Digitale Post verschlüsseln:
Wie die E-Postkarte sicher wird
25.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Nun ist es aber doch ein Thema - schon weil E-Mails wie Postkarten offen lesbar sind. «Der Inhalt wird schließlich im Klartext übertragen», erklärt Wolf, der als wissenschaftlicher Koordinator am Horst-Görtz Institut für IT-Sicherheit der RUB arbeitet. Jeder aufgeweckte 14-Jährige könne mit entsprechender Software zum Beispiel über Wlan den E-Mail-Verkehr der Nachbarn mitlesen. Auch für Provider und Systemadministratoren sei dies kein Problem.
Auf OpenPGP basiert zum Beispiel das vom BSI entwickelte und kostenlos erhältliche Programm GPG4Win. Dieses muss der Anwender auf seinem PC installieren. Anschließend lässt er von der Software einen privaten Schlüssel sowie einen öffentlichen Schlüssel erzeugen. Damit der Anwender einer anderen Person verschlüsselte E-Mails zukommen lassen kann, benötigt er dessen öffentlichen Schlüssel. Die öffentlichen Schlüssel müssen also unter den Kommunikationspartnern einmalig ausgetauscht werden - das geht ohne Gefahr per E-Mail.
Auf dem S/MIME-Standard aufsetzende Verschlüsselungs-Lösungen haben den Vorteil, dass sie in vielen E-Mail-Clients wie Outlook schon enthalten sind. Allerdings sieht S/MIME nicht den direkten Austausch öffentlicher Schlüssel zwischen Sender und Empfänger vor. Für die Authentifizierung ist ein digitales Zertifikat notwendig. So ein Zertifikat lässt sich mit einem Aufwand von rund einer Viertelstunde beantragen und installieren. Kostenlos geht dies zum Beispiel beim Zertifizierungsanbieter Thawte.
«Wer verschlüsselte E-Mails erhalten möchte, muss also den Versendern der E-Mail selbst eine Mail mit der digitalen Signatur schicken», erläutert Julian Kellermeier vom Web.de-Kundenservice. E-Mail-Clients, die mit S/MIME umgehen können, integrieren diese digitale Signatur und können so die E-Mails verschlüsseln.
Zumindest für private Anwender hat die Verschlüsselung keine Nachteile. Probleme könne es in Unternehmen geben, weil Virenscanner und Firewalls mit verschlüsselten E-Mails nichts anfangen können, so Michael Krauß vom BSI. Neben der Verschlüsselung dienen sowohl OpenPGP als auch S/MIME der Signierung von Daten. Anhand dieser elektronischen Unterschrift kann der Empfänger die Echtheit einer E-Mail feststellen.
«PGP Desktop E-Mail» etwa ist mit einer Ein-Jahres-Lizenz für 59 Euro zu haben. Es verfügt im Vergleich zu den kostenlosen Programmen über zusätzliche Funktionen. So lassen sich damit zum Beispiel Daten in virtuellen Laufwerken verschlüsseln. (Sven Appel/dpa)

