Persönliche Daten in Online-Netzwerken: 

netzeitung.deVorsicht auch bei Xing und Co.

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Millionen Profile: Facebook am Bildschirm (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Millionen Profile: Facebook am Bildschirm
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Skandal um die Weitergabe von Verbraucherdaten lässt viele Webuser nachdenklich werden. Matthias Gärtner vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik rät selbst in sozialen Netzwerken zur Datensparsamkeit.

Nutzer von Online-Netzwerken geben persönliche Daten häufig allzu leichtsinnig weiter. Das gilt auch für seriöse Communitys zum Knüpfen beruflicher Kontakte: Auch wer bei Xing und Co. Angaben zu persönlichen Interessen und Hobbys veröffentlicht, mache gezielte Angriffe auf den eigenen Rechner einfacher, warnte Matthias Gärtner am Montag.

«Informationen über Personen oder Personengruppen können zum Beispiel für Phishing-Mails genutzt werden», so der Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. Wird in entsprechenden E-Mails auf bestimmte Informationen über den Betreffenden Bezug genommen, sei umso leichter dessen Interesse geweckt.

Wissen Kriminelle zum Beispiel, wo der Netzwerknutzer am liebsten Urlaub macht, können sie schon in der Betreffzeile daran anknüpfen und so dessen Hemmschwelle senken, die Mail zu beachten. Öffnet der Empfänger die Phishing-Mail, kann sein PC etwa durch durch einen Trojaner ausgespäht werden, ohne dass er etwas davon merkt.

Auf diese Weise können die «Angreifer» dann noch an ganz Informationen gelangen als an Hobbys - nicht zuletzt an sensible Daten wie Pin-Nummern fürs Online-Banking. «Beim Öffnen von Mails ist deshalb immer Vorsicht geboten», sagte Gärtner - auch dann, wenn der Inhalt vertraut wirkt. Hilfreich sei außerdem, beim Virenschutz auf dem neuesten Stand zu bleiben, regelmäßig Patches aufzuspielen und sich über Sicherheitslücken zu informieren.

Neun Millionen Deutsche haben Online-Profile
Damit der Missbrauch möglichst keine Chance hat, ist aber schon vorher Vorsicht geboten: «Datensparsamkeit ist hier das Stichwort», sagte Gärtner. Auch in Karrierenetzwerken sollte überlegt mit Informationen über sich selbst umgegangen werden. «Man muss schließlich nicht seine ganze Lebensgeschichte ausbreiten.»

Wer bereitwillig ausplaudert, welchen Wein er am liebsten trinkt, in welcher Partei er Mitglied ist oder was er dem Partner am Sonntag kocht, muss sich nicht wundern, wenn diese Informationen in falsche Hände geraten. Die Gefahren, die das Veröffentlichen von persönlichen Inhalten im Internet hat, scheinen viele Nutzer nicht zu sehen.

Im Gegenteil, immer mehr wird das Netz zur öffentlichen Schaubühne: Einer im Frühsommer veröffentlichten Studie des Instituts Forsa zufolge haben rund neun Millionen Bundesbürger ein Profil bei einem Netzwerk wie Xing, StudiVZ oder Facebook. Das waren rund 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Hohe Wahrscheinlichkeit des Datenmissbrauchs
Mehr als 15 Millionen Deutsche veröffentlichen im Web eigene Fotos, ergab eine Studie des Instituts TechConsult aus Kassel für den Brachenverband Bitkom in Berlin. Fast 12 Millionen tun ihre Ansichten in Diskussionsforen kund, 6,8 Millionen haben eine Homepage, 1,8 Millionen führen ein Blog. Knapp 10,5 Millionen Deutsche veröffentlichen online «sonstige persönliche Daten».

«Im echten Leben ist es eigentlich genauso», sagte Matthias Gärtner: «Wenn ich überall rumerzähle, wann ich wo im Urlaub bin, dann weiß man eben auch, wann meine Wohnung leersteht.» Im Internet wissen es allerdings immer gleich noch potenziell viele Millionen andere mehr - das macht die Wahrscheinlichkeit des Datenmissbrauchs umso größer. (Gespräch: Andreas Heimann, dpa)