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Schneller Klick für Preisfüchse: 

Online-Shopping? «Liveshopping»!

09. Jun 2008 10:31
Jeden Tag was Neues: Startseite von Guut.de
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Oft gilt das Angebot nur 24 Stunden lang, ist begrenzt, aber besonders günstig. Und das bei den üblichen Kundenrechten wie Widerruf und Gewährleistung: Webportale und Shops setzen aufs sogenannte Liveshopping.

Schlaue Schnäppchenjäger machen ihre Beute online. Denn die Preise sind hier häufig viel niedriger als im Laden. Ein junger Trend könnte die Herzen vieler Preisfüchse jetzt noch höher schlagen lassen: «Liveshopping». Ein Artikel in begrenzter Stückzahl, nur einen Tag lang und das besonders billig - so lautet das Grundprinzip. Da heißt es schnell sein - blind zugreifen sollte man allerdings nicht.

«Das Angebot richtet sich vor allem an Impulskäufer. Mit Glück werden auch diejenigen fündig, die sich schon lange einen bestimmten Artikel zulegen wollen», sagt Mathias Jacobs, Betreiber des Infoportals Myliveshopping.de aus Stuttgart. Er verkauft nichts, sondern bietet einen Überblick über die laufenden Angebote der inzwischen fast unüberschaubar vielen kleinen Ein-Tages-Artikel-Shops.

Bei Myliveshopping waren zuletzt 25 Anbieter gelistet, mehr als 30 zählte die Seite Liveshopping-blog.de. Und fast im Wochenrhythmus kommen neue dazu - die aus den USA herübergeschwappte Idee boomt, ist sich Mathias Jacobs sicher.

Überraschungseffekt

Zu den bekannteren Liveshopping-Vertretern zählen Preisbock.de, Guut.de und Schutzgeld.de. Sie und die Mitbewerber spielen unter anderem mit dem Überraschungseffekt. «Das kommende Sortiment ist üblicherweise eine totale Wundertüte. Am nächsten Tag kann ein T-Shirt oder ein Notebook angepriesen werden», erklärt Jacobs. Seiner Beobachtung nach überwiegt allerdings Unterhaltungstechnik - MP3-Spieler etwa tauchen häufig auf. Einige Portale beginnen sich zu spezialisieren: Unter Abedi.de und Today-only.de gibt es nur Reisen, der Shop Damagi.de vertreibt ausschließlich Parfüm.

Nachteulen und Frühaufsteher sind bei der Schnäppchenjagd im Vorteil: In der Regel wechselt das Sortiment um Mitternacht, in Ausnahmefällen am Vormittag, erläutert Marktbeobachter Mathias Jacobs. Selten bieten Shops ihre Artikel länger als 24 Stunden an.

Weil das Prinzip bislang so gut funktioniert, springen auch herkömmliche Onlineshops wie der Computerversender Alternate auf den Zug auf: Die Anbieter integrieren zeitlich befristete und von der Stückzahl begrenzte Verkaufsaktionen ins reguläre Programm.

Rechte der Kunden

Den größten Reiz stellen die häufig sehr niedrigen Preise dar. Die Liveshopping-Anbieter können günstig kalkulieren, denn sie nehmen den Lieferanten viele Exemplare von einem Artikel ab und verzichten auf Werbung und Lagerhaltung. «Nicht in allen, aber in vielen Fällen unterbieten sie sogar das niedrigste gelistete Angebot in Preissuchmaschinen», sagt Jacobs. Die in Hannover erscheinende Zeitschrift «c't» rät dennoch, vor dem Kauf grundsätzlich Preise zu vergleichen.

Müssen angesichts des hohen Schnäppchenpotenzials an anderer Stelle Abstriche gemacht werden? «Kunden gehen bei Liveshopping-Anbietern kein Risiko ein. Sie haben die gleichen rechtlichen Ansprüche wie bei herkömmlichen Onlineshops», sagt Ronny Jahn, Jurist bei der Verbraucherzentrale Berlin. So können Kunden etwa - wie bei anderen Einkäufen im Internet auch - ihr Widerrufsrecht nutzen: Sie erhalten ihr Geld zurück, wenn sie die Ware innerhalb von 14 Tagen zurückschicken - ohne Gründe dafür nennen zu müssen.

Auch die zweijährige Gewährleistungspflicht entfällt trotz der Kurzfristangebote nicht, sagt Jahn. Das bedeutet: Ist die Ware mangelhaft, muss der Händler dafür sorgen, dass sie umgetauscht oder repariert wird. Haben die Anbieter keine Ersatzartikel mehr, müsse der Kunde auf sein Schnäppchen nicht verzichten: «Er kann sich die Ware woanders beschaffen und die Preisdifferenz erstatten lassen, sollte der Kauf dann teurer ausfallen.»

Seriöse Mafiosi

Klagen hat der Verbraucherschützer aber noch nicht vernommen. Und selbst der erste Eindruck vom Shop Schutzgeld.de, der sich selbst ein Mafiosi-Image verpasst, täusche. Für prinzipielle Zweifel an der Seriosität sieht Ronny Jahn keinen Grund.

Ein paar Liveshopping-Anbieter sind laut Mathias Jacobs zwar schon wieder vom Markt verschwunden. Dass Kunden wegen eines Konkurses um ihren Einkauf oder ihr Geld geprellt wurden, sei aber noch nicht bekanntgeworden. Erfahrungsberichte und Tipps können Schnäppchenjäger im Forum von Jacobs' Webseite hinterlassen. Dank der Community bleibt auch über Liveshopping im Netz selten etwas geheim.

Gimahhot

Eine neben dem Liveshopping weitere ungewöhnliche Art, im Netz einzukaufen, ermöglicht das Portal Gimahhot. Es funktioniert wie eine Börse: Händler und Kaufinteressenten schlagen für ein Produkt jeweils ihre Wunschpreise vor. Wenn die Vorstellungen übereinstimmen, kommt das Geschäft zustande. Diagramme zeigen die Preisentwicklung an. Verschickt wird nur fabrikneue Ware, die Versandkosten sind im Preis enthalten. (Berti Kolbow/dpa)

 
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