21.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Online-Banking mit dem Handy
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Überweisung per Handy oder Abfrage des Kontostands: Jahrelang war Online-Banking mit dem Mobilfunkgerät verpönt - zu unsicher, zu teuer, zu langsam. Doch mittlerweile hat sich einiges geändert.
Moderne Handys sind Alleskönner. Auch als Bankfiliale für unterwegs wird das Mobiltelefon jetzt wieder angepriesen. Nach ersten Versuchen vor einigen Jahren bewerben die Banken das sogenannte Mobile Banking wieder verstärkt: Erste Versuche mit dem WAP-Standard floppten bei den Kunden - zu teuer, zu langsam, zu unsicher, lauteten die Urteile. Nun sei die Technik besser geworden, heißt es.
Hinter Mobile Banking steckt dabei nicht viel mehr als das Online-Banking per Mobilfunk. «Es ist ein zusätzlicher Zugang zum Online-Banking-Konto», sagt Kerstin Altendorf, Sprecherin des Bundesverbands deutscher Banken in Berlin. Wer unterwegs PC oder Laptop nicht griffbereit hat, kann also auch per Handy Geld überweisen oder seinen Kontostand abfragen. Dafür benötigt es weder ein besonderes Handy noch eine spezielle Registrierung - wer zu Hause Online-Banking betreibt, kann auch mobil banken.
Nur internetfähig muss das Handy sein. Am besten nutzen Bankkunden Alleskönner, die üblicherweise als «Smartphone» bezeichnet werden. Wie viele Menschen in Deutschland ihre Bankgeschäfte übers Handy erledigen, ist unklar. «Wir haben da leider keinen Marktüberblick», sagt Altendorf. Auch beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband in Berlin fehlt der Überblick darüber, wie viele der Kunden Mobile Banking betreiben. Sprecherin Michaela Roth sagt aber, praktisch jede Sparkasse biete den Service an.
Keine spezielle FreischaltungDass die Übersicht fehlt, heißt auch nicht, dass das Geschäft nicht läuft. Bei der Deutschen Bank in Frankfurt/Main zum Beispiel wird einfach nicht registriert, wie viele der eigenen Kunden Mobile Banking betreiben. Nachdem die Bank einige Jahre aus den Mobilfunk-Geldgeschäften ausgestiegen war und den Service gar nicht angeboten hatte, ist sie nun wieder dabei, wie Sprecher Michael Lermer erläutert. Die Technik habe einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht, die Benutzeroberflächen seien bedienungsfreundlicher.
Statt des WAP-Standards laufe das Angebot jetzt auf HTML-Basis - so wie das Online-Banking im Browser am heimischen Computer. «Für das Angebot ist keine Freischaltung nötig», sagt Lermer. Kunden können auf ihr Online-Konto zugreifen wie am Computer - nur dass sie es halt per Handy tun. Deshalb wisse man nicht, wer von den Online-Banking-Kunden auf welchem Weg auf das Angebot zugreift.
Geheimnummer per SMSSo ist das bei vielen Banken: Mobile Banking ist keine Extra-Funktion, sondern die Nutzung des Online-Bankings über das Netz. Auf Wiedererkennbarkeit setzt auch die Postbank in Bonn. Pin und Tan sind die gleichen wie beim Online-Banking, möglich sind Überweisungen, Kontostands- und Umsatzabfragen, das Einrichten von Daueraufträgen, aber auch die Wertpapierverwaltung.
Und wer sich für die Funktion «mTan» angemeldet hat, nutzt statt einer konventionellen Tan eine eigens für den jeweiligen Vorgang erzeugte Geheimnummer. Sie wird dem Kunden per SMS zugestellt und ist nur für die jeweilige Transaktion gültig - ob das Konto in dem Moment online oder per Handy verwaltet wird.
Alles online regelnDas ist nicht unbedingt Zukunftsmusik für Weltenbummler oder Manager. Das Bankenwesen wird in wenigen Jahren ganz anders aussehen, sagt Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein in Kiel. Er sagt voraus, dass Filialen immer unwichtiger werden. Sie seien schon heute oftmals nur für ältere Kunden da, die traditionell auf persönlichen Kontakt Wert legen und «sich ab und zu das Geld vom Konto zeigen lassen wollen».
Das Bedürfnis junger und vor allem technikbegeisterter Kunden gehe rasant davon weg. Sie wollen ortsungebunden ihre Bankgeschäfte erledigen - und zwar dann, wenn gerade Leerlauf ist, zum Beispiel an der Haltestelle. Dort steht sowieso Wartezeit zur Verfügung. Sie muss am Bankschalter nicht noch zusätzlich anfallen.
Sicherheit Grundsätzlich besteht die Gefahr, Opfer einer Phishing-Attacke zu werden, auch beim Handy-Banking - sofern der Zugriff auf die Webseite der Bank mit einem Browser erfolgt. Und das ist durchaus üblich. «Deshalb gilt auch hier, keine Links in Mails anzuklicken», warnt Daniel Bachfeld von der in Hannover erscheinenden Zeitschrift «c't». Wer die Webadresse seiner Bank von Hand eintippt, ist noch sicherer.
Doch Handys sind nach Bachfelds Erfahrung schwieriger anzugreifen als Computer. Theoretisch ist es zwar möglich, dass Hacker sich Zugang mit Hilfe eines Trojaners verschaffen. In der Praxis habe es das aber noch nicht gegeben. Das liege möglichicherweise auch daran, dass die Zahl der Mobile-Banking-Anwender noch so klein ist, dass sich der Aufwand einer Attacke für Hacker noch nicht lohnt. (Sven Appel/Gregor Tholl/dpa)