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Hetzjagd im Netz: 

Die Vorstrafen der Nachbarn nachlesen

05. Aug 2008 07:54
Heute schon gesucht? Vorstrafenregister online
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Unglaublich, aber wahr: Seit kurzem kann man online die Vorstrafen von US-Bürgern nachlesen, unkompliziert und kostenlos. Was die Polizei dort veröffentlicht, kann auf einer anderen US-Website sogar jeder selbst schreiben – auch über Deutsche.

Sie leben in Amerika und wollten schon immer mal wissen, welche Leichen ihre unsympathischen Arbeitskolleginnen im Keller haben? Oder was für Details aus seiner Vergangenheit der neue Flirt aus den USA verschweigt? All das lässt sich jetzt schnell und einfach nachprüfen.

In der Online-Verbrecherkartei «Criminalsearches.com» kann jeder Interessierte per Mausklick feststellen, ob eine bestimmte Person vorbestraft ist. Wie die «New York Times» berichtete, bietet die US-Website gratis Zugang zu den Strafregistern aller 50 Bundesstaaten. Ähnliche, aber kostenpflichtige Angebote sind in den USA bereits seit Jahren verfügbar.

«Kennen Sie die Menschen wirklich?», steht auf der Startseite zu lesen. Daneben prangt das Foto von Handschellen. Über die Eingabe von Name und Region springt die fragwürdige Suchmaschine an. Tippt man beispielsweise «George Bush, Texas» ein, erscheinen 26 Ergebnisse.

Von Geschwindigkeitsübertretung bis Mord

Jeder Eintrag ist mit einem Buchstaben gekennzeichnet, der das begangene Delikt – etwa Drogenkonsum, Sexualstraftat oder Diebstahl – abkürzt. Über den Button «Details» erhält man dann zu jeder Person Angaben wie Geburtstag, Aussehen, Zeitpunkt und Art seiner Verbrechen. Ein Journalist der «New York Times» überprüfte probeweise seine Kollegen und fand so heraus, dass einer wegen zu schnellen Fahrens verurteilt war.

Sogar die Wohnorte der Eingetragenen kann man sich auf einer Karte anzeigen lassen. Aber die Aktualität und Vollständigkeit der Daten ist mangelhaft: So lassen sich Leute mit identischem Namen nur auseinanderhalten, wenn man ihren Geburtstag kennt.

Aus dem Polizei-Computer direkt ins Web

Wer die Informationen nicht ausreichend findet, kann einen «Background-Check» anfordern – und gelangt so auf die Website des Personensuchdienstes «Peoplefinders.com», der auch «Criminalsearches» betreibt. Die hier angebotenen Daten müssen käuflich erworben werden.

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Nach Angaben des Konzern-Vorsitzenden Bryce Lane bezieht die neue Datenbank ihre Informationen ganz legal aus amtlichen Strafregistern. Außerdem biete die Website einen E-Mail-Service an, der einen benachrichtigt, wenn jemand mit Vorstrafe in die Nachbarschaft zieht – oder wenn Bekannte in Kontakt mit der Polizei geraten.

Nachbarn dissen für «Sicherheit am Immobilienmarkt»

«Peoplefinders», ursprünglich «Confi-Check» genannt, wurde 1988 von dem ehemaligen Intel-Mitarbeiter Rob Miller gegründet. Das Unternehmen verzeichne so hohe Einnahmen, dass sie jetzt auch ein kostenloses Portal anbieten könnten - finanziert allein durch Werbung. Datenschützer kritisieren «Criminalsearches» für seine ungewollten Eingriffe in die Privatsphäre. Aber nach amerikanischem Recht sind die Daten frei zugänglich und können somit auch von Arbeitgebern für Recherchen genutzt werden.

Auch bei uns gibt es ähnliche Tendenzen: Nach Angaben des IT-Portals «zdnet.de» loggen sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz immer mehr Menschen auf der US-Website «Rottenneighbor.com» ein. Farbige Markierungen auf einer Google-Maps-Satellitendarstellung geben dort Aufschluss über die «Qualität» potenzieller Nachbarn. Der Betreiber wolle «das wachsende Sicherheitsbedürfnis der Menschen auch am Immobilienmarkt befriedigen», so «zdnet».
Tatsächlich wird das US-Portal eher für unsachliche Beschimpfungen oder politische Interessen genutzt. «Hier sitzen die gierigen Denker des Mediaspree, die den Spreeraum in Kreuzberg und Friedrichshain zubetonieren wollen», heißt es über eine Berliner Adresse. «Sicherlich hat keiner von denen viele Jahre im Bezirk gelebt, denn sonst wüssten sie, dass ihre Pläne ihm damit seine Seele rauben».

Ein Düsseldorfer wird als «Asi» bezeichnet, der «in seinem ganzen verschissenen Leben noch nichts auf die Kette bekommen hat, außer vom Ruhm seines verstorbenen Papis zu zehren». In Bochum gibt es gar praktische Tipps für den Alltag: «Geht da bloß nie in die Gynäkologie!», schreibt jemand über das St. Elisabeth-Hospital.

Anwälte sind machtlos

Kein Wunder, dass die Seite Beschwerden nach sich zieht: Deshalb lassen sich die Kommentare inzwischen auch wieder entfernen. Dafür müssen aber mehrere Nutzer auf den Button «Flag for removal» klicken - und dazu Namen und Emailadresse angeben.

«Ein solches Angebot wäre in Deutschland sicher rechtlich problematisch. Nicht nur, dass es hier um Beleidigungen und Verleumdungen geht. Auch der Wert bestimmter Immobilien könnte durch diese Internetseite deutlich sinken», sagte Verena Eckert, Rechtsexpertin einer IT-Recht-Kanzlei, dem Portal «zdnet». Da der Seitenbetreiber aber in den USA sitzt, lasse er sich juristisch nur schwer belangen. Vielleicht sollte man einmal sein Profil bei «CriminalSearches» checken.
 
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