24.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Mit Youtube zufrieden: Musikproduzent Chaka Zulu
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Immer mehr Musiker nutzen die Videoplattform Youtube. Aber anstatt dort ihre neuesten Musikfilmchen hochzuladen, veröffentlichen sie lieber eigene Songs zusammen mit einem Foto - als Appethäppchen.
Um Werbung für die neue CD von Ludacris zu machen, ging sein Manager sofort auf Youtube. Statt eines spektakulären Videos lud Chaka Zulu aber nur den Song «Let's Stay Together» und noch ein Bild des Künstlers dazu hoch. Youtube gilt zwar als Videoplattform im Internet, um dort Erfolg zu haben, muss man aber nicht unbedingt einen Film einstellen. Youtube entwickelt sich allmählich auch zu einer Plattform, um neue Musik zu verbreiten und kennenzulernen.
Ob ein Video nun dabei ist oder nicht, scheint fast schon egal zu sein. DJ Sickamore, der zwei Jahre bei Atlantic Records arbeitete, hat inzwischen seine eigene Entertainment-Management-Firma ins Leben gerufen. Er schätzt Youtube als Verbreitungsweg für Musik wegen der Einfachheit. «Bei anderen Sites braucht man zu viele Schritte», sagt DJ Sickamore. «Wenn ich einen Song mag, kann ich ihn einfach und ohne Probleme sofort hören. Das muss man doch nutzen.»
Zulu erkannte vor zwei Jahren erstmals, was man auf Youtube auch ohne Video erreichen kann, als er Ludacris' Song «War with God» nur mit dem Bild des Rappers einstellte. Kurz danach, so berichtet er, wurde sein Blackberry mit SMS überschüttet. «Das Internet spielte verrückt», sagt Zulu. «Ich bekam Tonnen an SMS, wo drin stand, wie toll der Song sei. Ich wusste nicht, dass das so viele Menschen hören. Das ist ein echtes Marketing-Instrument für uns», fügt er hinzu.
Nachteile von YoutubeUnd es wird inzwischen von Künstlern aller Genres genutzt. Country-Star Taylor Swift will für ihre im November erscheinende CD «Fearless» für jeden einzelnen Song ein Foto oder eine Video-Montage erstellen. «Mit einem Klick kann man Massenwerbung für einen Song machen», sagt auch Gospel-Künstler Tye Tribbett. Sein Chor Greater Anointing, der seine Lieder auf Youtube einstellte, konnte dadurch mit dem Album «Stand Out» einige Erfolge in den US-Gospel-Charts verzeichnen.
Aber natürlich gibt es auch Schattenseiten. So stellen dort Fans auch schnell mal ohne Wissen des Künstlers - und vielleicht in bester Absicht - einen Song ein, der noch gar nicht auf CD erschienen ist. «Es ist eine zweischneidige Sache», sagt David Bell von der Zomba Label Group, zu der auch Jive Records gehört, wo unter anderem Justin Timberlake, Chris Brown, Ciara und Britney Spears unter Vertrag sind.
Appetit angeregtBell erkennt zwar auch das Potenzial von Youtube an, setzt aber weiter lieber auf Radio-Werbung. Youtube sei auch zu einem Kanal für die unautorisierte Verbreitung von Musik geworden, kritisiert er. «Das sind nicht mehr nur die Peer-to-Peer-Tauschbörsen», sagt Bell. «Die Leute wollen zwar nur zeigen, wie toll sie einen Künstler finden, für uns ist das aber nur eine Vervielfältigung unserer Musik.»
Das musste auch Tribbett erfahren. Zuerst war er gar nicht glücklich, als er auf Youtube einen Song fand, der ohne sein Wissen dort verbreitet wurde. Inzwischen ist er sich aber sicher, dass Youtube ein wichtiger Grund war, warum das Album seines Chors ein Erfolg wurde. «Zuerst dachte ich, he, wer hat das Zeug vor der Veröffentlichung des Albums verbreitet. Aber ich merkte dann, dass dies genau die Werbung war, die den Appetit der Leute anregte, wodurch die Verkaufszahlen anstiegen. Also dachte ich mir, ist auch egal. Wer immer es war, er soll es wieder machen.» (Jonathan Landrum/AP)