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Games Convention 2008: 

Gelegenheit macht Spiele

22. Aug 2008 10:38
Ob es in
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So viele Spiele! So ein Krach! So irre Leute! So viel Neues! Maik Söhler hat sich auf der Games Convention in Leipzig bis zur völligen Erschöpfung beschleunigen lassen.

Das Tolle an Computer- und Videospielen ist, dass sie Unterhaltung zum Mitmachen versprechen. Das Problem an Computer- und Videospielen ist, dass nur die wenigsten von ihnen dieses Versprechen einhalten. Die Games Convention in Leipzig spiegelt diesen Widerspruch exakt wider. Man sieht hunderte, nein: tausende auf den ersten Blick interessante Spiele. Aber nur an maximal ein Dutzend wird man sich später noch erinnern.

Um die eigene Position gleich deutlich zu machen: Hier schreibt kein Hardcore-Gamer. Sondern einer jener vielen Gelegenheitsspieler, die sich so leicht von Nintentos Wii haben vereinnahmen lassen; jemand, den die tollste Grafik zwar beeindruckt, der sich ein Spiel deshalb aber noch lange nicht kaufen würde; jemand, der Serienlogik, Querverweise und Spielzitate zwar zu schätzen weiß (wenn er sie denn erkennt), dem aber ein einfaches Sportspiel in durchschnittlicher Grafik ohne spielhistorische Bezüge genug gibt.

Daher ist eine kleine Enttäuschung schon bei der Anreise zur Games Convention vorhanden, Nintendo wird in Leipzig nicht vertreten sein. Das macht aber nach dem Betreten der Hallen nichts mehr aus – diese Messe ist wie für mich gemacht.

Rundgang? Nein, losspielen

Ich habe einen Rundgang durch alle Hallen eingeplant. Erstmal alles ansehen, danach gezielt spielen. Dieser Plan ist nach drei Minuten hinfällig. In der Haupthalle stehen Fahrsimulatoren für das Autorennspiel «Gran Turismo» – und einer wird gerade frei. Wer weiß, wann diese Chance wiederkommt? Also rein, Spiel starten und losbrettern.

Rockstar Games auf der Games Convention
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Das ist noch krasser als an der Spielkonsole. Nach 30 Sekunden schleudere ich durchs Kiesbett, alle anderen fahren vorbei. Ruhig bleiben, anfahren, schalten, steuern, bremesen, beschleunigen. Wahnsinnig empfindlich, das alles. Werde Sechzehnter, von 16, und das auf meiner Lieblingsstrecke. Also noch mal. Elfter. Nochmal. Neunter.

Die Zeit verrint

Was? Schon eine Stunde vorbei? Ich muss doch schon um 18 Uhr zurück. Erstmal umsehen: Riesenpromotion für «Rockband», die Ergänzung von «Guitar Hero» für mehrere digitale Musiker. Noch mehr Werbung für «Mirror's Edge». Muss ich später unbedingt spielen. Und, klar, «World of Warcraft». Überall Menschen in Fantasy-Kostümen, an einem World of Warcraft-Stand stehen zig Leute und tauschen Sammelkarten.

'Donkey Kong'
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Rein in die Hallen, zuerst Halle 2. Ich gehe durch einen Tunnel, ausgestattet vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit Info-Material über Ausbildungen und Bewerbungen. Direkt dahinter befindet sich der Stand des Computerspielemuseums. Motto: «30 Jahre Space Invaders». Man kann das Spiel an einem alten Daddelautomaten starten – oder mit dem eigenen Körper als Spielgerät auf einer Riesenleinwand. Statt Knöpfe zu drücken, rudert man mit den Armen durch eine Lichtschranke und schießt so die Aliens ab.

Nach gefühlten zehn und realen 30 Minuten höre ich schweißgebadet auf und wende mich alten Spielkonsolen zu. Hier stehen Geräte, mit denen schon im Mittelalter gespielt wurde: Vectrex, Amiga 600, Nintendo 64, Neogeo und ein C64 ist auch angeschlossen. Ich kenne fast alle der alten Spiele: «Donkey Kong», «Arkanoid», «Megadrive», «Raiden». Retro total.

Eine Stunde später

Plötzlich ist es schon Mittag. Ich habe noch nichts gegessen, nichts getrunken und erst eine von fünf Hallen besucht. Auf in die nächste, Halle 4. Dafür muss man aber übers Freigelände und dort könnte man doch schnell noch eine Runde mit dem Quad …, nein, weiter. Halle 4 ist auf Spielezubehör und E-Sport spezialisiert. AMD zeigt in einer «Experience Black» genannten Ecke großartig getunte Geräte von Aspire, samt Spielen natürlich.

