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Computer- und Videospiele: 

Bloß raus aus der Anstalt – aber wie?

16. Jun 2008 10:12
Szene aus 'Edna bricht aus'
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Das neue PC-Spiel «Edna bricht aus» ist ein interessantes Comic-Adventure. Statt auf 3D-Grafik setzt es auf Retro-Stil. Vor allem aber darf der Spieler selbst entscheiden, wie das Game endet.

Edna ist ein Wesen im weißen Klinikgewand mit großen Augen, das in eine Gummizelle eingesperrt wurde. Gezeichnet hat es Jan Müller-Michaelis für das Comic-Adventure «Edna bricht aus».

Der Mitbegründer der Hamburger Firma Daedalic verwirklicht damit die Idee seiner Diplomarbeit über das Thema «Das Computerspiel als nichtlineare Erzählform». Nichtlinear - das bedeutet, dass es keinen geradlinigen Faden von Anfang bis Ende gibt. Es ist der Computerspieler, der den Verlauf der Handlung bestimmt. Und dieser kann in «Edna bricht aus» manchmal ganz schön verwickelt sein.

Statt möglichst realistischer 3D-Grafik setzt Müller-Michaelis auf unrealistische 2D-Comics im Retro-Stil und spricht so auf ganz andere Weise die Phantasie an als ein Fantasy-Adventure.

Harvey, das Unterbewusstsein

Edna und ihr wandelndes Unterbewusstsein, der Stofftierhase Harvey, begeben sich auf eine Reise durch eine abgedrehte Anstalt. Auf dem schwierigen Weg in die Freiheit rekonstruieren sie die von Anstaltsarzt Dr. Marcel ausgelöschte Erinnerung von Edna.

«Point & Click» - das bedeutet auch Suchen und Herumklicken bis zur Verzweiflung. In der Gummizelle gibt es nichts außer Wandpolster, einen Stuhl, einen Tisch und ein Gitter über der verschlossenen Tür, durch das man mit dem Aufseher sprechen kann. Glücklicherweise enthält das Handbuch eine Lösungshilfe für die ersten Rätsel.

Ansonsten geben aber auch die Dialoge Hinweise, auf welchem Weg die Rätsel gelöst werden können. Kommunikation ist eben doch alles, und wenn es nur das einseitige Gespräch mit toten Dingen ist. «Ey Schraube, bleib mal locker!» fordert Edna vor dem Lüftungsgitter der Klimaanlage.

Bunte Gesellschaft von Irren

Dass Kreuzschlitzschrauben mit einem abgerissenen Fußnagel gelöst werden, gehört ebenso zu dem abgedrehten Spiel dazu wie die die durch Kaffee gesteigerte Ohrenschmalzproduktion. Der Weg in die Freiheit wird von einer bunten Gesellschaft von Irren begleitet - in Ednas Welt gibt es niemand, der nicht verrückt wäre.

Die einzige Ordnung in dem Computerspiel bietet das Inventar, das genre-typisch all die Dinge aufnimmt, die beim Herumklicken gefunden und aufgehoben werden. Neben den Dialogen sind es diese Gegenstände, die immer wieder für den Sesam-Öffne-Dich-Effekt sorgen. Für den Umgang mit den Gegenständen in Ednas Welt gibt es vier unterschiedliche Interaktionsmöglichkeiten: Ansehen, Nehmen, Reden und Benutzen.

Selbst bestimmen, wie das Spiel endet

Das Weiterhangeln von einer Szene zur nächsten wird belebt durch eine Vielzahl von Zwischensequenzen und durch den Wechsel der Akteure: Mal wird die Handlung von Edna bestimmt, mal von Harvey. Wenn schließlich nicht nur der Ausbruch aus der Anstalt geschafft, sondern auch die Erinnerung wiederhergestellt ist, bestimmt der Computerspieler, wie die Geschichten enden soll.

«Edna bricht aus» verzichtet zwar auf aufwendige Technik, ist aber inhaltlich umso umfangreicher. Ingesamt gibt es nach Angaben von Daedalic «120 spielbare Screens, 60.000 Zeilen Skript, über 30 durchgeknallte Charaktere und mehr als 10 Stunden Sprachausgabe». Während die Software mit ihren insgesamt sieben Gigabyte installiert wird, kann man schon mal die Ohrenschmalzproduktion steigern und einen Kaffee machen.

Die übrigen Hardware-Voraussetzungen des Windows-Spiels (ab XP) sind aber überschaubar: Der Prozessor sollte mindestens eine Taktrate von einem Gigahertz haben, beim Arbeitsspeicher reichen 512 MB. Die Grafikkarte muss DirectX unterstützen, begnügt sich aber mit 64 MB internem Video-RAM. Das ohne Altersbeschränkung freigegebene Spiel wird zum Preis von rund 30 Euro vertrieben. (Peter Zschunke/AP)

 
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