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Ohrwürmer im Web: 

Lalala! Ihre Suche hat fünf Treffer ergeben

16. Jul 2008 10:46
Nur keine Hemmungen: Frau mit Mikro
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Wie hieß noch mal dieser Song? Im Netz lässt sich das mit ein paar gesummten oder gesungenen Zeilen herausfinden. Ob auch das richtige Lied gefunden wird, hängt von vielen Faktoren ab. Melodie- und Songsuchmaschinen im Überblick.

Ohrwürmer können gemein sein - diese eine Melodie will nicht aus dem Kopf heraus. Besonders fies ist es, wenn man die Tonfolge irgendwo aufgeschnappt hat, aber weder Titel noch Interpret kennt. Rettung gibt es im Internet. Spezielle Online-Dienste helfen beim Identifizieren namenloser Lieblingshits.

Viele Wege führen zum Lied. So ordnet die Melodie-Suchmaschine des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie einer Gesangsaufnahme des Nutzers den passenden Titel zu. Das nennen Fachleute dann «Query By Humming» - frei übersetzt ist das die Suche nach dem Gesummten.

Die Technologie hinter der Suchmaschine wurde von dem Fraunhofer-Institut in Ilmenau (Thüringen) entwickelt. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass eine Melodie zwar mehr als tausend Worte sagt, aber sich viele Leute nicht trauen, im Geschäft dem Verkäufer das gesuchte Lied vorzusingen», erklärt Christian Dittmar, Leiter der für die Suchmaschine zuständigen Forschungsgruppe.

3500 Datensätze

In der - relativen - Anonymität des Internets singen Musikfans offenbar lieber. Hier setzt die Fraunhofer-Suchmaschine an. Nutzer singen das Musikstück ihrer Wahl, die Töne werden analysiert und mit den Gesangsmustern einer Datenbank verglichen. Im Erfolgsfall zeigt die Suchmaschine eine Auswahl möglicher Treffer an. Benötigt wird ein angeschlossenes Mikro, ansonsten läuft alles über den Browser.

Laut Dittmar zeigt sich der Suchalgorithmus bei schiefen Tönen oder einer falschen Tonlage tolerant. Die besten Erfolgschancen hätten Anwender, die die Melodie mit «lalala» oder «nanana» vertonen. «Wer den Text singt, vernachlässigt oft die Melodie zu sehr», sagt Dittmar. Pfeifen oder Summen geht notfalls auch.

Genutzt wird der noch in den Kinderschuhen steckende Dienst bisher von Musicline, einem Webangebot der deutschen Musikindustrie. Die Datenbank deckt zwar viele Genres von Pop und Rock über Volksmusik bis Klassik ab. Mit 3500 Datensätzen ist sie aber noch sehr klein.

Immer nur einer darf singen

Weiter ist da schon das Mitmach-Projekt Midomi, das ähnlich wie die Fraunhofer-Lösung funktioniert, aber als Nutzer-Gemeinschaft konzipiert ist. Weil viele Teilnehmer ihre Gesangsaufnahmen veröffentlichen, wächst die Datenbank kontinuierlich. Laut den Seitenbetreibern sind mehr als zwei Millionen Titeldaten verfügbar. Da ist die Chance relativ groß, den gesuchten Ohrwurm zu enttarnen.

Die Trefferqualität hängt von der Güte der eigenen Sangeskunst ab. Hintergrundgeräusche stören ebenfalls. Und die Seitenbetreiber empfehlen, dass nicht mehr als eine Person ins Mikro trällert. Bleibt die Melodie-Suche erfolglos, ist ein weiterer Versuch per Text-Suche möglich - vorausgesetzt, der Nutzer kennt ein paar Zeilen davon.

Einer singt, alle raten

Als Gemeinschaftsquiz angelegt ist der englischsprachige Dienst Watzatsong: Suchende veröffentlichen ihre Gesangsaufnahme und lassen dann andere Nutzer rätseln, um welches Musikstück es sich handelt. Lösungsvorschläge werden per E-Mail verschickt. Um auf diese Weise den Song-Titel erfahren zu können, ist eine Registrierung nötig.

Lange vor dem Web 2.0 gab es das Mitmach-Internet in Form von Diskussionsgruppen. Die gibt es immer noch: Mit dem Finden von Musikstücken beschäftigt sich etwa die deutschsprachige Gruppe de.rec.musik.recherche. Suchende fragen nach dem gewünschten Titel in klassischen Textbeiträgen - in der Hoffnung, dass musikerfahrene Experten die Antwort kennen. Stichproben in der Beitragshistorie zeigen, dass diese Art der Titel-Identifizierung offenbar erfolgreich ist. Allerdings kann wie bei Watzatsong unter Umständen etwas Zeit vergehen, bis die Antwort eintrudelt.

Hohe Fehlerquote

Wer solche Musik-Recherchedienste nutzen möchte, darf im Fall eines Misserfolgs nicht enttäuscht sein. «Nutzer müssen von einer gewissen Fehlerrate ausgehen», sagt Michael Knott vom Online-Magazin «Netzwelt» in Hamburg. Da diese speziellen Internet-Dienste nichts kosten, können Nutzer nicht viel falsch machen.

Knott empfiehlt noch einen weiteren Weg, um an Informationen über Musikstücke zu kommen: «Im Grunde jeder Radiosender bietet auf seiner Internetpräsenz eine Liste der gespielten Lieder an.» Nur Zeitpunkt und Sender muss sich der Hörer gemerkt haben.

Musik-Recherche per Handy

Um herauszufinden, wie der neue Ohrwurm aus dem Radio heißt, muss nicht zwingend erst der Computer eingeschaltet werden. Spezielle Handy-Dienste helfen vor allem dann, wenn der Titel gerade läuft. Music Spy heißt das Angebot vom Mobilfunkprovider O2 und MusicFinder das von Vodafone. Dabei wählen Nutzer die Kurzwahl 221122 (Vodafone) oder 9696 (O2) und halten dann ihr Handy für einige Sekunden in Richtung der Musikquelle. Anschließend bekommen sie eine SMS mit dem Namen des Songs und des Interpreten.

Der Service von O2 ist noch bis Ende Juli gratis, danach fallen die gleichen Kosten an wie schon jetzt bei Vodafone - 0,49 Euro pro Auskunft. Sie werden in beiden Fällen aber nur fällig, wenn die Datenbank auch wirklich einen Titel findet. (Berti Kolbow/dpa)

 
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