12.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Webseite des georgischen Präsidenten Screenshot: nz
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Krieg im Kaukasus schockiert Europa. Schon tauchen Hinweise auf, dass sich Russland und Georgien auch im und übers Internet angreifen. Maik Söhler untersucht, was da dran ist. Teil 1
Cyberwar ein schillerndes Wort, das Aufmerksamkeit verlangt. Als ob der Krieg mit konventionellen Waffen nicht schlimm genug wäre. Als ob es neben den Kämpfen mit hochtechnisierten Waffen auch noch Schlachten mit digitalem und virtuellem Material bräuchte. Aber gut, es gibt ihn ja, den Cyberwar, und auch im Kaukasus begegnet er uns dieser Tage.
Viel ist es nicht, was man darüber gesichert weiß, und das wenige ist wie immer im Krieg - so eng mit Propaganda verknüpft, dass man auch hier vorsichtig sein muss. Aber gut, wenden wir uns erstmal den (vermeintlichen) Fakten zu. Die Nachrichtenagentur AP meldet, das polnische Staatsoberhaupt Lech Kaczynski habe dem georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili Zugang zu seiner amtlichen Website gewährt.
Damit solle es der georgischen Regierung ermöglicht werden, unabhängige Informationen über ihren Konflikt mit Russland über die abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien zu erhalten. Weil Russland georgische Internetportale blockiere, habe Saakaschwili um Zugang zur polnischen Präsidentenwebsite in englischer Sprache gebeten.
Website Saakaschwilis zieht in die USA um Und nochmal AP: Die Website Michail Saakaschwilis ist nach Hackerangriffen zu einem Provider in den USA umgezogen. Die ursprünglichen Server in Georgien seien am Wochenende von Russen mit Angriffen überschwemmt und blockiert worden, sagt Nino Doijashvili, die Chefin des in Atlanta ansässigen Hosters Tulip Systems.
Die in Georgien geborene Doijashvili machte in ihrer Heimat Urlaub, als am Freitag die Kämpfe begannen. Sie bot der Regierung sofort ihre Hilfe an, um die Websites president.gov.ge und die eines georgischen Fernsehsenders, rustavi2.com, auf die Server ihrer Firma zu verlegen. Doijashvili sagte telefonisch, die Hackerangriffe könnten nach Moskau und St. Petersburg zurückverfolgt werden.
Das Russian Business NetworkDas IT-Portal Heise.de, der Verbreitung von Kriegspropaganda unverdächtig, konkretisiert, seit Ende der vergangenen Woche seien einige informationstechnische Systeme Georgiens «offenbar massiven Angriffen ausgesetzt». Offizielle Internetseiten seien seit Beginn der Kampfhandlungen nicht mehr erreichbar. Verdächtigt wird das so genannte Russian Business Network, ein Zusammenschluss von Hackern im Dienste oder mit Unterstützung der russischen Regierung.
Demnach habe das Netzwerk sowohl georgische Internetserver als auch wichtige internationale Verbindungsserver unter die eigene Kontrolle gebracht. «Spiegel Online» dagegen verweist auf eine Expertise des IT-Sicherheitsspezialisten Jart Armin. Er erkenne in einigen der Attacken die Arbeitsweise einer «russischen Hackerbande aus dem kriminellen Umfeld» wieder. Eine russische Nachrichtenagentur berichtete indes, aus Georgien könnten keine Internetseiten mit der Endung .ru mehr aufgerufen werden.
Keine Veränderungen der InhalteIn der Tat waren einige offizielle georgische Webseiten übers Wochenende nur schwer oder gar nicht zu erreichen, jene des Präsidenten Saakaschwili wird erst seit Montag wieder aktualisiert. Die Webseite des Außenministeriums ist von den Angriffen nicht betroffen, die des Verteidigungsministeriums dafür umso mehr. Nach übereinstimmenden Berichten aus den USA und Deutschland werden Webseiten, sofern man den entsprechenden Servern habhaft werden kann, offline gesetzt. Inhalte der Seiten werden nicht verändert.
Übereinstimmend heißt es auch, wenn überhaupt, dann gingen die Attacken auf Server von russischer Seite aus, während der Kriegsgegner aus Georgien sich auf eine Umverteilung der eigenen Inhalte konzentriere. So sind zahlreiche Weblogs und Foren neu entstanden, in denen offenbar georgische Webuser Informationen, Einschätzungen und natürlich auch Propaganda verbreiten. Teilweise stammen die Beiträge, wie die «New York Times» vermutete, direkt von offizieller Stelle.