Glückspiele im Internet:
Online-Gewinne ohne Garantie
03.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Sie müssen den Umweg über Vermittler wie Faber, Tipp24 oder Jaxx gehen. «Die sind so eine Art Makler und vermitteln Verträge zwischen Spielern und Lottogesellschaft», sagt Jaschinski. Tipp24 aus Hamburg zum Beispiel arbeitet nach eigenen Angaben mit acht der staatlichen Gesellschaften zusammen. An diese reicht der Anbieter die online ausgefüllten Scheine weiter. Dadurch werden sie so behandelt, als hätten die Spieler sie zum Kiosk gebracht. Entsprechend steht diese Möglichkeit grundsätzlich jedem Netznutzer offen - egal, in welchem Bundesland er wohnt.
Ziel des am 1. Januar dieses Jahres in Kraft getretenen Vertrags ist laut Paragraf 1 des Werks, «das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht zu verhindern». Die Stoßrichtung steht in Paragraf 4, Absatz 4: «Das Veranstalten und Vermitteln öffentlicher Glücksspiele im Internet ist verboten.»
Dennoch können Internetnutzer aus Deutschland weiterhin online auf Sportereignisse wetten: bei Anbietern, die in EU-Staaten wie Malta, Großbritannien oder Österreich eine Lizenz haben. Hier herrscht laut Martin Jaschinski derzeit Rechtsunsicherheit darüber, ob sich diese Spieler der Teilnahme an unerlaubtem Glücksspiel schuldig machen.
«Die Spieler dafür zu belangen, wäre für die Staatsanwaltschaften aber sicher eine Sisyphos-Arbeit», so der Rechtsanwalt. Zudem klagen private Wettanbieter derzeit vor Verwaltungsgerichten, weil sie sich benachteiligt sehen. «Wir sagen: Die Unternehmen können sich auf die Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit berufen», sagt Markus Maul vom Verband Europäischer Wettunternehmer, in dem sich Anbieter mit Lizenzen im EU-Ausland zusammengeschlossen haben, die zumindest teilweise auch im Onlinegeschäft tätig sind.
Auch hier können Spieler somit im Prinzip wegen der Teilnahme an einem nicht erlaubten Glücksspiel belangt werden. Das Hauptproblem ist aber ein anderes, wie Ronny Jahn von der Verbraucherzentrale Berlin erläutert: im Fall eines Gewinns diesen auch einzustreichen, wenn sich der Anbieter querstellt. «Wenn es zum Streit darüber kommt, hat man rechtlich und praktisch keine Chance, das Geld einzutreiben.»
Viele der entsprechenden Anbieter seien zwar auf Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen und daher auch zuverlässig, sagt Jaschinski. Trotzdem gebe es immer wieder Fälle, in denen Spieler in die Röhre schauen. Beispiele dafür finden sich beim Blick ins Netz. Denn bei aller Vorsicht, mit der Aussagen auf scheinbar unabhängigen Seiten oder in Foren zu genießen sind: Die vielen Treffer, die die Suche nach Schlagworten wie «Betrug» oder «Schwarze Schafe» im Zusammenhang mit Onlinepoker ergibt, sprechen eine deutliche Sprache. (Florian Oertel/dpa)

