Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Mit Kügelchen und elektrischer Ladung: 

Wie digitales Papier funktioniert

05. Okt 2008 10:34
Gut zu lesen: Sonys Reader 505
Bild vergrößern
Zur Frankfurter Buchmesse kommen neue E-Books nach Deutschland. In Dresden wurde jüngst eine neue Produktionsstätte für Displays von Lesegeräten eröffnet – E-Books und E-Papers sind gefragt. Aber was genau ist elektronisches Papier?

Die Urform des elektronischen Papiers wurde bereits in den siebziger Jahren am legendären kalifornischen Forschungsinstitut Xerox Parc erarbeitet. Nick Sheridon entwickelte damals mit dem so genannten Gyricon-Papier das Grundprinzip, mit dem noch heute das elektronische Papier funktioniert.

Sheridon packte in eine dünne Schicht aus durchsichtigem Plastik Millionen von kleinen Kugeln, die auf der einen Seite schwarz und auf der anderen Seite weiß gefärbt waren. Die Kugeln konnten durch das Anlegen einer elektrischen Spannung mit der einen oder anderen Seite nach oben dreht werden, so dass ein sichtbares Bild erzeugt werden konnte.

Die Displays heutiger E-Books funktionieren ähnlich mit Hilfe der so genannten Elektrophorese, mit der die Wanderung geladener Teilchen in einem elektrischen Feld beschrieben wird. Dabei schwimmen in einer winzigen Mikrokapsel unterschiedlich geladene schwarze und weiße Pigmentkügelchen in einer ölartigen Flüssigkeit.

Durch eine gezielt angebrachte elektrische Ladung von außen landen entweder die schwarzen oder weißen Kügelchen auf der oberen Seite des Trägermediums. Eine Mikrokapsel repräsentiert dabei einen Bildpunkt (Pixel). Strom wird nur dann benötigt, wenn sich das Bild ändern soll, also beispielsweise bei einem Buch die Seite umgeblättert wird. Daher erreichen moderne E-Books im Vergleich zu Laptops extrem lange Batterielaufzeiten.

Gemeinsamkeiten …

Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Computerbildschirm strahlt das elektronische Papier selbst kein Licht aus. Daher benötigt man im Dunklen zum Lesen eine Lampe, wie beim herkömmlichen Papier. In hellem Sonnenlicht sind die Zeichen auf dem E-Paper sehr gut zu erkennen. Anders als Computerdisplays flimmern E-Reader nicht. Sie hinken derzeit allerdings noch bei der Auflösung sowie bei den maximal möglichen Grau- und Farbstufungen hinterher.

Daher zeigen die auf dem Markt befindlichen Modelle Texte und Grafiken nur in schwarz/weiß und in vergleichsweise wenigen Grauabstufungen an. In den Forschungslabors wurden aber auch schon Farb-E-Books entwickelt, die allerdings noch nicht serienreif sind.

Produktion von digitalem Papier in Dresden
Bild vergrößern

… und Unterschiede

Unterschiedliche technische Konzepte verfolgen die Anbieter bei der Bestückung der E-Books mit Inhalten. Amazon bietet in den USA über das proprietäre Funknetzwerk «Whispernet» von Sprint Nextel die Option an, elektronische Bücher aus dem Amazon-Store zu laden. Der «Reader» von Sony wird dagegen über ein Kabel vom Windows-PC aus mit Inhalten aus einem Online-Laden von Sony versorgt. Weiterhin kann der «Reader» verschiedene digitale Dokumente (PDF, RSS-Feeds aus dem Internet) zeigen und Musikstücke im MP3-Format abspielen.

Das E-Book «iLiad» von der Firma iRex wurde bei einem Feldversuch zur digitalen Auslieferung der belgischen Wirtschaftszeitung «De Tijd» via Wlan oder über ein Kabel mit dem PC aktualisiert. Die Hersteller von elektronischem Papier liefern sich derzeit ein Wettrennen, das Trägermedium aus Plastik immer dünner zu machen, damit es irgendwann so dünn und flexibel wie herkömmliches Papier wird. Daher beobachten auch viele Zeitungsverlage die Entwicklung des elektronischen Papiers mit Interesse.

So zeigte sich Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, schon vor zwei Jahren davon überzeugt, dass das Zeitungspapier durch elektronisches Papier ersetzt wird. Döpfner nannte als Stichdatum allerdings den 500. Geburtstag der Tageszeitung, der erst im Jahr 2105 begangenen wird. (Christoph Dernbach/dpa)

 
Drucken
Versenden
  • Bookmark:
  • Mister Wong Webnews Yigg Linkarena Google My Space Del.icio.us Oneview Facebook Twitter
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Zum NZ-Tarifrechner
Immobiliensuche
Immobilien
immonet
Aus anderen Ressorts
  •  Berlin 21°
  •  Hamburg 23°
  •  Köln 26°
  •  Frankfurt 27°
  •  Stuttgart 26°
  •  München 24°
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Anzeigen:
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2009 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.