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Fünf Jahre Xing: 

Lars Hinrichs: «Man muss immer nachlegen»

30. Jun 2008 08:04
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Die im Juli 2003 gegründete Web-2.0-Plattform openBC, heute bei vielen nur noch als Xing bekannt, gehört zu den erfolgreichsten sozialen Netzwerken. Zum fünften Geburtstag sprach die Netzeitung mit Gründer Lars Hinrichs.

«Es ist möglich», lautet die Übersetzung für Xing (aus dem Chinesischen). Lars Hinrichs, der ein Faible für die asiatische Kultur hat, scheint das zu seiner Job-Philosophie gemacht zu haben, denn seine Business-Plattform Xing ist der beste Beweis dafür, dass sich im Internet Geld verdienen lässt. Firmen wie Google und Yahoo haben das ja auch geschafft.

Xing gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten Web-2.0-Plattformen und startete zu einer Zeit, in der es das Schlagwort noch gar nicht gab: Hinrichs gründete die Online-Community im Juli 2003. Nach einer mehrwöchigen Betaphase wurde sie offiziell gelauncht. Zunächst, bis Ende 2006, wurde das Unternehmen unter dem Namen openBC (kurz für Open Business Club) geführt.

Netzeitung: Herr Hinrichs, welche anderen Web 2.0-Anwendungen außerhalb von Xing nutzen Sie?

Lars Hinrichs: Was ich in letzter Zeit nutze, soweit die Dienste zur Verfügung stehen, sind FriendFeed und Twitter. So habe ich während der letzten Hauptversammlung immer dann, wenn ich nicht reden musste, getwittert – einfach mal, um zu gucken, ob es Resonanz gibt.

Netzeitung: Interessieren Sie sich eigentlich auch noch für Blogs?

Hinrichs: Ja, ich lese zu jeder Tages- und Nachtzeit etliche Blogs und Online-Medien, um zu sehen, was für andere und für mich relevant ist.

Netzeitung: Da geht es ja nicht immer nett zu. Ärgern Sie sich deshalb auch manchmal?

Hinrichs: Es dauert schon ziemlich lange, bis mich wirklich etwas ärgert. Wenn Sie hier im Büro rumfragen würden, dann hieße es: »Den bringt fast nichts aus der Ruhe“. Aber es gibt auch keinen Anlass. Das erste Quartal war das Beste unserer Firmengeschichte, und wir sehen, dass dieser Wachstumstrend weiter vorangeht.

Soziale Netzwerke und Wachstum

Netzeitung: Die Grenzen des Wachstums sind also noch nicht absehbar?

Hinrichs: Als wir vor anderthalb Jahren an die Börse gegangen sind, war die Frage, ob es mit 25.000 neuen Zahlern im Quartal überhaupt vorwärts gehen könnte, und jetzt haben wir innerhalb eines Quartals bereits knapp 60.000 neue Zahler hinzugewonnen.

Wachstumsgrenzen gibt es derzeit keine. Im Gegenteil. Wir stehen noch ganz am Anfang. Und wenn man sich den Markt als solches anschaut, dann sind von den derzeit 1,2 Milliarden Menschen im Internet erst 300 Millionen Mitglied in sozialen Netzwerken. Der Markt ist gigantisch groß.

Netzeitung: Könnten Ihnen da nicht Klone irgendwann den Rang ablaufen?

Lars Hinrichs
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Hinrichs: Über Klone mache ich mir keine Sorgen, die verschwinden wieder. Sie können weder die Innovationen im Backendsystem kopieren, noch die sozialen Verknüpfungen – das Kapital aller etablierten sozialen Netzwerke.

Netzeitung: Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür, dass der deutsche Facebook-Auftritt bisher so floppt?

Hinrichs: Lokalisierung funktioniert eben nicht über die Sprache.

Netzeitung: Es fehlen also die entsprechenden Inhalte?

Hinrichs: Man muss einfach vor Ort sein. Wenn ein Klon wie StudiVZ erfolgreich ist, dann muss man genau darauf schauen, was der Grund dafür ist. Man muss ein Team in dem jeweiligen Land aufbauen, anders geht das gar nicht. Viele Amerikaner sehen Europa als ein Land, dessen Hauptstadt London ist. Und dieses Gefühl teilen wir Europäer wohl eher nicht.

Soziale Netzwerke und Geld

Netzeitung: Was halten Sie von der These, letztlich ließe sich mit Web-2.0-Ideen kein beziehungsweise kaum Geld verdienen?

