Computer- und Videospiele:
Und ob das Spaß macht
19.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die Computerspiele der Jugendlichen erfüllten eine ähnliche Funktion wie Kriegsfilme im Kino für ihre Eltern, erläutert Klimmt: «Fernsehen und PC bieten einen Gegensatz zum belastenden Alltag.» Wer tagtäglich gegängelt werde, abends am Computer aber selbst die Armee befehligen dürfe, empfinde dabei echte Entspannung.
Bei Internet-Rollenspielen hingegen komme es vielen Spielern inzwischen mehr darauf an, mit Online-Bekannten zu plaudern, als einen weiteren bösen Drachen zu besiegen. «In den Chats geht es nur bei einem Bruchteil der Fälle um das Spiel selbst. Besprochen wird stattdessen alles von George Bushs Politik bis zur gescheiterten Beziehung.»
Im PC-Labor der Mainzer Universität prüfen Klimmt und seine Mitarbeiter die Reaktion von Testkandidaten auf die Spiele, die sie Freiwilligen vorsetzten. Mit wenigen Computertasten können sie etwa ein Pferd auf dem Bildschirm auf Trab bringen. «Gut gemacht», lobt der Rechner nach einem erfolgreichen Ritt über den Parcours des Ponyhofs.
Doch bei den männlichen Probespielern mag keine rechte Begeisterung aufkommen. Denn am Heimcomputer werden nach wie vor massenhaft Klischees bedient: Mädchen hassen Kriegsspiele und lassen sich dafür bei virtuellen Tierarztpraxen kaum vom Monitor wegzerren. Für männliche Jugendliche hingegen seien Fragen nach der eigenen Männlichkeit ganz wichtig, sagt Klimmt. Daher bevorzugten sie auch oft sogenannte Ego-Shooter - Spiele, bei denen der Spieler sich in Ich-Perspektive durch eine dreidimensionale Welt bewegt und unterwegs Feinde oder Monster massakrieren muss.
Mit derlei Argumenten können viele Kritiker wenig anfangen. «Killerspiele sind grausam und menschenverachtend», erklärte unlängst Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU), «niemand braucht solche Erzeugnisse.» Aus dem bayerischen Landtagswahlkampf wurden gar Forderungen laut, die Verbreitung Gewalt verherrlichender Spiele mit Freiheitsstrafen zu ahnden.
Bildungserfolge, Freunde oder das Wohngebiet spielten aber eine deutlich größere Rolle als die Art der konsumierten Computerspiele. Problematisch sei auch, dass bei vielen exzessiven Spielern das Sozialleben verkümmere: «Es gibt Leute, die fragen sich inzwischen: 'Warum soll ich noch im Fußballverein bleiben, wenn ich Fifa 08 am PC spielen kann und dabei viel erfolgreicher bin?'» (Karsten Packeiser/epd)

