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netzeitung.de«Civilization» 2.0: Die alte Sucht, neu aufgelegt

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Szene aus 'Civilization Revolution' (Foto: 2KGames<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Szene aus 'Civilization Revolution'
Foto: 2KGames
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit «Civilization Revolution» liegt nun erstmals ein Spiel aus Sid Meier's legendärer «Civilization»-Reihe für die Spielkonsole vor. Maik Söhler hat es argwöhnisch getestet - und ist begeistert.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, 1996, noch mitten im Studium, andere Stadt, keine Konsole, nur PC (und was für eine Kröte!), aber das gleiche Spiel: «Civilization».

Damals also «Civilization 2», von zehn Disketten in stundenlanger Frickelei auf die Festplatte kopiert und installiert und Systemabsturz und Neustart und wieder alles weg und alles von vorne. Heute dagegen: «Civilization Revolution». Konsole an, Spiel rein, kurzes automatisches Software-Update, Spiel läuft.

Auch sonst ist vieles anders. Die Grafik des Konsolenspiels verhält sich zu der von «Civilization 2» wie ein Digitalfernseher zum Schwarz-Weiß-TV der fünfziger Jahre. Die Darstellung von Städten und Figuren in «Civilization Revolution» hat mit der von vor 12 Jahren so viel zu tun wie ein Raumschiff mit der Steinzeit. Und wie flugs das alles geht, und wie einfach das alles zu bedienen ist, und wie selten man zwischenspeichern muss, um bloß den Spielfortschritt nicht zu gefährden.

Nicht nur Freude kommt auf
Trotz all diesen Neuerungen, die «Civilization»-immanent gesprochen tatsächlich die den Titel prägende Revolution bedeuten, habe ich beim Spielen ein mulmiges Gefühl. Das hat nur wenig mit dem aktuellen Spiel zu tun.

Als 1996 das Spiel nach den geschilderten endlosen Installationspannen endlich lief, war eine Zeit lang nichts mehr wie zuvor. Es hat mich Schlaf gekostet, Nerven und Zeit sowieso, sogar Freunde. Vielleicht auch ein ganzes Semester. Monatelang habe ich jede freie Minute damit verbracht und in den Semesterferien war mindestens eine Woche dabei, in der außer dem Spiel kaum was Anderes bei mir lief.

Vertraute Menschen warnten, und irgendwann fielen sie mir selbst auf: die Anzeichen einer «Civilization»-Sucht im schon leicht fortgeschrittenen Stadium. Ich habe das Spiel danach einige Monate gar nicht mehr, später nur gelegentlich und immer zusammen mit Freunden gestartet. Alle weiteren Spiele der «Civilization»-Reihe für den PC habe ich bewusst missachtet. Bis gestern.

Imperialismus pur
Wir haben vorher über das Spiel gesprochen und beschlossen, es zusammen zu spielen. Sie kennt mich lange und gut genug. Und wir haben es gespielt, knappe vier Stunden lang. Fürs erste. Der Sog, der die ganze Reihe so kennzeichnet, stellt sich beim Konsolenspiel nach etwa einer halben Stunde ein: Man wird tief hineingezogen in eine Welt, die nur darauf wartet erschlossen und entwickelt zu werden.

Wer «Civilization» kennt, weiß was ich meine. Wer es nicht kennt, dem sei es hier kurz dargelegt. Es geht darum eine komplette Welt zu entdecken und zu besiedeln, sich in ihr zu behaupten – sozial, ökonomisch, militärisch, kulturell, planerisch-intellektuell – und sie schließlich zu verlassen. Dabei sind mit Geschick und Übersicht Strategien zu wählen, die die eigene Zivilisation anderen Zivilisationen überlegen macht.

Das klingt genauso mies wie es real auch ist: Imperialismus an der Konsole. Weil es aber nur ein Spiel ist, dürfen selbst Linke mal so richtig die imperialistische Sau rauslassen. Hier hat früher noch der kritischste Kopf Atomkraftwerke gebaut, Nuklearraketen auf den ärgsten Gegner abgefeuert oder zumindest ein unfassbares Arsenal an Flugzeugträgern, Bombern und Panzern auf ihn losgelassen. (Mir ist in der alten PC-Fassung sogar mal ein Atomkraftwerk explodiert und ich war höchstens zehn Sekunden lang gehemmt, bevor ich irgendwelche meiner Siedler ohne jegliche Schutzausrüstung abkommandiert habe, das verstrahlte Gebiet wieder zu säubern.)

Kultur statt Krieg
Soweit sind wir diesmal noch nicht. Und wir haben nach einer kurzen Experimentierphase zu Beginn auch gleich die kulturelle Variante der kriegerischen vorgezogen. Wir gründen neue Städte, statten sie mit dem nötigsten militärischen Verteidigungsklimbim aus und bauen dann Bibliotheken und Weltwunder.

Zwei, drei Städte sind allein auf Handel spezialisiert und sorgen somit für die nötigen Einnahmen. Die Strategie scheint aufzugehen. Städte des Gegners schließen sich unserem Imperium freiwillig an, weil sie, wie ihre Abgesandten sagen, von der Schönheit und Größe unserer Kultur beeindruckt sind.

Nicht minder beeindruckt bin ich von diesem Spiel und dem, was es mit mir veranstaltet. Heute Abend werde ich es wieder einlegen. Alleine diesmal. Und dann sehen wir, ob ich mein Verhalten revolutionieren kann. Wobei: Eine Reform würde mir schon reichen.

Civilization Revolution - 2K Games, Juli 2008, um die 60 Euro – wurde von uns auf der Xbox 360 gespielt. Es ist auch für die Playstation 3 und für Nintendos DS erhältlich.