NZ-Serie: Open Source im Unternehmen: 

netzeitung.deLizenzen sind nicht alles

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Linux Ubuntu auf dem Desktop (Foto: Ubuntu/dpa/gms<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Linux Ubuntu auf dem Desktop
Foto: Ubuntu/dpa/gms
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Es muss nicht immer Microsoft sein, auch nicht in Unternehmen. Eine Berliner Firma bietet Alternativen an. Mit dem Einsatz von Open Source lässt sich Geld sparen - und Geld verdienen, weiß Dominik Haile .

Andreas Gebhard hat sich auf quelloffene Lösungen spezialisiert. Unter dem Firmennamen Newthinking hat er ein Netzwerk aufgebaut, das inzwischen eine Kommunikationsagentur, ein angesehenes Blog (Netzpolitik.org) und einen Laden für windowsfreie Computer beherbergt. Rund zwei Dutzend Mitarbeiter zeigen kleinen und mittelständischen Unternehmern, welche Möglichkeiten ihnen Open Source bietet.

«Open Source regelt, wie immaterielle Güter verteilt werden», erklärt Andreas Gebhard. Konkret heißt das, dass der Quellcode einer Software zur Nutzung und Bearbeitung offen liegen muss. So kann jeder, der die Sprache versteht, nachschauen, wie ein Programm funktioniert. «Quelloffen heißt aber nicht lizenzfrei», räumt der Geschäftsführer mit einem gängigen Missverständnis auf. Auch wenn keine Lizenzkosten entstehen, muss nicht jede Verarbeitung gestattet sein.

Die weit verbreitete GNU Generale Public Licence (GPL) schreibt beispielsweise vor, dass ein Produkt, das aus einer freien Software entstanden ist, auch wieder quelloffen sein muss. Die sogenannte BSD-Lizenz erlaubt hingegen, veränderte Programme mit einer beliebigen, also auch einer geschlossenen Lizenz zu veröffentlichen. Apple hat so sein Betriebssystem, das auf dem offenen Unix basiert, mit einem klassischen Copyright veröffentlicht.

Preisvorteil bisher gleich null
Der Preisvorteil offener Betriebssyteme war bei PCs bisher gleich null. Zwar gab es unterschiedliche Varianten von Linux stets völlig kostenlos. Einen Computer ohne vorinstalliertes Windows zu kaufen, war jedoch aussichtslos.

Das machte Linux doppelt unattraktiv. Einerseits war im Preis für den Computer die Lizenzgebühr fürs ungewollte Microsoft-Produkt enthalten. Andererseits musste zusätzliche Arbeit investiert werden, um eine Alternative aufzuspielen. Seit Kurzem bieten Händler jedoch «nackte» Rechner an. Auch standardmäßig mit Linux bespielte Geräte sind jetzt zu haben, die den Preisvorteil an den Kunden weitergeben. Der Newthinking Store verkauft gar keine anderen Geräte.

Ganz ohne Investition sind offene Lösungen aber nicht zu haben. «Es installiert sich nicht selbst», stellt Andreas Gebhard klar. An diesem Punkt greift das Geschäftsmodell von Newthinking. Quelloffene Software erlaubt der Kommunikationsagentur die Anpassung an individuelle Bedürfnisse der Kunden. So braucht das Modegeschäft ein Kassensystem, der Kunststoffhersteller eine Logistiklösung und die Beratungsagentur eine umfangreiche Kundendatenverwaltung. Dafür müssen die Bausteine sinnvoll ausgesucht, zusammengesetzt und miteinander verknüpft werden.

Wer versierte Mitarbeiter in seiner Technikabteilung hat, kann das hausintern verwirklichen. Alle anderen beauftragen externe Dienstleister mit der Umsetzung. Andreas Gebhard verdient damit sein Geld.

Für Angreifer nicht attraktiv
Steht die Kombination der gewünschten Produkte, sind die laufenden Kosten überschaubar. Wartungskosten entstehen zwar auch für Open Source. Allerdings hält sich der Aufwand für die Sicherheitsvorsorge in Grenzen. Das liegt zum einen daran, dass Sicherheitslücken mit ständigen Updates geflickt werden und sich das Einspielen dieser Aktualisierungen automatisieren lässt.

Zum anderen sind linuxbasierte Computer für Angreifer äußerst unattraktiv. Während offene Betriebssysteme fast alle Server steuern, lebt der Linux-PC in einer winzigen Marktnische. Cracker, also die bösen Hacker, schreiben ungern Viren und Trojaner, die sich nur bei einem Bruchteil der Empfänger öffnen lassen. Der Wirkungsgrad für Parasiten, die Schwachstellen in Windows und Powerpoint ausnutzen, ist wegen Microsofts enormer Verbreitung viel höher.

Außerdem ist jedes Windows-System größtenteils gleich aufgebaut. Eine Sicherheitslücke steht daher bei jedem Rechner offen. Währenddessen passen Linuxnutzer das System ihren Anforderungen an, womit kaum ein Rechner dem nächsten gleicht.

Andreas Gebhard ist sich sicher, dass das Geschäft mit offenen Lösungen weiter wachsen wird: «Gerade Existenzgründer haben mit Open Source die Möglichkeit, sich ohne Lizenzkosten eine sichere, flexible und professionelle Umgebung zu schaffen.»

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Webseite unseres Kooperationspartners B2BBB - Das Businessportal für Berlin & Brandenburg.