18.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Das Audio- und Videoprogramm Ubuntu Studio
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Immer mehr Firmen haben keine Lust mehr auf Microsoft und Windows. Stattdessen setzen sie auf Linux. Was dabei genau zum Einsatz kommt, weiß Dominik Haile . Teil 2 unserer Serie «Open Source im Unternehmen».
Der Businessplan und die Finanzierung stehen, das Ladengeschäft ist gemietet. Fehlt nur noch die Technik. Existenzgründer müssen entscheiden, welche IT sie sich ins Haus holen: konventionell geschlossen oder Open Source? Denn die quelloffene Variante bietet inzwischen Lösungen für alle Unternehmensbereiche.
Open Source hat viele Vorteile: Es fallen keine Lizenzkosten an. Und da jedes Programm mit seinem Bauplan angeboten wird, kann es individuell angepasst werden. Das ist zwar etwas aufwändig, hat aber den Vorzug, dass standardisierte Angriffe erfolglos bleiben. Ein allgemeiner Windows-Virus hat im individualisierten Linuxumfeld keine Chance.
«Außerdem stehen viele quelloffene Lösungen den konventionellen Programmen in nichts nach.» Das betont Andreas Gebhard gern. Immerhin verdient er sein Geld damit, Programme für seine Kunden zusammenzustellen. «Ein Existenzgründer kann sich ausschließlich mit Open-Source-Software ausstatten. Das schont den Geldbeutel und macht unabhängig.»
Kundenverwaltung und Finanztransaktionen Auf den Computer installiert seine Firma Newthinking kein Windows, sondern Ubuntu mit einer sogenannten KDE-Oberfläche - das ist eine grafische Benutzeroberfläche samt Zusatzprogrammen. Das Linux-Betriebssystem ist grafisch ansprechend, vielseitig und erledigt manche jener Aufgaben nebenher, für die Windows viel Aufmerksamkeit verlangt. Programme fürs Surfen, E-Mail-Schreiben oder die Bildbearbeitung werden mitgeliefert und können unkompliziert auf dem aktuellen Stand gehalten werden.
Zur Kundenverwaltung empfiehlt der Chef des Newthinking Store OpenERP. Diese Software ordnet nicht nur die Daten von Käufern, sondern dient als «Herzstück des Unternehmens», weil damit alle Ressourcen des Betriebs geplant werden können. Auch die Buchhaltung kann OpenERP erfassen. Wem die Leistungen im Rechnungswesen nicht ausreichen, greift zum komplexeren Programm LXOffice. Kleinstbetriebe arbeiten gerne mit dem Programm GNUcash.
Datenerfassung und -sicherungDen Inhalt der Firmenwebseite steuert das Content Management System, beispielsweise Drupal. Darin eingebunden verwaltet etw OsConnerce den Webshop, der mit dem Buchhaltungsprogramm verbunden wird. So tauchen alle Waren, die über den Webshop verkauft werden, direkt im Rechnungswesen auf. Ebenso lässt sich das Kassensystem im Ladengeschäft an die Technik anbinden. Was der Barcode-Scanner einliest, erscheint auch in der Buchhaltung.
Damit werden Daten sauber erfasst, verarbeitet und abgeglichen. Fehlt noch die Sicherung. Ein System, das automatisiert regelmäßige Backups erstellt, gehört zur Grundausstattung. Das Programm lässt sich über den Internetbrowser steuern, damit Daten beglaubigt gesichert und bei Bedarf wiederhergestellt werden.
Problemlose ErweiterungenBis zu einer bestimmten Betriebsgröße lässt sich das Gesamtsystem aus Backend, Desktop und Spezialanwendungen um weitere Rechner vergrößern. Die Erweiterung läuft problemlos.
«Sollten bestimmte Anwendungen noch nicht für eine Linuxplattform existieren, ist dies kein grundsätzlicher Hinderungsgrund für die Migration auf Open-Source-Produkte», greift Andreas Gebhard eine Schwierigkeit auf. «Manchmal lassen sich Anwendungen durch Open-Source-Software ersetzen.»
Wer trotzdem auf ein Programm angewiesen ist, das nicht für Linux vorliegt, kann tricksen. Mit Emulatoren wird dem Programm vorgegaukelt, es befinde sich in einer Windowsumgebung. Das geht zwar auf Kosten der Geschwindigkeit, aber die Funktionen stehen größtenteils zur Verfügung. Das alles lässt sich innerhalb weniger Tage einrichten, wenn die Entscheidung für die einzelnen Komponenten der Gesamtarchitektur gefallen ist.
Dieser Artikel erschien zuerst auf der Webseite unseres Kooperationspartners B2BBB - Das Businessportal für Berlin & Brandenburg.