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Googles neuer Browser : 

Nicht alles an Chrome ist glänzend

04. Sep 2008 07:48
Google-Entwickler Ben Goodger stellt Chrome vor
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«Smarter, innovativer Browser», «kein großer Wurf», «ausgezeichneter Anfang», «nicht zu empfehlen» - die Reaktionen von IT-Journalisten und Datenschützern auf Googles Browser Chrome fallen unterschiedlich aus.

Es ist nur eine Beta-Version, ein Produkt mit Macken und Fehlern. Dennoch hat die Veröffentlichung von Googles Browser Chrome hohe Wellen geschlagen. Schon wenige Stunden nach Veröffentlichung am Dienstagabend hatten weltweit mehrere Millionen Nutzer das Programm heruntergeladen.

Das bunte Logo sehen viele als Garanten für praktische Dienste, die das Leben im Internet leichter machen. Experten halten den Browser dagegen nicht nur für eines der Experimente, die der Konzern reihenweise startet. Denn Chrome könnte die Bedeutung des Internets langfristig verändern. Den strategischen Gehalt des neuen Produktes machte Google-Gründer Sergey Brin bei der Vorstellung deutlich: «Unser Geschäft läuft gut, wenn die Leute das Internet viel nutzen.»

Denn der Konzern bietet neben seiner Suchmaschine auch zahlreiche Online-Anwendungen, die Nutzer direkt aus dem Browser bedienen - etwa Programme für E-Mails, einen Kalender und eine Textverarbeitung. Diese sind aber aufwendig und laufen unter den derzeit genutzten Browsern oft holprig.

Offener Quellcode

«Wenn als Resultat von Chrome der Internet Explorer 9 deutlich schneller wäre, würden wir das als Erfolg ansehen», sagte Brin in Anspielung auf eine Programmversion von Microsoft, die es noch gar nicht gibt. Google will also den Wettbewerb verschärfen, damit alle Browser schneller und sicherer laufen - und damit auch die eigenen Online-Anwendungen, mit denen man dem Rivalen aus Redmond und seinen kostenpflichtigen «Office»-Produkten einheizt.

Daher ist auch nicht verwunderlich, dass Google den Quellcode offenlegt. So erreicht man Entwickler, die freiwillig ihre Arbeitskraft einbringen. Und andere Open-Source-Projekte wie Mozilla, das den Firefox-Browser entwickelt, dürfen Funktionen aus Chrome übernehmen und für die Verbreitung der Technologie sorgen.

Ein «ausgezeichneter Anfang»

Mit der Veröffentlichung einer vorläufigen Version geht Google allerdings das Risiko ein, dass Schwächen und Lücken dem Image des neuen Produktes schaden. Die Fachwelt ist gespalten. Rezensenten wie Walt Mossberg, Technik-Experte des «Wall Street Journal», bezeichnet Chrome als «smarten, innovativen Browser, der die Benutzung des Internet schneller, leichter und weniger frustrierend macht».

An einigen Stellen holpere es aber, zudem fehlten noch einige Funktionen, etwa ein Programm für die Verwaltung von Lesezeichen. David Pogue von der «New York Times» hält Chrome noch nicht für den großen Wurf, aber einen «ausgezeichneten Anfang».

Experimentierfreudige Nutzer sollten mit Chrome jedoch vorsichtig sein. Die vorläufige Version sei «ein Risiko für die Sicherheit», warnt Daniel Bachfeld, Computer-Experte vom Heise-Verlag. Bereits nach wenigen Stunden sei eine potenziell gefährliche Sicherheitslücke entdeckt worden. «Normale Anwender sollten Chrome nicht zum täglichen Surfen im Internet einsetzen», lautet Bachfelds Fazit.

«Nicht zu empfehlen»

Nach einer ersten Prüfung sind auch Datenschützer skeptisch. Derzeit «nicht zu empfehlen» sei Chrome, meint Christian Krause vom Unabhängigen Landesdatenschutzzentrum Schleswig-Holstein. Denn bei der Installation erzeuge das Programm eine Identifikationsnummer.

Sie wird zwar laut Unternehmen nur für Aktualisierungen der Software eingesetzt. «Schon beim Start des Computers wird nach Updates gesucht und damit auch die Nummer übermittelt», moniert Krause jedoch. Damit seien Nutzer für Google theoretisch jederzeit identifizierbar. Wer das Unternehmen ohnehin für eine Datenkrake hält - und das sind nicht wenige -, dürfte hier sicherlich stutzen.

Für ein seriöses Fazit ist es zu früh, die Entwicklung ist im vollen Gange. Dennoch: Mit Chrome ist zu rechnen - als eigenständiges Programm wie auch als Wettbewerber, der den anderen im Nacken sitzt. (Christof Kerkmann/dpa)
 
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