24.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Kann, muss aber nicht sein: Microsofts Office
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Microsoft bietet zwei Produkte an, die in kaum einem Unternehmer fehlen. Dominik Haile stellt quelloffene und lizenzkostenfreie Alternativen vor. Teil 3 unserer Serie «Open Source im Unternehmen».
An der marktbeherrschenden Stellung von Microsoft Office kann es hierzulande keinen Zweifel geben. Angestellte verschicken Word- und Excel-Dateien statt Text- und Tabellendokumenten. Auch die Powerpoint-Präsentation ist fester Bestandteil des Büro-Sprachschatzes. Dabei gibt es interessante Alternativen.
Open Office ist so eine. Word heißt hier Writer, Excel nennt sich Calc und Powerpoint hört auf den starken Namen Impress. Das sind die größten Unterschiede. Die Alternative kann Dateien mit den Endungen doc, xls und ppt lesen und speichern wie es die Microsoft-Programme tun. Die Bedienung und der Funktionsumfang ähneln sich ebenso. Wer Microsoft bedienen kann, beherrscht auch Open Office.
Einige Unterschiede gibt es aber doch. Open Office trägt nicht ohne Grund seinen Namen. Denn die Software kommt mit offenem Quellcode daher und kostet grundsätzlich keinen Cent. Zudem liegt das Paket für alle möglichen Plattformen vor. Es muss nicht Linux sein. Auch die Betriebssysteme Mac OS X und natürlich alle Versionen von Windows werden unterstützt.
Kaum Kompatibilitätsprobleme«Die Kompatibilitätsprobleme gehören fast alle der Vergangenheit an und werden in der Zukunft mit offenen Formaten ganz verschwinden», versichert Andreas Gebhard. Der Chef von Newthinking stellt für seine Kunden ausschließlich quelloffene Software für die jeweiligen Anforderungen zusammen. Wer trotzdem Angst hat, ob ein Schriftstück oder eine Präsentation beim Kunden genauso aussieht wie gewünscht, kann die PDF-Funktion nutzen. Ein Knopfdruck transformiert das Dokument in eine schreibgeschützte Datei.
«Sollten umfangreiche Makros in den bisherigen Systemen vorliegen, ist die Sache natürlich etwas schwieriger», gibt Andreas Gebhard zu. Diese automatisierten Abläufe innerhalb von Programmen sind oft komplex und daher schwierig auf ein neues System zu übertragen. Unmöglich ist es aber nicht. Gebhard vergleicht den Umstieg auf Open Office mit der Aktualisierung einer Microsoft-Office-Version. Auch da kommt es zu sogenannten Migrationsproblemen, und mancher bekannte Befehl ist an eine andere Stelle verschwunden.
Von den Vorteilen der offenen Alternative haben sich schon viele Privatanwender, Organisationen und Unternehmen überzeugen lassen. Auf der «Kundenliste» von Open Office stehen beispielsweise die Stadtverwaltungen von Freiburg und München.
DatenverwaltungVorsichtiger als bei den Anwenderprogrammen des Office-Pakets sind viele Unternehmer, wenn es um die zentrale Verwaltung von Daten geht. In diesem Segment sitzt Microsoft Exchange fest im Sattel. Der Server verwaltet E-Mails, Kalender und Kontakte, Aufgaben und Notizen.
Aber auch in diesem Markt der Groupware stehen quelloffene Lösungen zur Verfügung. Manche haben lediglich das Ziel, den Exchange-Server zu ersetzen. Andere wollen das gesamte System rund um Microsoft Outlook übernehmen. Kolab gehört zu beiden Lagern. Als Datenverwalter spricht es nicht nur mit der eigenen Anwendungslösung, sondern auch mit Outlook. Wer sich ganz von Microsoft verabschieden will, kann das mit Kolab auch tun.
«Unterschiedliche Szenarien sind denkbar», bestätigt Andreas Gebhard. «Neues System auf der alten Hardware, eine so genannte Appliance Lösung, bei der die Programme und Geräte exklusiv miteinander arbeiten, oder Mischlösungen mit einer langsamen Migration zu Linux.»
Mobile EndgeräteLeistungsabstriche gibt es gegenüber Exchange nicht. Im Gegenteil: Wer mobile Endgeräte anbinden will, hat mit der offenen Variante mehr Möglichkeiten. Wollen Smartphones mit Exchange kommunizieren, müssen sie sich an Microsofts Vorgaben halten. Für den Austausch mit den offenen Alternativen reicht es, wenn die Hosentaschencomputer sich mit SyncML verstehen - Synchronization Markup Language ist ein offener und plattformunabhängiger Standard zum Datenaustausch.
Wem die Einrichtung und Betreuung eines solchen Serversystems zu aufwändig ist, kann die Dienstleistung extern vergeben. Auf dem deutschen Markt verdienen eine Vielzahl von Unternehmen damit ihr Geld, dazu zählen Univention, Collax, Xandros, Open-Xchange und Zarafa.
Andreas Gebhard fasst die Vorteile von Open-Source-Lösungen als Firmenphilosophie zusammen: «Wir glauben, dass sich IT-Budgets nach den Bedürfnissen der Unternehmen richten sollten und nicht nach den Erfordernissen von Lizenzgebern.»
Dieser Artikel erschien zuerst auf der Webseite unseres Kooperationspartners B2BBB - Das Businessportal für Berlin & Brandenburg.