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25 Jahre Handy: 

Der «bimmelnde Knochen» hat die Welt verändert

13. Jun 2008 08:08
Motorolas ehemaliger Chefdesigner Rudy Krolopp und das erste Handy der Welt: DynaTAC 8000X (links)
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Heute gibt es rund 3,3 Milliarden Handys in aller Welt. Als Motorola am 13. Juni 1983 das erste Gerät vorstellte, wurde es als zu groß, zu schwer und zu teuer empfunden - es floppte.

Gefunkt hat es beim Publikum nicht sofort: Das erste Handy war zu groß, zu schwer und zu teuer. 3500 Dollar kostete der «bimmelnde Knochen», den Motorola vor 25 Jahren - am 13. Juni 1983 - auf den Markt brachte. Es wog mit 800 Gramm fast so viel wie eine Flasche Wasser, war länger als eine Din-A4-Seite und hatte nach einer halben Stunde Redezeit schon keinen Saft mehr.

Das erste Handy, das seine Designer der Form halber auch «Stiefel-Phone» nannten, war schnell vom Markt gefegt. Und dennoch: Kaum ein Gegenstand hat die Welt so sehr verändert wie dieser. «Unser Traum war es, dass eines Tages niemand mehr über ein gewöhnliches Telefon anrufen wird», erinnert sich einer der Erfinder des ersten tragbaren Telefons, Martin Cooper.

Der damalige Motorola-Ingenieur arbeitete Anfang der siebziger Jahre an einem mobilen Gerät für den Polizeifunk, als es bei ihm klingelte: «Warum nicht Mobilfunk für alle?», fragte er sich. Ein paar Wochen später stand Cooper auf einer Straße in New York und rief mit seinem Prototypen triumphierend die Konkurrenzfirma AT&T an.

Zehn Jahre dauerte es dann noch, bis das erste mobile Telefon klein genug und reif fürs Massenpublikum war. «Die Leute dachten, ich sei verrückt», sagt Cooper. «Weil ich an ein Telefon dachte, das man einfach in die Tasche stecken kann.»

Cooper steckte die Zweifler in die Tasche: Nach Statistiken des Instituts Wireless Intelligence hängen inzwischen 3,3 Milliarden Handys weltweit am Netz. Immer schneller wurden es immer mehr: Während es knapp 20 Jahre dauerte, bis die erste Milliarde verkauft war, brauchte die zweite Milliarde gerade einmal vier Jahre, die dritte sogar nur halb so lange. 80 Prozent der Weltbevölkerung hat Anschluss an ein Handynetz. Von den Küsten im Süden Indiens bis zur Spitze des Kilimandscharo - Sendemasten stehen fast überall.

«Das Handy ist revolutionär», sagt Kommunikationsforscher Scott Campbell von der Universität Michigan. «Es hat unser Sozialleben und den Arbeitsmarkt verändert. Es hat neue Kunstformen geschaffen, neue Wege zu beten, aber auch, Terroranschläge auszuführen.» Das Telefonieren hat eine neue Bedeutung bekommen, sagt Campbell. «Jemand ruft nicht mehr irgendein Haus oder Büro an, sondern gezielt eine bestimmte Person.»

Nervensäge und Produzent von Kunst

«Das Telefon bist jetzt Du», sagt auch der Soziologe David Hachen von der Universität Notre Dame in Indiana. «Handygespräche schmieden soziale Bande. Die Menschen reden mehr miteinander, weil sie es überall und immer tun können.» US-Amerikaner beispielsweise unterhalten sich nach Informationen des Radiosenders npr im Schnitt sieben Stunden im Monat per Handy.

In Restaurants, Theatern und Zugabteilen wird der ewig bimmelnde Kommunikationszwerg darum auch oft verflucht oder zum Schweigen verdammt. Je weiter seine Technik reift, umso mehr entwickeln sich auch Handybesitzer zu «Multitaskern»: Sie werden zu Hobby-Fotografen, zu Dokumentarfilmern oder zu Mitarbeitern, die jederzeit erreichbar, kontrollierbar und abrufbar sind. «Handyfotokunst ist mittlerweile eine eigene Sparte geworden, die uns Konkurrenz macht», meint auch ein Fotograf aus Washington.

Mobil in Entwicklungsländern

Jenseits der westlichen Welt hat das Mobiltelefon die Wirtschaft besonders beflügelt. 68 Prozent aller neuen Verträge werden in Entwicklungsländern abgeschlossen. Die London Business School errechnete, dass jedes Mal dort, wo zehn zusätzliche Mobiltelefone auf 100 Menschen kommen, sich das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent steigert.

Jeder ist plötzlich in der Lage, seine Dienstleistung anzubieten, weil er erreichbar ist - ganz gleich ob in Manhattan oder in einem afrikanischen Slum. Ökonomen führen zahlreiche Kleinunternehmens-Gründungen auf das Handy zurück.

In den Entwicklungsländern nutzen medizinische Organisationen das Mobiltelefon auch, um etwa Tuberkulose-Patienten an ihre Medikamente zu erinnern. Tabuthemen wie Sex und Aids können per SMS schriftlich «besprochen» werden.

Handy-Implantate?

Spätestens wenn das Telefon zur mobilen Krankenschwester wird, trägt es seinen Namen zu Unrecht, meint Kommunikationsforscher Hachen: «Es ist Fernseher, Tageszeitung, Faxgerät, Fotoapparat, Kreditkarte und persönlicher Manager.»

Geht es nach dem Willen seines Erfinders, soll es bald noch mehr sein. Im Fernsehsender CNN warb Cooper für seinen Traum: «Das Telefon sollte irgendwann ein Teil des Menschen werden - vielleicht unter der Haut hinterm Ohr.» (Antje Passenheim/dpa)

 
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