25 Jahre Handy: 

netzeitung.deOhne Grundgebühr, aber mit «Tetris-Mukke»

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Zu Unrecht vergessen: GSM 909 Dual (Foto: Bosch<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Zu Unrecht vergessen: GSM 909 Dual
Foto: Bosch
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Am 13. Juni 1983 präsentierte Motorola das erste Handy der Welt. Schwer, groß und teuer geriet es schnell in Vergessenheit. Im Gegensatz zu anderen Geräten, an die sich Mitarbeiter der Netzeitung gerne erinnern. Domenika Ahlrichs, Chefredakteurin Mein erstes Handy war gar nicht meines. 2002 war das, ich machte gerade ein Fernseh-Praktikum. «Ihre Handynummer?», fragte die Disponentin bei der Planung eines Drehs. «Ich hab gar keins.» - «Na dann können Sie nicht drehen.»

Domenika Ahlrichs, Chefredakteurin
Mein erstes Handy war gar nicht meines. 2002 war das, ich machte gerade ein Fernseh-Praktikum. «Ihre Handynummer?», fragte die Disponentin bei der Planung eines Drehs. «Ich hab gar keins.» - «Na dann können Sie nicht drehen.»

Schnell musste ich mir also ein Handy besorgen und war komplett überfordert. Zum Glück hatte ein Kumpel von mir gerade sein «Siemens irgendwas» mit kleiner Antenne und orangem Display aussortiert. Was aber nun? Wie telefoniert man damit? Wer richtet einem das ein?

Zum ersten Mal in meinem Leben ging ich in einen Telekom-Serviceladen. Ums kurz zu machen: Sie gaben mir eine Prepaid-Karte «erstmal, bis Sie dann einen richtigen Vertrag abschließen». Ich habe bis heute keinen Vertrag. Aber immerhin ein neues Handy: «Siemens A 70». Aus leichtem Plastik und ohne Foto-Funktion. So klaut es mir wenigstens keiner.

Daniel Kählert, Redakteur Wissenschaft/Gesundheit
Mein erstes Handy habe ich relativ zeitgleich zu Oliver Bierhoffs Golden Goal bekommen. Ich lebte in einem Studentenwohnheim ohne Telefonanschluss. Es war ein Motorola-Handy in zartem E-Plus-grün.

Das war damals etwas peinlich, weil die ganzen D-Netznutzer immer gleich über die mangelnde Abdeckung des als Billignetz verschrienen noch jungen E-Plus-Netzes lästerten, wenn sie das grüne Teil sahen. Cool war, dass sich der SMS-Service bei E-Plus noch in der Erprobung befand und somit kostenlos war. Ich habe damals mehr über SMS kommuniziert als telefoniert.

Standardzubehör war ein Ersatzakku, denn der Standardakku hielt nicht länger als zwölf Stunden.

Julia Wilczok, Redakteurin Entertainment
Am 5. Januar 2000, meinem 18. Geburtstag, hielt ich es endlich in Händen – mein erstes Handy! Schon nach dem Aufreißen der Geschenkbox wich die Euphorie bereits großer Enttäuschung.

Statt des Nokia 3210, damals das It-Handy schlechthin, hatten meine Eltern mir einen hässlichen Monsterapparat der Marke Sagem gekauft. Das Ding war sozusagen das Pendant zum stoß- und wasserfesten Kinderkassettenrekorder – nichts da mit form follows function, plump und formunschön war es.

Der einzige Pluspunkt: Es war leicht zu bedienen. Meine Freunde (alles 3210-Besitzer) überschütteten mich mit Spott und Hohn. Die größte Erniedrigung folgte, als es zum ersten Mal klingelte. «Uuuhu, Tetris-Mukke», lästerte mein Banknachbar im Kunst-LK.

Zwei Jahre später, zu Beginn des Studiums, kaufte ich mir vom angesparten Nebenjoblohn das lang ersehnte und um Welten coolere Siemens S35. Doch erneut tappte ich in die Frustfalle: Drei Tage nach Erwerb wurde mir das gute Stück beim Discobesuch in Wodka geschwängerter Nachlässigkeit geklaut. Wenn jetzt mal wieder der Vertrag verlängert werden muss, greife ich daher selbstbewusst zur Null-Euro-Variante – Coolness hin oder her.

Maik Söhler, Redakteur Internet
Einmal Siemens, immer Siemens. Das erste eigene Handy war eine Variante des C45, angeschafft so um das Jahr 2001 herum. Grau, ohne Schnickschnack, nur zum Telefonieren geeignet, ganz mieser Akku, das Display war nach einmal Hosentasche komplett zerkratzt.

Davor seit 1997 immer wieder mal wochen- oder monatsweise Leihgaben von Freunden oder Redaktionen: Riesige Dinger mit Stummelantenne, mussten - wenn sie keinen Bandscheibenvorfall auslösen sollten - in einer Gürteltasche getragen werden, waren schwerer als heute so manches Laptop.

Heute ist es ein Siemens CX75. Robust, mit Kamera (die die schlechtesten Bilder macht, die ich je gesehen habe), aber ohne mobilen Webzugang, noch mieserer Akku als beim ersten Gerät. Einmal Siemens, immer Siemens? Zum Glück hat das Unternehmen seine Handy-Sparte längst eingestellt.

