50 Jahre Mikrochips: 

netzeitung.deEin Schaltkreis, der die Welt beschleunigte

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Immer kleiner, immer schneller: Schaubild des Mooreschen Gesetzes (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Immer kleiner, immer schneller: Schaubild des Mooreschen Gesetzes
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Vor 50 Jahren wurde der erste integrierte Schaltkreis erfunden. Er hatte immer mehr Rechenleistung auf immer kleinerem Raum zur Folge. Und mit ihm wurde die Basis für eine boomende Industrie geschaffen.

Laptops, Handys, Steuerelektronik im Auto wie in der Waschmaschine: Ohne Mikrochips wäre das nicht möglich. Vor 50 Jahren wurde der erste integrierte Schaltkreis erfunden und damit die Grundlage der Technik gelegt, aus der im Laufe der Jahre immer leistungsfähigere Chips entstanden - mit der Folge, dass heute eine Armbanduhr mitunter über mehr Rechenleistung verfügt als vor über 50 Jahren ein schrankgroßer Elektronenrechner brachte.

1958 trat der amerikanische Ingenieur Jack Kilby seinen Job in der Entwicklungsabteilung des Technologie-Konzerns Texas Instruments an. Der Transistor war zehn Jahre zuvor erfunden worden. Schaltungen zum Beispiel für Computer bestanden aber immer noch aus verschiedenen Bauelementen auf einer Platine. Nachteil war, dass höhere Rechenleistung nur durch zusätzliche Komponenten erreicht werden konnte. Großrechner wurden also immer größer; ihre Verdrahtung immer schwieriger.

Mit dem Problem dieser «Tyrannei der großen Zahl» habe sich Kilby im Sommer 1958 beschäftigt, als er als Neuling bei Texas Instruments keinen Urlaub machen durfte und das Labor für sich allein hatte, erzählt der Präsident des Hightech-Verbandes Bitkom, August-Wilhelm Scheer. Kilby gelang es, Transistoren, Widerstände und Kondensatoren auf einem winzigen Halbleiterbauteil zu vereinigen, dem ersten integrierten Schaltkreis (IC).

Am 12. September 1958 präsentierte er die Urmutter aller Mikrochips der Öffentlichkeit. Kilby erhielt dafür im Jahr 2000 den Physik-Nobelpreis. Unabhängig von Kilby entwickelte etwa zur gleichen Zeit auch Robert Noyce, der spätere Mitgründer des Chip-Riesen Intel, den IC.

Grundlage für eine boomende Industrie
Im Laufe der Jahre wurden Chips immer kleiner, dichter gepackt und damit leistungsfähiger. Intel-Mitbegründer Gordon Moore hatte 1965 vorausgesagt, dass sich die Zahl der Transistoren auf einem Integrierten Schaltkreis alle zwei Jahre verdoppeln werde. Bis heute hat er im Wesentlichen recht behalten, auch wenn die Miniaturisierung irgendwann an Grenzen stoßen wird.

Moderne integrierte Schaltungen sind fast überall zu finden. Als Mikroprozessoren sind sie die Rechenhirne des Computers zu Haus und im Büro, Speichermodule sind der Arbeitsspeicher, eine Art Kurzzeitgedächtnis, des PC. Die Bauelemente kommen auch in Handys, MP3-Playern, elektronisch gesteuerten Maschinen oder Autos mit intelligenter Fahrzeugtechnik zum Einsatz, wie Bitkom erläutert.

Kilby legte mit seiner Erfindung den Grundstein für eine boomende Industrie. Der weltweite Markt für Mikrochips wird nach Angaben von Bitkom im Jahr 2008 voraussichtlich ein Volumen von knapp 161 Milliarden US-Dollar erreichen, vier Prozent mehr als im Vorjahr. (Joachim Sondermann/AP)