30.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Thomas Kreye, Geschäftsführer von Kaioo
Foto: privat
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Kaioo ist eines der wenigen sozialen Netzwerke, die den Begriff «sozial» ernst nehmen: Werbeeinnahmen werden gespendet, Datenschutz ist garantiert. Nun steht Kaioo vor einem Umbau, wie Gründer Thomas Kreye im Interview erzählt.
Kaioo ist zugleich ein gewöhnliches wie auch ein ungewöhnliches soziales Netzwerk. Gewöhnlich meint: Es bietet von den Funktionen her ähnlich viel wie jede andere Online-Community. Ungewöhnlich meint: Es macht mit dem Begriff «sozial» ernst, zumindest nach dem eigenen Anspruch. Sämtliche Werbeeinnahmen werden für gemeinnützige Zwecke gespendet, die User bestimmen an wen.
Gegründet wurde Kaioo im Frühjahr 2007 von Thomas Kreye und Rolf Schmidt-Holtz. Seit November 2007 ist es als Beta-Version online. Schmidt-Holz ist Vorstandsvorsitzender bei SonyBMG, der ehemalige Bertelsmann-Manager Thomas Kreye arbeitet mittlerweile hauptamtlich für Kaioo. Beide haben die staatlich anerkannte «Kaioo gemeinnützige Stiftungs-GmbH» gegründet, die das Netzwerk betreibt. Nach eigenen Angaben finanziert sich Kaioo ausschließlich über Sponsoren und Spenden.
Nach anfänglicher Beachtung ist es in letzter Zeit recht still geworden um Kaioo. Das liegt daran, dass die Plattform derzeit kräftig umgebaut wird, wie Geschäftsführer Thomas Kreye im Interview ausführt.
Netzeitung: Ende des letzten Jahres gestartet, hat sich Kaioo nun schon mehr als ein halbes Jahr im Netz behaupten können. Zeit für ein Fazit.
Thomas Kreye: Als gemeinnützige Alternative zu den bestehenden Netzwerken können wir uns auf jeden Fall bestätigt sehen.
Veränderter FokusNetzeitung:
Wie viele Nutzer hat Kaioo derzeit?Kreye: 40.000 Nutzer sind bei uns registriert.
Netzeitung: Zum Start haben Sie mal gesagt, ab 200.000 Usern würde sich Kaioo so sehr rentieren, dass Werbeinnahmen im größeren Umfang gespendet werden könnten.
Kreye: Unser Fokus hat sich im Lauf der Zeit ein wenig verändert. Die Zahl, die Sie nennen, ist mittlerweile irrelevant geworden.
Wir haben längst aus dem einen Netzwerk Kaioo viele kleine Netzwerke gemacht. Das können Sie jetzt schon bei uns sehen, im August aber wird das Ganze dann auch offiziell vorgestellt. Wir führen deshalb gerade Gespräche mit Schulen, Universitäten und Organisationen. Die Uni Magdeburg haben wir schon als Partner gewinnen können.
Netzeitung: Wofür sollen so viele Netzwerke gut sein?
Kreye: Die Nachfrage nach Vernetzung ist weiterhin groß. In anderen Netzwerken sind Organisationen und Institutionen, die nach Vernetzung streben, aber kaum vertreten. Nehmen sie nur die
Alumni-Netze von Universitäten, in den meisten Netzwerken sind die außen vor.
Oder nehmen Sie zum Beispiel Schüler. Wir werden bald für Schulen geschlossene Netzwerke anbieten; Netzwerke, die auch für 12-Jährige ohne Erfahrung im Internet da sind. Das sind Jugendliche, die vielleicht noch nicht wissen, welche Informationen man über sich selbst im Web preisgibt und welche Bilder man besser nicht hochladen sollte. Ihnen werden wir, in Absprache mit Pädagogen und Schulleitungen, geschützte Übungsräume zur Verfügung stellen.
Offen oder geschlossen?Netzeitung:
Werden das dann offene oder geschlossene Netzwerke sein?Kreye: Beides. Bei einigen wird man eine Einladung brauchen, um mitmachen zu können. Genaueres können Sie vermutlich ab Mitte August sehen.
Netzeitung: Warum sollte eine Schülerin oder ein Schüler sich aus gerechnet bei Kaioo anmelden und nicht beim viel größeren SchülerVZ?
Kreye: Man kann die beiden Netzwerke nicht miteinander vergleichen. Bei uns würde es jedenfalls so ablaufen: Wir kommen zusammen mit Medienpädagogen in eine interessierte Schule, richten in Absprache mit der Schule ein eigenes Netzwerk nur für die Schüler dieser Schule ein und bieten auch noch Unterricht darüber an, wie man sich in diesem geschützten Raum verhalten kann. Das reicht vom Umgang mit Videos über Fotos und Foren bis hin zum Datenschutz.
Netzeitung: Klingt gut. Kommt aber den Bedürfnissen von Jugendlichen meiner Ansicht nach nur begrenzt entgegen. Geschützte Räume haben die meisten doch zur Genüge. Mit 13, 14 Jahren ist doch ein Kennenlernen der ungeschützten Räume viel interessanter.
Kreye: Da sollen sie ja auch hin können. Und bei uns können sie die Schritte dorthin üben. Die Nutzungsintensität von Online-Communitys ist unter Jugendlichen sehr hoch und das Nutzeralter wird gleichzeitig immer niedriger. Da gibt es noch viel zu tun.
Woher kommt das Geld?Netzeitung:
Wird in den Schülernetzwerken Werbung zu sehen sein?Kreye: Sicher nicht. Das wollen weder die Eltern noch wir.
Netzeitung: Was passiert mit Kaioo jenseits der Schülernetzwerke?
Kreye: Das diskutieren wir derzeit zusammen mit unseren Nutzern. Wir bleiben auf jeden Fall ein echtes soziales Netzwerk, und zwar umso mehr, als wir die Plattform an die Nutzer übergeben und ihnen die Gründung neuer Netzwerke innerhalb von Kaioo an die Hand geben. Auch für die Alumni- Plattformen der Universitäten wird es Platz geben.
Netzeitung: Dafür braucht man Geld. Zum Start von Kaioo hieß es, die Finanzierung für ein Jahr sei gesichert. Im November ist das Jahr vorbei.
Kreye: Wir werden unsere StiftungsGmbH bald in eine reine Stiftung überführen, sodass wir weitere Spender für unsere gemeinnützige und datensichere Sache akquirieren können.
Netzeitung: Der Verteilungskampf der großen sozialen Netzwerke ist mittlerweile voll ausgebrochen - inklusive Klagen. Sehen Sie darin für Kaioo eher Chancen oder Gefahren?
Kreye: Kurz- und mittelfristig birgt das wegen den Tendenzen zur Monopolisierung einige Gefahren. Langfristig könnte darin aber auch eine Chance liegen; der Markt der Cummunitys ist noch jung, und in fünf oder zehn Jahren könnte es eine ganze Reihe von Leuten geben, die über Alternativen zu Facebook und StudiVZ froh sind. Und die Anzahl an Neugründungen nimmt schon jetzt ab.
Interview: Maik Söhler