter machen - man weiß aber nicht, was wann wie warum passiert.

Da heißt es die Konzentration auf andere Dinge richten, auf meine Freunde, die Mutanten und Zombies. Und was für welche, und wie viele, und wie schlecht sie gelaunt sind, und wie übel sie einem mitspielen. Andere verhalten sich neutral, einer ist sogar freundlich. Man sieht schnell: Mutanten sind auch nur Menschen.

Ego-Shooter-Alltag

Nach anfänglichem Widerwillen geht die Strategie schließlich ganz auf. Man muss diese possierlichen Wesen einfach lieben, inklusive der Meuten an Viechern, die vor dem Fallout mal Hunde gewesen sein müssen. Man muss sie lieben - und töten. Je mehr man tötet, desto mehr liebt man.

Der Rest des Spiels ist Ego-Shooter-typisches Handeln: Springen, robben, beobachten, Wunden heilen, Waffe wechseln, nachladen. Vor allem aber: ballern. Gute Grafik, stellenweise sehr düster, ein paar schöne Ideen in den Action-Szenarios, die Story wirkt weit hergeholt. Ist aber besser, als wenn es gar keine Story gäbe.

Leider läuft das Game unrund, der Spiele-PC - obwohl gut ausgerüstet - tut sich schwer damit. Sekundenlange Verzögerungen zwischen Eingabe und Aktion sind keine Seltenheit, im Filmmodus bleiben die Sequenzen manchmal hängen, in dreieinhalb Stunden schmiert das Game dreimal komplett ab. Ob das die Rache der Mutanten dafür ist, dass ich nun mit ihnen koexistieren will?

Stalker Clear Sky - Deep Silver, September 2008, um die 40 Euro - ist für uns am PC gespielt worden.
 
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