Feldjäger-Motorrad der Bundeswehr
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Spieler trainieren für die World Cyber Games, bei Razer gibt’s eine Kiddie-Massenhysterie nach der anderen, weil irgendwas kostenlos in die Menge geworfen wird. Bei Roccat ist es noch schlimmer. Kurz mal in «Entropia» reinklicken, eine der vielen «Second Life»-Nachfolgerwelten. Und mittendrin: die Bundeswehr. Wirbt für die «Karriere der Zukunft». Und zeigt harte Männer – Offiziere, Marinesoldaten sowie Feldjäger. Ich muss lachen, so fehlplaziert wirkt der Bund hier.

Halle 5

Im Übergang wieder mal ein «Bändchen-Point» – ab 18, ab 16, ab 12. So müssen Kinder und Jugendliche nicht bei jedem einzelnen Spielehersteller ihr Alter nachweisen. Halle 5, pompös, gegenwärtig und unvorstellbar laut: «Fallout», «Guitar Hero World Tour», «Star Wars», «Bionic Commander», «007 – Ein Quantum Trost», vor allem aber Multiplayerspiele wie «Age of Conan», «Starcraft» und «Chronicles of Spellborn».

Genau dafür entscheide ich mich, habe mich bislang immer vor Multiplayerspielen gedrückt und erinnere mich nach 25 Minuten auch wieder an die Gründe. Viel zu kompliziert, man steht erstmal wie ein Depp in der Gegend rum und begreift gar nichts. Später vielleicht mal, jetzt aber: weiter. Handyspiele, Minikonsolen und Spiele, «My Horse & Me», «Hard Working People», Kinder- und Familienspiele.

Halle 3

Jetzt wird's härter: «Stalker – Clear Sky», «Far Cry 2», komme rechtzeitig zur Premiere eines Trailers aus «Crysis Warhead». Verstehe jetzt erst, warum am Stand der Bundeswehr außer mir niemand gelacht hat, warum auch, wenn in jedem dritten Game Geschichten von Heldentum, Krieg und Waffengewalt erzählt werden. Die Feldjäger vom Bund genießen hier große Achtung, sie könnten ja glatt als Hauptfiguren von «Crysis Warhead» durchgehen.

Halle 3 wird von den großen Spieleanbietern dominiert: EA, Ubisoft, 2K, Deep Silver, Rockstar Games. Rockstar, das in diesem Jahr mit «Grand Theft Auto 4» schon großen Erfolg hatte, setzt «Night Club Los Angeles» drauf. EA kontert mit «Spore» und «Fifa 09». Tausende Menschen, dicht an dicht, lange Schlangen, wo es was zu spielen gibt, dazwischen «Singstar», Mädchen am Rand der Ohnmacht, aufgeregte Rapper-Jungs.

«Fifa 09» spielt sich wie «Fifa 08» oder «Euro 08». Quatsch, ich bin einfach nur zu schlecht und beziehe eine Klatsche nach der anderen. Am besten alleine spielen, ab an die Xbox 360 auf eine Partie «Galaga Legend». Zwei Partien, vier, zehn. 16 Uhr.

'Space Invaders' mit Bewegungssensor
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Spielen, spielen, spielen

Lasse mir von Yvio-Mitarbeitern erklären, warum sie auch die klassischen Brettspiele noch teildigitalisieren. Das sei nur eine Ergänzung, sagen sie, man führe eben das Beste aus zwei Welten zusammen. An der Wii war ich heute noch gar nicht, stehen hier überall rum, die Konsolen, auch ohne Nintendo. «Summer Athletics», aber nicht im Wettbewerb mit anderen, die auf einer Bühne gegeneinander antreten.

Dann: ein Flugsimulator. Zig deutsche Flughäfen zum Üben von Start und Landung, Vogelperspektive, Seitenblick, Cockpitbeherrschung. Mein ICE geht in einer Stunde. Ein Spiel noch. Und noch eins. Ich werde den Zug verpassen.

Die Rückfahrt

Nehme einen ICE später als geplant und merke im Zug, wie erschöpft ich bin. Nicht die Masse an Spielen ist das Problem, sondern der Lärmpegel. Und die Eile. Wie konnte mir das nur passieren, dass ich mich zeitlich so verschätzt habe? Bin ich etwa doch kein Gelegenheitsspieler? Bin ich, schluck!, ein Hardcore-Gamer?

Nein. Zuhause jedenfalls nicht. Auf der Games Convention 2008 aber gab es einfach viele, zu viele Gelegenheiten zum Spielen. Trotzdem: Spaß hat's gemacht.

 
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