01.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ziemlich vollgepackt: Seite von Allyve.com
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Alle häufig gebräuchlichen Webseiten von einer Seite aus aufrufen: Allyve will eine Art Web-Fernbedienung sein. Was sich praktisch anhört, ist aber aus der Sicht von Datenschützern nicht ganz unproblematisch.
Bei Streifzügen durchs Internet müssen Surfer immer wieder Hindernisse umkurven. Ob sie E-Mails schreiben oder bei StudiVZ einen Freund «gruscheln», bei Ebay eine CD ersteigern oder ihre Bonusmeilen bei der Lufthansa nachsehen - jedes Mal müssen sie nach der Adresse der Seite noch Benutzernamen und Passwort eintippen.
Das Portal Allyve.com will Abhilfe schaffen: Dort gibt der Nutzer ein einziges Kennwort ein - und hat mit einem Klick auf alle persönlichen Anwendungen Zugriff. Das Konzept trifft bei Datenschützern allerdings auf Vorbehalte.
Die Idee kam den Unternehmensgründern bei der Arbeit: Julika Bleil und Philipp Spethmann sammelten Bonuspunkte bei Hotels und Airlines sowie Einladungen zu sozialen Netzwerken. Die Verwaltung ihrer Konten war allerdings mühselig. «Es fehlte ein Überblick über das Leben im Internet», sagt Bleil. Die beiden stellten fest, dass es ein solches Angebot noch nicht gibt. Im Oktober 2007 machten sie sich nach erfolgreicher Investorensuche mit ihrer Idee selbstständig.
Anders als iGoogleDas Konzept vergleicht Spethmann mit einer Fernbedienung - ein Klick, und man ist in der Kontaktbörse, seiner Ebay-Auktion oder den Mails. Eingebunden sind einige Mail-Anbieter, soziale Netzwerke und Flirtseiten, zudem verschiedene Bonusprogramme wie das von der Bahn. Seit einigen Tagen können Nutzer auch zu Online-Shops wie Amazon und Ebay schalten. Bislang nicht dabei ist allerdings StudiVZ.
Es gibt zwar auch persönliche Startseiten, die zumindest in eine ähnliche Richtung zielen wie Allyve: Über Netvibes, Pageflakes oder auch iGoogle können die Nutzer jeweils auf ihre E-Mails zugreifen. Ansonsten lassen sich damit aber nur öffentliche Informationen wie Blogs, Fotos von Flickr, Wettervorhersagen oder Nachrichten zusammenfassen.
Großes Vertrauen nötigAllerdings verlangt Allyve enormes Vertrauen von den Nutzern: Damit von einer Anwendung zur nächsten geschaltet werden kann, müssen die Mitglieder all ihre Zugangsdaten samt Passwörtern speichern. «Wir halten jeden Sicherheitsstandard ein und übererfüllen ihn sogar», sagt Philipp Spethmann. So habe das Unternehmen sich vom TÜV Süd bescheinigen lassen, dass die persönlichen Daten sicher sind.
Dennoch gibt es Skeptiker: Täglich würden Nutzer davor gewarnt, ihre Zugangsdaten an Dritte weiterzugeben, schreibt Martin Weigert im Blog Netzwertig.com. «Und dann kommt Allyve und erfordert vom User eine Handlung, die diesen Verhaltensregeln komplett widerspricht.»
Simplle PasswortabfrageMarit Hansen vom Datenschutzzentrum Schleswig-Holstein lobt zwar den Einsatz von Verschlüsselung und die Zertifizierung des Dienstes durch eine unabhängige Stelle, doch sie gibt zu bedenken: «In einer sicheren Umgebung ist die Nutzung wahrscheinlich unproblematisch, aber wenn der eigene Rechner nicht gut abgesichert ist oder man in einem Internet-Café surft, sollte man vorsichtig sein.»
Einen Minuspunkt gibt Marit Hansen auch für die Passwortabfrage: Der Nutzer werde nicht davon abgehalten, einfachste und damit schnell zu entschlüsselnde Passwörter wie «1234567» zu wählen. Außerdem rät die Expertin Nutzern, sich ihre Daten weiterhin zu merken und sich so nicht von Allyve abhängig zu machen. (Christof Kerkmann/dpa)