Hinrichs: Xing beweist als eines der wenigen Netzwerken weltweit, dass dem nicht so ist. Man kann allerdings nicht alle über einen Kamm scheren, wenn Versuche soziale Netzwerke zu monetarisieren nicht auf Anhieb funktionieren. Allerdings ist die Frage berechtigt, wie viele Unternehmen es im nächsten Jahr noch geben wird.

Die Übertreibung, die wir in der Web-1.0-Welt gesehen haben, betraf die Bewertungen der börsennotierten Unternehmen. Was wir heute sehen, ist eine Übertreibung in der Bewertung von privaten Unternehmen. Das ist immer ein sicheres Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Wir werden viele Start-ups sehen, die es nicht schaffen, ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu implementieren. Werbung allein ist nicht die Lösung.

Netzeitung: Das zeigt ja auch die Entwicklung im Silicon Valley…

Hinrichs: Dass die Firmen dort grundlegend ihre Geschäftsmodelle ändern müssen, ist auch bei uns schon angekommen. Man muss immer unterscheiden zwischen dem, was nette Features sind und was wirklich einen strategischen Grundwert für den Endkunden hat. Nur wenn es eine Firma schafft, sich zu verbessern, sei es aus Produktsicht oder mit einer Anwendung, die neu ist, nur dann hat man tatsächlich etwas Nachhaltiges geschaffen.

Diese Nachhaltigkeit verlangt, sich kontinuierlich jede Woche weiter zu entwickeln. Seit viereinhalb Jahren haben wir jede Woche ein neues Release eingeführt. Im letzten Jahr waren es zudem 50 neue Features, die wir gelauncht haben. Wettbewerb ist im Informationszeitalter immer global.

Netzeitung: Ein ganz schöner Druck, oder?

Hinrichs: Das ist eine Frage der Interpretation. Ist man innovativ, dann finde ich das eines der interessantesten und spannendsten Dinge, die man machen kann. 50 Prozent der implementierten Features haben wir übrigens auf Wunsch unserer Nutzer hin entwickelt.

Xing und der Datenschutz

Netzeitung: Noch eine abschließende Frage zu Ihrem Erfolg: Profitieren Sie nicht von den schlechten Arbeitsmarktbedingungen? Bestes Beispiel waren ja die vielen Ex-BenQ-Mitarbeiter, die sich bei Xing angemeldet haben.

Hinrichs: Ja, Xing ist schon ein ganz guter Gradmesser. Mittlerweile zählen wir über zehn Prozent der Belegschaft aller Dax-Unternehmen zu unseren Mitgliedern. Die Quote von Mitgliedern, die nicht oder nicht mehr im Berufsleben stehen, liegt bei 0,5 Prozent.

Wir haben Mitglieder, die mit beiden Beinen im Berufsleben stehen. Das sind eher die latenten Jobsucher. Deshalb funktioniert auch unser Marktplatz so gut. Das sind nicht die Leute, die auf Monster oder Stepstone gehen, um ihre Karriere zu planen und eine neue berufliche oder geschäftliche Herausforderung anzunehmen. Im Durchschnitt sind unsere Nutzer männlich, 34, gut gebildet und mit hohem Einkommen.

Netzeitung: Das klingt aber auch nach gläsernen Kunden…

Hinrichs: Wenn sie den Datenschutz hierzulande mit dem in Amerika vergleichen, dann sind die Profile bei uns in Deutschland mit Abstand sicherer. Für uns war es von Anfang an wichtig, dass jeder auf Xing selbst entscheidet, welche Daten er freigibt und welche nicht.

Wir haben zudem erst kürzlich einen Vertreter der Hamburger Datenschutzbehörde zu uns eingeladen, um Xing mit Blick auf die strengen Datenschutzbedingungen prüfen zu lassen – mit dem Ergebnis, dass wir sämtliche Kriterien erfüllen. Und das ist entscheidend.

Netzeitung: Datenschützer empfehlen ja ohnehin, so wenig wie möglich von sich selbst preiszugeben, doch vielen sind die Risiken offensichtlich noch gar nicht richtig bewusst.

Hinrichs: Unabhängig vom gesetzlichen Schutz und dem Schutz, den die Anbieter garantieren, sollten sich Internetnutzer grundsätzlich genau überlegen, was sie im Netz von sich preisgeben. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, die Nutzer im Umgang mit ihren Daten zu sensibilisieren. Wir raten unseren Mitgliedern, und sensibilisieren sie kontinuierlich, sorgfältig mit ihren Daten umzugehen und sie im Internet nicht bedenkenlos zu verwenden.

Interview: Frank Magdans

 
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