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netzeitung.de«Crysis Warhead»: Shooter mit - ähem - Anspruch

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Selbst am Traumstrand wird geballert: 'Crysis Warhead' Screenshot: nz (Screenshot: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Selbst am Traumstrand wird geballert: 'Crysis Warhead' Screenshot: nz
Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

2007 gehörte der Ego-Shooter «Crysis» zu den besten Spielen des Jahres. Nun ist die Fortsetzung «Crysis Warhead» erschienen. Maik Söhler hat gefühlte 1000 Nordkoreaner erledigt, ist vor den Aliens aber geflüchtet.

Wenn es ja nur der Krieg wäre. Der ist ohnehin nicht mein Ding. Ständig dieses Gedröhne von Kampfhubschraubern, das Rasseln der Panzerketten, das Dauergeknalle aus Feuerwaffen jeglicher Art. Und dabei soll man sich konzentrieren. Konzentrieren, um mit den eigenen Feuerwaffen und Granaten dem ganzen Lärm noch mehr Krach hinzuzufügen.

Aber gut, so ist das nunmal, wenn man zu einem Shooter greift. Beschwert sich ja auch keiner, dass in einem Sportspiel so viel Leistung gefordert wird oder dass man in einem Strategiespiel ständig nachdenken muss. Krieg also, böse Nordkoreaner (und zwar viele), mit allem Drum und Dran, was moderne Armeen an Material so hergeben.

Nein, der Krieg ist nicht das Problem. Auch nicht die Grafik (fantastisch) oder die Steuerung (einfach) oder die Aufgabenstellung («Spreng einfach das ganze verdammte Resort in die Luft!») oder die geforderten Multitasking-Eigenschaften (mit der linken Hand den geklauten Jeep steuern, mit der rechten auf alles feuern, was sich bewegt) oder die Installation (simpel und zeitaufwändig, braucht man aber nicht, wenn man nicht online spielen will).

Feindpropaganda gegen «Psycho»
Problematisch ist die Feindpropaganda. Sobald man auf mehr als einen Gegner trifft, erschallt aus einem Lautsprecher oder Megafon unaufhörliche Propaganda. Man wolle mich Yankee hier nicht haben, in New York protestierten derzeit hunderte Demonstranten gegen mich, auch die Uno werde sich mit meinem Einsatz nicht abfinden und überhaupt sei hier alles prima, sofern ich mich rasch verkrümelte.

Das tue ich aber ganz sicher nicht, auch wenn die Dauerbeschallung sehr schnell und sehr stark nervt. Denn sonst wäre das Spiel ja zu Ende bevor es überhaupt richtig angefangen hat. Kann man nicht irgendwo den Mann mit dem Megafon abknallen oder den Lautsprecher mit einem Panzer kaputtfahren? Leider nein.

Was auch nervt, ist das Bewusstsein, dass man selbst hier als «Psycho» rumläuft. So nennen mich meine Vorgesetzten und Mitsoldaten, wenn sie was von mir wollen. Also nahezu ständig. Ich will aber nicht «Psycho» sein, hier laufen und fahren doch schon genug andere «Psychos» herum. Lässt sich das nicht ändern? Kann ich nicht irgenwo im Menü zu «Peacenik» werden oder wenigstens zu «Joe» oder «Soldat1»? Nein, geht leider nicht.

Bitte keine Aliens!
Macht aber auch nichts. So wird halt geschossen, was das Zeug hält, im Laufen, im Fahren, im Springen, in der Hocke. Die Waffenauswahl ist großartig, Munition reichlich vorhanden und der sogenannte Nanosuit vewandelt mich bei Bedarf von einem guten Soldaten in einen besseren, schnelleren, stärkeren, geschützeren, getarnteren.

Langweilig wird einem in «Crysis Warhead» auf diese Weise sicher nicht, erst recht nicht wenn auch Luftkissenboote, Hubschrauber und Senkrechtstarter gesteuert und durchs feindliche Dauerfeuer manövriert werden müssen. Auch dass nicht immer nur volle Breitseite großkalibrig gekillt werden muss, sondern auch mal getarnt und im Nahkampf, das sind wohl neben den ansprechend gestalteten Umgebungen die Stärken des Spiels.

Man muss deshalb nicht gleich, wie einige der einschlägigen Spiele-Magazine und -Portale zum Begriff «Shooter mit Anspruch» greifen. Das Spiel ist gut gemacht, Punkt. Wenn nur die Aliens nicht wären. Wozu braucht es in einem Shooter Aliens? Damit man nicht so oft auf Menschen nachempfundenen Figuren schießt? Aber man hat, bis das erste Alien eintrifft, doch schon tausend Gegener abgeschossen?

Was soll's, wo Aliens oder Monster oder Mutanten oder Zombies auftauchen, steige ich aus. War schon in anderen Spielen so und dabei bleibt es auch diesmal. Schade eigentlich, hat Spaß gemacht. Aber ich kann ja nochmal reingehen, wenn das Bedürfnis auf ein Außenirdischen-Massaker gerade groß ist.

Crysis Warhead - Crytek/EA, September 2008, 29,95 Euro - wurde von uns am PC gespielt.