Computer- und Videospiele: 

netzeitung.deSolid Snake schlägt Indiana Jones

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Szene aus 'Metal Gear Solid 4' Screenshot: nz (Screenshot: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Szene aus 'Metal Gear Solid 4' Screenshot: nz
Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Endlich können wir die Frage beantworten, welches der beiden Medien denn nun realistischer ist: Film oder Computerspiel? Frank Magdans über das Stealth-Action-Spiel «Metal Gear Solid 4».

Harrison Ford war es in manchen Szenen in «Indy 4» anzusehen, dass er nicht mehr der Jüngste ist. Doch Regisseur Steven Spielberg ist nicht auf die Idee gekommen, seinen Helden müde und schwach wirken zu lassen – abgesehen von seiner Schlangenphobie. Der japanische Videospielguru Hideo Kojima hat da anderes im Sinn: Sein Protagonist Solid Snake hat mit den Folgen des Alterungsprozesses zu kämpfen, ja sogar mit ihren rasant fortschreitenden, dem so genannten Werner-Syndrom.

Tiefe braucht es, emotionale Regungen und zwischenmenschliche Beziehungen, damit ein fiktiver Charakter authentisch wirken kann. Sonst wird kein Film überzeugen. In der Welt der Computer- und Videospiele ist das genauso, muss sich der Spieler doch irgendwie mit seinem Avatar, seinem virtuellen Stellvertreter, identifizieren. Und Solid Snake ist einer dieser Sorte, mit der man rasch sympathisiert.

Am Anfang von «Metal Gear Solid 4» kommentiert der Held die Folgen des Kriegs, und wenn man drei Mal den Satz «War has changed» aus seiner rauen Kehle vernehmen muss, dann stellt sich das Gefühl ein, Kojima selbst würde hier über das Jetzt und Morgen unserer Welt philosophieren. Zum einen laufen einem dabei Schauer über den Rücken, zum anderen ist es wohl kein Zufall, dass der erste Schauplatz, ein zerbombtes Kriegsszenario im mittleren Osten, den Namen Ground Zero trägt.

Besonnen wie eh und je
«Metal Gear Solid 4» ist ein Antikriegsspiel, ein Kommentar zur ungewollten Realität, der alltäglich Menschen zum Opfer fallen. Und genau das wird auch gezeigt: Menschen schreien, wenn sie vom Kugelhagel der Feinde getroffen werden, und Snake zeigt, dass das Szenario nicht spurlos an ihm vorbeigeht. Zudem gilt es, wie in den vorherigen Teilen, bloß nicht aufzufallen. Waffengefechten mit anderen soll sich der Protagonist entziehen. Dazu dient ihm dieses Mal ein hervorragender Tarnanzug.

Versucht man es dennoch auf die harte Tour, dann wird Snake viel zu sehr in Mitleidenschaft gezogen. Er beschwert sich beispielsweise darüber, dass ihm der Rücken weh tut. Da fragt man sich unweigerlich, weshalb Indiana Jones so was nicht wenigstens mal angedeutet hat. Aber vielleicht liegt das an der unterschiedlichen Ausrichtung beider Produktionen. Bei «Indy 4» wird ordentlich draufgehauen, wohingegen bei «Metal Gear Solid 4» bedachtes, strategisches Vorgehen angesagt ist.

Ein Blockbuster
Was Film und Game jedoch gemeinsam haben, ist, dass beide Blockbuster sind. Das war es dann aber auch. «Indy 4» ist bloße Unterhaltung, «Metal Gear Solid 4» allerdings regt zum Nachdenken an. Alternde Helden können also zu beiden Zwecken herhalten. Authentisch wirkt indes lediglich Snake, denn innerhalb der Handlung gibt es immer wieder Momente, in denen der Spieler auf die X-Taste des Controllers drücken kann, sodass Rückblenden Einblicke in die Vergangenheit des Helden erlauben. Spieler, die die vorhergehenden Folgen kennen, profitieren davon.

Das Spiel zeigt eindrucksvoll, zu was japanische Entwickler fähig sind. Die Entwickler um Hideo Kojima haben sich mit einem neuen Höchstmaß an Realismus tief in der Geschichte der Computer- und Videospiele eingeschrieben. Auch Grafik und Sound sind großartig. Der Rest ist – immer wieder aufs Neue – Überraschung.

«Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots» – Konami, Juni 2008, um die 60 Euro ist für die Playstation 3 erschienen.