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Urlaub: 

Endlich abschalten – aber wie?

11. Jul 2008 14:22, ergänzt 17:54
Wie im Paradies - nur das Notebook könnte größer sein
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Die meisten Deutschen werden im Urlaub zu Web- und Handymuffeln. Unter ihnen sind auch einige Mitarbeiter der «Netzeitung». Andere dagegen surfen am Meer nicht nur auf Wellen, wie Beiträge aus der Redaktion zeigen.

Neulich befragte das Marktforschungsinstitut GfK die Deutschen nach ihrem Verhalten im Urlaub. Dabei kam heraus, dass rund 70 Prozent in den Ferien komplett auf das Internet verzichteten. Außerdem ignoriere jeder Vierte auch noch sein Handy.

Man will offensichtlich so richtig abschalten und beginnt gleich mit den vertrauten technischen Geräten. Wie aber verhalten sich die Mitarbeiter der Netzeitung in dieser Frage - diese Dauer-Onliner? Wir haben einige Beiträge aus der Redaktion für Sie zusammengestellt.

Patrick Loewenstein

Ein guter Urlaub ist, wenn man möglichst weit von seinem Alltag entfernt ist. Das gilt nicht nur für die Entfernung vom Heimatort, sondern vor allem für die Tätigkeiten und die einen umgebenden Dinge.

Wichtig für einen guten Urlaub ist also, sich vorher jeder Notwendigkeit zu entledigen, auch nur ein einziges Mal ins Internet zu müssen (Lediglich die Bestätigung des Rückflugs stellt eine tolerierbare Ausnahme dar). Das Handy ist für mich auch Wecker und Uhr, deshalb bleibt es an – natürlich ohne Rufton. Schönen Urlaub auch – ich melde mich, wenn ich wieder da bin.

Domenika Ahlrichs

Im Urlaub lande ich kurioserweise immer irgendwo, wo es kaum Internet gibt. Letztens in Spanien zum Beispiel war es ein Haus in einer Gegend, in der viele Rentner ihren sonnigen Lebensabend verbringen. Da sind selbst Telefonanschlüsse fast so selten wie damals in der DDR. Und Internet kennt die Generation unserer Eltern dort nur als Angebot in Volkshochschulkursen.

Oder vergangenes Jahr auf einem Bauernhof in Franken. Die Lokalzeitung auf dem Frühstückstisch, ein Radio im Trecker und ein Fernsehgerät in der guten Stube waren die einzigen Medien, die ich dort zu Gesicht bekam.

Diesen Sommer fahren wir an die Ostsee in ein Surfer-Camp. Unendliche Weiten, die ich im Alltag nur im Internet finde, kann ich dort beim Gleiten über die Wellen am Horizont erahnen. Natürlich kommt mein Handy mit, aber das liegt dann meistens mit stumm gestelltem Klingelton im Schrank, um einmal am Tag davon zu künden, wer versucht hat, meine Urlaubsruhe zu stören. Erreichbar sein muss ich ja – aber nichts erreichen.

Jens Teschke

Urlaub braucht Zeit. Umschalten von Arbeit, Stress und Hektik auf Freizeit, Ruhe und Entspannung gehorcht nicht dem Tempo des Alltags. Im Job soll alles zack-zack gehen, ASAP (As soon as possible)- wie es so schön im Business-Deutsch heißt. Aber, wie beim Laufen, schlägt das Herz erst einmal auf 180, muss der Kreislauf langsam runter kommen.

Mobil telefonieren im Urlaub
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Am ersten Urlaubstag ist da noch dieses Phantomvibrieren, weil man denkt, man wird angerufen. Tut aber keiner. Also besser noch mal checken. Immer noch keine verpassten Anrufe? Und die E-Mails? Nichts - bis auf «Doping für das beste Stück»-Mails und diverse Mails, in denen man schon immer nur in CC steht. Unsicherheit kommt auf. Will denn keiner was von mir? Na gut. Am zweiten Tag kommt der langsame Übergang in die Urlaubsrealität. Das Handy wird nicht mehr alle fünf Minuten überprüft.

Langsam schleicht sich der Urlaubsvirus ein, dieses Gefühl von «Lasst mich doch in Ruhe». Nach Tag drei ist dann die Abhängigkeit fast überwunden. Das Handy bleibt im Hotel, ist abgeschaltet. Kleine Rückfälle gibt es am Abend. «Ich schau mal kurz rein, ob was passiert ist», sagt man dann. Nach einer Woche ist das auch egal. Erst einen Tag vor Urlaubsende beginnt es plötzlich wieder: Dieses Denken an den Rechner, die Mails, das Handy. Ob's was Wichtiges gab? Erschütternd die Erkenntnis, dass man auch nach drei Wochen ohne News problemlos wieder einsteigen kann. Der Ölpreis ist hoch, die Gesundheitsreform umstritten, der Irak hat ein Bombenproblem.

Ins Postfach sind 1700 Mails eingegangen, aber 1620 davon waren problemlos löschbar. 50 haben sich von selbst erledigt und 30 haben noch Zeit mit der Beantwortung. Auf der Handy-Mailbox waren drei Anrufe, einer davon verwählt, einer mit der Selbsterkenntnis «Ach Du bist ja im Urlaub» und einer von Mama. Na dann. Urlaub zeigt also, dass alles Busy-Sein, alles Getue und Gemache eben genau das ist - Getue! Urlaub ist also auch die Chance, mal ehrlich zu sein.

Maik Söhler

Offline sein? Wie bitte? Warum denn? Es reicht doch, weniger online zu sein, sich also auf die wesentlichen Sachen im Netz zu konzentrieren. Auf Schönes, Durchdachtes, Abseitiges - und nicht auf die immergleichen Microhoogle-Storys.

Ein Blogeintrag zur Ästhetik des Meeres schreibt sich am Strand viel besser als ein Posting über Bildschirmstrahlung im Büro-Kabuff, (unverfängliche) Urlaubsfotos gehören auf Flickr, denn sie können bei anderen dafür sorgen, dass auch sie mal wieder Ferien machen. So habe nicht nur ich was vom Urlaub.

Die Kurtaxe wird elektronisch überwiesen, die Hotelbeschwerde per E-Mail direkt beim Reiseveranstalter eingereicht und die Freunde daheim ärgert man mit verstörend realistischen Twitter-Mitteilungen auf die Frage, was man denn gerade tue: «Nichts». Auch das Handy bleibt nicht aus. Ich lasse es lieber gleich ganz zu Hause. Aber auf Online verzichten? Nicht mit mir.

Urlauber am Strand
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Tilman Steffen

Online im Urlaub? Das scheiterte bisher vor allem an technischen Hürden: Im vorletzten Urlaub habe ich mal versucht, via Notebook in einem der Onlineportale eine Auto-Mitfahrgelegenheit einzutragen. Über die Online-Verbindung meines Handys dauerte das zehn Minuten und kostete mich rund vier Euro. Der auf der angebotenen Strecke erwartbare Erlös war so zum Teil schon wieder aufgebraucht. Das Notebook fährt deshalb nur noch mit, um an Regentagen DVDs zu schauen.

Ich verzichte im Urlaub gern auf Mails, Internet und Skype, sofern ich nicht völlig allein unterwegs bin. Telefonisch erreichbar halte ich mich dagegen schon, Anrufe werden sogar mit einer Festnetz-Flatrate erledigt. Der Breaking-News-Service der Netzeitung informiert über Wichtiges per SMS. Dann weiß ich, dass ich abends unbedingt mal die Nachrichten sehen sollte.

 
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