Im September soll bei Electronic Arts das legendäre Evolutionsspiel «Spore» erscheinen. Einen Teil der Software gibt es schon jetzt gratis im Web. Nie war es so leicht, Schöpfer zu sein, findet Maik Söhler. Mit Video
Der Start von «Spore» ist von allerlei Skurrilitäten umgeben. Da ist zuerst einmal die seltsame Tatsache, dass die kostenlose Software des «Spore-Labor» schon seit Montag im Netz zum Download bereit steht, sich aber erst seit Dienstag von den Webseiten des Publishers Electronics Arts herunterladen lässt.
Eigentümlich ist natürlich auch, dass eine Software für ein Spiel zur Verfügung gestellt wird, das es noch gar nicht gibt. Ob - und wenn ja, wie genau - das nun veröffentlichte «Spore-Labor» in Beziehung zu «Spore» steht, bleibt vorerst unklar. Vermutlich wird man aber die im Labor erzeugten Geschöpfe später ins Konsolen- oder PC-Spiel integrieren können.
Schließlich hat hier Will Wright, der Erfinder der «Sims», der erfolgreichsten Spieleserie aller Zeiten, seine Entwicklerfinger mittendrin. Waren es bei den «Sims» Menschen nachempfunde Figuren, die ihren Alltag organisieren und bewältigen - oder anders gesagt: ihr Leben leben -, so wird «Spore» einfach nur ein paar tausend Evolutionsschritte vorher und mit einem wesentlich umfassenderen Konzept ansetzen.
Leben entwickeln
Worum geht es in «Spore», worum im «Spore-Labor»? Ganz einfach: ums Leben. Leben in allen denkbaren Formen, ergänzt um Formen, die bisher nicht vorstellbar waren. Der Spieler wird in «Spore» eine eigene Spezies entwickeln, angefangen beim Einzeller und endend beim höchsten Stand einer modernen Zivilisation. Dafür werden ihm verschiedene Umgebungen zur Verfügungen stehen, er wird seine Figur gegen andere Kreaturen und gegen teils widrige Naturbedingungen behaupten müssen.
Das «Spore-Labor» wiederum setzt mitten in diesem Entwicklungsprozess ein. Die leicht zu installierende Software bietet dem User einen Torso an, der anschließend nach Belieben bestückt werden darf: mit Augen, Ohren, Armen, Beinen, Hörnern, Schwänzen usw.
Noch ein Eigengeschöpf
Screenshot: nz
Dabei darf der Schöpfer nicht nur Teil X an vorgegebene Stellen auf Körper Y montieren, sondern er kann auch den Körper selbst mitmodellieren. Arme können verlängert, Ohren gedreht, Köpfe geneigt und Gelenke umgesetzt werden. Hautfarbe und Musterung lassen sich aus einer Liste auswählen.
Kreaturen veröffentlichen
Wer will, erfreut sich nach getaner Arbeit an seinem Geschöpf und lässt es Männchen machen, auf schwer gefährlich tun und herumbrüllen oder einfach eine Runde flanieren. Man kann es aber auch gleich in einem Online-Pool anderen Schöpfern zeigen. Diese können dann über den Modus «Bearbeiten» Änderungen vornehmen, sodass aus eigenen possierlichen Viechern plötzlich etwas Raubtierähnliches wird. Umgekehrt lässt sich auch Einfluss auf das Werk Anderer nehmen.
Die Ergebnisse können mit einem Klick fotografiert oder gefilmt werden, und mit wenigen Klicks steht das aufgenommene Video eine halbe Stunde später auf Youtube. Hunderte «Spore-Labor»-Kreationen sind dort seit Montag hochgeladen worden.
Anfang September wird EA das zum Labor paasende Spiel veröffentlichen - für Nintendos Wii und DS sowie für Mac und PC. Damit leitet es, freiwillig oder unfreiwillig, ein anderes großes Ereignis ein: 2009 wird das Darwin-Jahr werden. Der wohl bedeutendste Naturwissenschaftler der Neuzeit, Charles Robert Darwin, wurde am 12. Februar 1809 in England geboren. Ob er an «Spore» wohl Gefallen gefunden hätte?