Neue Software für US-Schüler:
Das Skalpell ist nur noch virtuell
15. Jul 2008 12:01
 |  Software von Digital Frog International | Foto: AP |
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An Universitäten schon länger verwendet, kommt nun auch in US-amerikanischen Schulen Software zum Einsatz, die Tiersektionen überflüssig macht. Tierschützer unterstützen sie, manche Lehrer halten nichts davon.
Schon mancher Frosch und viele Ratten haben für den Biologie-Unterricht ihr Leben gelassen. Tierschützer in den USA fördern daher eine Software für die Simulation von Tiersektionen.
Marylin Grindley von der Society for the Prevention of Cruelty to Animals (SPCA) in Ohio kritisiert, dass das Aufschneiden von Tieren die natürliche Sensibilität von Kindern abstumpfen lasse. «Ihnen wird vermittelt, dass wir keinen Respekt vor Tieren haben», sagt Grindley. In 14 US-Staaten gibt es auch schon Richtlinien, die es Schülern erlauben, eine Teilnahme an einer Sektion zu verweigern, ohne dass dies Auswirkungen auf ihre Biologienoten haben darf.Die SPCA setzt sich dafür ein, Alternativen zu Tierversuchen zu fördern. Sie spendet deswegen Sektionssoftware wie «Virtual Frog» an Schulen. An der Wheeling Park High School in West Virginia können die Schüler die Organe von Fröschen jetzt auf dem Bildschirm studieren. Sie setzen mit einem virtuellen Skalpell Schnitte und vernähen Wunden. Mit Hilfe von Animationen werden Körperfunktionen simuliert.
An den Universitäten wird die Sektion von Tieren schon seit einiger Zeit von Software abgelöst. So war es 1982 noch an 107 von 124 Hochschulen üblich, Medizinstudenten Kenntnisse in Anatomie, Physiologie und Chirurgie mit Hilfe von Tierversuchen zu vermitteln. Heute geschieht dies nur noch an acht von 154 Hochschulen.
Ein Frosch kostet vier Euro
Neben ethischen Einwänden sprechen jedoch auch finanzielle Argumente für eine Abschaffung der Sektionen im Biologieunterricht. So kostet ein einziger Frosch rund sechs Dollar (vier Euro), ein ganzer Schweinekörper ab 25 Dollar (etwa 16 Euro). Die Wheeling Park High School gab bisher rund 1.000 Dollar (645 Euro) im Jahr allein für Frösche aus. Programme zur virtuellen Sektion gibt es bereits für weniger als 1.500 Dollar (970 Euro).Dem Leiter des Fachbereichs Naturwissenschaften an der Wheeling Park High School, Patrick Durkin, geht es jedoch nicht in erster Linie darum, Geld zu sparen oder Tierleben zu retten. Er sieht den wichtigsten Vorteil der Softwaresektion in der Möglichkeit, dass sich die Schüler auch außerhalb des Unterrichts mit dem Thema Anatomie befassen. Denn anders als bei einer tatsächlichen Sektion können so Arbeitsschritte wiederholt werden, was eine Nachbereitung des Unterrichts vereinfacht.
«Virtual Frog»
Die Anbieter von Software wie «Virtual Frog» haben also gute Argumente, um in den kommenden Jahren ein Ende der Sektionspraxis an den meisten Schulen herbeizuführen.Aber manche Lehrer wenden ein, dass kein Computerprogramm die unmittelbare Anschauung einer tatsächlichen Sektion ersetzen kann. «Es ist nicht so wie in der Realität», sagt etwa Christopher Perillo aus Kenosha, Wisconsin. «Durch echtes Gewebe schneiden, sehen, wie sich die Hautschichten anfühlen, wie die Organe im Körperinneren aussehen - ich glaube, diese Erfahrungen kann man nicht mit einer Software nachempfinden.»
Sektionen ohne einen echten Tierkörper sind für Perillo «wie Gartenarbeit, ohne Erde anzufassen». Dr. John Pippin von der Tierschutzorganisation SPCA sieht das anders: «Wenn man ein Tier für den Laborgebrauch tötet, dann verschwendet man ein Leben. Das ist nicht die Einstellung zum Leben, die wir Schülern vermitteln sollten.» (P.J. Dickerscheid/AP)