Spielemesse Games Convention:
Olympia-Games: Mitspielen ist alles
15. Aug 2008 12:30
 |  Das Spiel zu den Spielen: Szene aus 'Beijing 2008' | Foto: Sega |
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Immer nur zusehen, wie andere sportliche Höchstleistungen bringen, das kann es doch nicht sein. Zwei neue Konsolenspiele bieten Olympia-zum-Mitmachen.
Maik Söhler und
Marcus Gottschalk haben sie getestet.
Wir haben uns alles ganz genau angesehen. Egal ob Schwimmen, Leichtatlethik, Reiten, Kajak oder Radfahren – von den Athleten in Peking am Fernsehbildschirm lernen, heißt an der Spielkonsole siegen lernen. Dachten wir zumindest.
Bis dann « Beijing 2008», das offizielle Spiel zu den olympischen Sommerspielen, startete. Plötzlich war alles anders. Denn wie soll man diese raumgreifenden Bewegungen eines Michael Phelps beim Butterfly auf den paar Buttons des Xbox-Controllers nachahmen? Wie, bitte, lässt sich die filigrane Körperbeherrschung von Turmspringerinnen auf eine Abfolge an Knopfdruck- und Hebelreißfolgen reduzieren? Schnell sind wir ratlos. Gut, 100- und 200-Meter-Lauf, das kriegt man problemlos hin. Bahnradfahren auch. Ebenso Schießen (mit der Schnellfeuerpistole). Aber schon bei Skeet-Schießen gehen die Probleme los. Man trifft diese Dinger einfach nicht. Das Kugelstoßen entwickelt sich zum Rätselraten. Erst die Hebel rütteln, dann den Winkel einstellen und welcher Button musste jetzt erst gedrückt und dann losgelassen werden – «Foul».
Entspanntes Bogenschießen, schmerzhafter 1500-Meter-Lauf
Vor allem das ständige Rütteln, manchmal auch Kreisen im Uhrzeigersinn, seltener auch Kreisen des einen Steuerungshebels im und des anderen gegen den Uhrzeigersinn, führt schnell zu ersten Ermüdungserscheinungen der Finger, des Handgelenks, des Unterarms. Nach erfolgreichem 1500-Meter-Lauf kommen auch noch leichte Schulterschmerzen hinzu.
 |  Bahnradfahren: Szene aus 'Beijing 2008' | Foto: Sega |
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Schwimmen ist nicht ganz so hektisch, nach ein, zwei Trainingseinheiten ist zumindest der dritte Platz erreichbar – wenn nur die Wende nicht wäre. Entspannend ist allein das Bogenschießen, hier erweist sich der Xbox-Controller als ideal geeignet, um mit ein wenig Übung rasch zu guten Resultaten zu kommen. Bloß nicht ablenken lassen, sonst surren die Pfeile sonstwohin.Grafik und Sound sind toll, jede der Sportdisziplinen wäre mit Übung irgendwann problemlos zu schaffen, man kann alleine oder gegeneinander oder online in den Wettbewerb gehen, in Einzeldisziplinen oder im von der Konsole ausgewählten Zufallsmehrkampf, Abwechslung ist garaniert. Aber trotz der Anstrengungen für Armmuskeln und Fingergelenke bleibt «Beijing 2008» auf der Xbox 360 am Ende Sitzsport.
Nun zum Sport
Ganz anders hingegen verhält es sich mit «Summer Athletics» auf der Wii. Auch hier beginnen wir mit den klassischen Kurzstreckenläufen. Und gleich ist klar: Jetzt wird es sportlich. Hier ist plötzlich nicht nur ein Körperteil in Bewegung, sondern (fast) der ganze Körper. Es wird geschüttelt, rotiert und gerudert, vor allem dann, wenn man die Kurzstrecken verlässt.Beim Speerwerfen jauchzen die Fenster vor Freude über die Handgelenksschlaufen des Wii-Controllers, beim Dreisprung geht der Fernseher lieber trotzdem in Deckung und vom Hammerwerfen reden wir hier besser gar nicht erst.
 |  Bogenschießen: Szene aus 'Summer Athletics' | Foto: Nintendo |
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Die Grafik ist deutlich schlechter als bei «Beijing 2008» auf der Xbox, das macht aber nichts, denn die Grafik im Olympiastadion ist ja auch schlechter als jene bei einer Übertragung im Hightech-TV-Gerät. Und noch eins hat «Beijing 2008» dem Konkurrenten «Summer Athletics» voraus: Hier nun erweist sich das Bogenschießen als Sportdisziplin von großer Schwierigkeit.
Gold für «Summer Athletics»
Das war's aber auch schon. Ansonsten schlägt die Wii die Xbox um Weiten, ebenso holte «Summer Athletics» Gold, wenn wir Medaillen zu vergeben hätten. Kaum eine Sportart ist ohne Anstrengung zu bewältigen, wobei sich Hochsprung, Stabhochsprung, Recurve-Bogenschießen und Turmspringen technisch als besonders schwierig präsentieren.
Ausdauer und eine gute Oberkörpermuskulatur braucht man bei der 4x100-Meter-Lagenstaffel und erst recht beim Radrennen. Wer die vorgegebenen Sportler-Charaktere leid ist, kann sich seinen eigenen Athleten gestalten und mit ihm in die Wettkämpfe gehen – allein gegen die Konsole oder gegen andere Spieler im Raum. Welches der beiden Spiele man auch immer einlegt, längst gilt: Nicht nur dabei sein, sondern Mitspielen ist alles.
Beijing 2008 – Sega, Juni 2008, rund 70 Euro – wurde von uns auf der Xbox 360 gespielt. Es ist auch für die Playstation 3 und als PC-Spiel erhältlich.
Summer Athletics – dtp, Juli 2008, um die 40 Euro – wurde von uns auf der Wii gespielt. Es ist auch für die Playstation, die Xbox 360 und als PC-Spiel erhältlich.