EM-Aufnahmen im Netz:
Der Fußball gehört allen – seine Bilder auch
17. Jun 2008 13:32
 |  Der Foto-Beweis: Die Uefa steht klar im Abseits. | Foto: dpa |
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Wegen privater Digicam-Videos und Handy-Fotos auf Youtube und Flickr entbrennt derzeit ein Streit. Die Uefa behauptet, das alleinige Recht auf jegliches Bildmaterial zur EM zu besitzen. Nichts da, meint
Maik Söhler.
Nichts gegen Marken. Sie gehören zur modernen Welt der glänzenden Oberflächen wie Fußballstars zur EM. Nichts gegen das Copyright und Lizenzen. Theoretisch und im Einzelfall können sie vielleicht helfen, die Interessen und die Bezahlung von Künstlern zu gewährleisten. Nichts gegen die Uefa. Es braucht große Sportverbände, um Turniere zu organisieren, die viele Menschen begeistern.
Wenn aber alles zur Marke wird, auf jedes Ereignis Copyright und Lizenzen gepappt werden und das alles auch noch von der Uefa kommt, einer Instititution, die ungefähr so viel Glamour hat wie ein durchgeschwitztes Trikot im Wäschekorb, dann sollte man doch einmal einschreiten. Was ist passiert? Die Uefa beklagt sich dieser Tage verstärkt über die Veröffentlichung privater Handyfotos und Digicam-Videos von Spielen der Europameisterschaft, die man, wenn es nach der Uefa ginge, nur noch EURO 2008 nennen darf, auf Online-Plattformen wie Youtube und Flickr. Damit würden die Rechte der Uefa verletzt, schließlich habe sie sich die EM-Videos und –Fotos gesichert. Und wer so etwas zeigen wolle, müsse eine Nutzungslizenz erwerben.
Was ist privat?
Wie die Film- und Musikindustrie macht die Uefa nun gegen sogenannte Piraterie mobil und möchte Google, Youtube und anderen die Verwendung des Materials untersagen, sofern sie Geld damit verdienen. Man habe nichts gegen private Aufnahmen der Spiele, wenn sie denn anschließend auch nur im privaten Rahmen gezeigt würden. Das aber sei auf Flickr und Youtube definitiv nicht der Fall.Youtube hat bereits reagiert und angekündigt, jedes von der Uefa beanstandete Video umgehend zu löschen. Youtube ist cool – denn damit zwingt das Portal den Fußballverband täglich um die tausendmal Beschwerde einzulegen. Und für jedes gelöschte Video tauchen anschließend wieder zwei neue auf.
Von der Musikindustrie lernen
Die Musikindustrie hat es nach einem Jahrzehnt des Niedergangs immer noch nicht gelernt, gelassener mit Tauschbörsen und Copyright-Verletzungen umzugehen. Ihre Detektive durchforsten das Netz jeden Tag aufs Neue, melden Verstöße und bringen sie zur Anzeige. Und doch wird längst nicht mehr jeder Pirate Bay-Nutzer verfolgt, sondern meist nur jene, die Musik gewerbsmäßig verbreiten.Im Detail mag der Unterschied zu einfachen Nutzern schwer zu definieren sein, doch klar wird dabei: Unterhaltung und Gewerbe sind getrennte Bereiche. Das könnte auch ein Ansatz sein, um den bizarren Streit zwischen der Uefa sowie Youtube und Co. beizulegen. Statt Video- und Fotoportale pauschal unter Betrugsverdacht zu stellen, könnte gezielt nach gewerbsmäßigen Verstößen geahndet werden. Vielleicht leiht man sich zu diesem Zweck einfach mal die Detektive der Musikindustrie aus - die wissen schließlich, wo sie zu suchen hätten.
Kleingeistig in großen Welten
Bleibt die Uefa jedoch bei ihrem verklemmten Ansatz, Privataufnahmen generell der Öffentlichkeit vorenthalten zu wollen, dann zeigt der Verband, dass er nichts, aber auch gar nichts vom Internet begriffen hat. Eigentlich hat er deswegen dort auch nichts zu suchen. Doch das Netz ist groß genug, um jedem sein Plätzchen zu bieten. Und so kleinlich wie die Uefa wollen wir auch nicht sein.Der Streit um Fotos und Videos ginge dann zwar weiter, die Webseite Uefa.com aber könnte man getrost aus den eigenen Bookmarks entfernen. An schönen EM-Fotos und -Videos mangelt es im Internet zum Glück ja nicht.