Neuer Zoff bei Ebay:
«Bahntastische Abzocke»
07. Aug 2008 07:56
 |  So wirbt Ebay für die Bahntickets | Foto: NZ Screenshot/Ebay |
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Die Bahn-Rüge der Verbraucherzentrale reicht vielen Ebay-Nutzern nicht aus. Denn eigentlich müsste der Konzern für die vielen Negativ-Bewertungen bestraft werden – eine Regel, die für die Bahn scheinbar nicht gilt.
Die Deutsche Bahn bietet seit vergangenem Freitag erstmals Fahrten über Ebay an. Bis zum 10. August werden insgesamt eine Million Tickets für je eine Hin- und Rückfahrt im Fernverkehr unter den Hammer kommen. Teils können die Fahrkarten auch per «Sofort kaufen» erworben werden – was nicht nur bei Bahnkunden für großen Ärger sorgte.
Nach drastischen Preissenkungen hatten sich Erstkäufer abgezockt gefühlt. Die erste Fahrkarte wurde für 191 Euro versteigert, nach einigen Stunden pendelten sich die Preise bei rund hundert Euro ein. Nur einen Tag später bot die Bahn dieselben Tickets erneut an - diesmal zum Festpreis von 66 Euro.
97 von 372 Bewertungen negativ
Ihrem Ärger machten die Online-Bieter mit der einzigen Möglichkeit Luft, die Ebay bietet: Negative Bewertungen. Das Bewertungsprofil des Verkäufer «db_bahn» zeigt nur 76,4 Prozent positive Bewertungen an (97 von 372 Bewertungen waren negativ) – eine schlechte Quote für ein Ebay-Mitglied. «Fair wäre erst Sofortpreis, dann versteigern», meint «mecklev» in seinem Bewertungskommentar. «Kein Widerrufsrecht, aber gewerblicher Handel: illegal! Aber eBay spielt mit!» meckert Mitglied «smartdeal2000». Die Verbraucherzentrale Berlin kam zu dem gleichen Schluss und forderte von der Bahn jetzt eine Unterlassungserklärung. «Wir können nachvollziehen, dass sich ein Bieter ärgert, wenn er das gleiche Ticket später günstiger erhält», gestand Personenverkehr-Sprecher Jürgen Kornmann ein.
Spenden für den Deutschen Behinderten-Sportverband
Weil der große Andrang auf die erste Auktion die Bahn überrascht habe, sollen die Erlöse der vier Charity-Auktionen für den Deutschen Behinderten-Sportverband nun um einen «substantiellen» Betrag erhöht werden. Doch der Ärger der Kunden richtet sich auch gegen den Kooperationspartner: Auf Initiative des neuen Konzernchefs John Donahoe hatte Ebay im Februar den Umgang mit mangelhaft bewerteten Verkäufern eigentlich verschärft. Wer einen bestimmten Anteil an negativen oder «nur» neutralen Bewertungen erreicht, muss mit Handelsbeschränkungen rechnen. Dazu gehört, dass das Handelsvolumen beschränkt, der Artikel bei der Anzeige der Suchergebnisse zurückgestuft und zuletzt sogar das Konto gesperrt wird. Für die Sonderangebote der Bahn wirbt das Portal aber weiterhin auf seiner Startseite.
Keine weiteren Konsequenzen
Auch massenhaft eingestellte gleiche Artikel verstoßen normalerweise gegen die Ebay-Regeln: «Zurzeit ist es nur möglich, zehn identische Artikel gleichzeitig einzustellen», steht auf der Unternehmens-Website zu lesen. Allein am ersten Tag der «Bahntastisch»-Aktion wurden aber genau das getan – mit rund 3000 Auktionen.
Eine Stellungnahme dazu gab es bisher nicht. «Wir können feststellen, dass Bewertungen getätigt wurden, die keinen Bezug zum eigentlichen Kauf haben», sagte Ebay-Sprecherin Leonie Bechtoldt zu den Reaktionen. Laut «N-TV» hat Ebay viele Kommentare inzwischen gelöscht. Der Konzern denke «momentan» nicht über weitere Konsequenzen nach. Finanzielle Details über den Deal der beiden Konzerne wurden nicht bekannt.
Kein echtes Auktionshaus mehr
Fest steht, dass Ebay damit einen weiteren Teil seines Rufes als Auktionshaus einbüßt. Unter dem Strich verdiente der Konzern im zweiten Quartal zwar 460 Millionen Dollar und damit 22 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Aber die «goldene Ära des kleinen Verkäufers» sei damit auch vorbei, schrieb die «New York Times».Gerade der im Mai bekannt gewordene Deal mit «Buy.com» mache deutlich, dass die Zukunft den großen Händlern gehöre, die – meist per «Sofortkauf»-Funktion – über Ebay ihre Waren verkaufen. Kleinunternehmen würden sich darüber beschweren, dass «Buy.com» vermutlich keine Einstellgebühren für seine immerhin fünf Millionen Eintragungen zu zahlen habe.
Auch bei der «Bahntastisch»-Auktion profitieren die «Kleinen» nur wenig. Zahlreiche von «db-bahn» erworbene Tickets wurden von den Kunden inzwischen wieder eingestellt – und liegen eine Stunde vor Auktionsende erst bei durchschnittlich 75 Euro. (nz)