Katja Naumann, Redaktionsassistentin
Meine erste Handyerfahrung habe ich 1995 in Helsinki gemacht. Damals studierte ich ein Jahr lang in St. Petersburg, wo es noch gar keine Handys gab, und war ein paar Tage in der finnischen Hauptstadt zu Besuch. Dort hatte bereits jeder ein Handy - selbst Kinder und Jugendliche. Das war für mich ein Kulturschock. In Deutschland hatten damals nur schrecklich «wichtige» Menschen oder große Angeber Mobiltelefone. Dass es auch bei uns mal so kommen könnte wie in den skandinavischen Ländern, war für mich unvorstellbar.

Mit meinem ersten Handy war ich 1999 wohl recht spät dran. Es war ein Bosch GSM 909 Dual mit einer kleinen Klappe über der Tastatur. Das Teil war für die damaligen Verhältnisse recht flach und überwiegend in Silber gehalten (die meisten waren schwarz), weshalb es von manchen als «Damenhandy» verspottet wurde. Ich war mächtig stolz darauf und habe es behandelt wie ein rohes Ei. Schön daran war auch, dass ich niemanden kannte, der das gleiche Gerät hatte, da alle mit den üblichen Siemens- oder Nokia-Handys rumliefen. Heute noch finde ich es sehr chic. Leider ist es nicht mehr funktionstüchtig.

Tilman Steffen, Redakteur Politik
Über Jahre war ich Handy-Gegner. Das lag nicht nur daran, dass die ersten Mobiltelefonierer handtaschengroße schwarze Plastikkoffer mit sich schleppten. Auch als handlichere Geräte auf den Markt kamen, war mir das Unterwegs-Gequassel suspekt, die ständige Erreichbarkeit eine nervende Vorstellung. Als aber Ende der neunziger Jahre klar wurde, dass ich als Journalist mein Geld verdienen würde, musste ein Handy her. Wie viele Berufskollegen band ich mich an den Anbieter, der damals allen Journalisten die Grundgebühr erließ.

Aus dem Päckchen entnahm ich mit Herzklopfen ein dunkelblau lackglänzendes Panasonic, kaum größer als ein Mars-Riegel. Glatt wie ein Schmeichelstein, die fingerhutgroße Antenne links oben, drei mal fünf ovale Tasten unter einem grün leuchtenden Display. Garantiert frei von jeglicher Kameratechnik oder von Musik, an Speicherkarten tüftelten damals noch nicht mal die Entwickler. Die Anzeige von der Größe einer Standardbriefmarke teilte in kantigen, an Commodore- oder Atari-Computer erinnernden Lettern mit, wen man gerade anrief, wer einen zu sprechen begehrte oder wie spät es ist.

Bis vor einem Jahr habe ich dieses Modell genutzt. Erst als selbst bei Ebay keine brauchbaren Ersatzakkus mehr zu beschaffen waren, gab ich auf. Übrigens: Das mit dem Journalistenrabatt hat aus Sicht des Mobilfunkunternehmens durchaus funktioniert: Ich zahle noch heute an dieselbe Firma.
Maike Schultz, Redaktionspraktikantin
Es muss so 1999 gewesen sein, als in meiner damaligen Schule plötzlich ganz viele mit Handys aufkreuzten, und ich dann auch eines wollte. Den Namen des genauen Modells weiß ich nicht mehr - das war damals auch egal, weil es kaum Auswahl gab. Es war jedenfalls ein Fernbedienungs-großes Nokia mit einer kurzen, dicken Antenne.

Heute kann ich mir ein Leben ohne Mobiltelefon gar nicht mehr vorstellen – wenn es weg ist, verliere ich fast mein komplettes Adressbuch, weil man analog ja kaum noch etwas aufschreibt. Auch die Kommunikation hat sich wesentlich verändert – immer und überall erreichbar zu sein, erzeugt eine Art Abhängigkeitsgefühl zum Gerät. Und die Kürze von SMS führt leicht zu Missverständnissen in Beziehungen.

Bettina Meier, Redaktionspraktikantin
Mein erstes Handy bekam ich von einem Freund Ende der neunziger Jahre. Das war ein unhandlich großer Siemens-Knochen. Irgendwann habe ich es an einer Bushaltestelle vergessen. Ich versuchte die Nummer zu wählen, um zu hören, ob es gefunden wurde. Jemand nahm ab, sagte aber nichts. Alles was ich hörte, war das Signal der S-Bahn. Da dachte ich, das war’s. Das Handy ist weg.

Ein paar Monate später bekam ich einen Anruf zu Hause von einem Schüler. Er erzählte mir, seine Oma hätte das Handy gefunden, es aber nicht bedienen können. Als der Akku alle war, ließ sie es liegen, bis sie an Weihnachten Besuch von ihrem Enkel bekam. Der hatte ein Ladegerät und suchte meine Nummer aus dem Handyadressbuch heraus. Kurze Zeit später brachte er es mir vorbei und ich hatte meinen «Knochen» wieder. Ich frage mich, ob das heute mit den schicken neuen Handys auch so passieren würde.