04.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Söldner unter Drogen: Szene aus 'Haze'
Foto: Ubisoft
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das neue Konsolen-Game «Haze» will mehr sein als nur ein weiterer Shooter im Meer der Ballerspiele. Deshalb wartet es mit einer Geschichte auf, die Maik Söhler aber nicht überzeugt.
Ach. Herrje. Puh. Ein Ballerspiel mit Anspruch. Ein Shooter mit Story. Kriegs- und Ideologiekritik am Controller. Das ist «Haze». Nein, das will es sein. Ist es aber nicht. Funktioniert nicht. Ist aber auch nicht weiter schlimm.
Wer ist nur auf die Idee gekommen, das bewährte Actionspiel-Konzept «Handlung, Handlung, Handlung und ein kleines bisschen Story» über den Haufen zu werfen? Es geht doch auch niemand her und versucht den nachmittäglichen Fernseh-Soaps und -Gerichtsformaten Philosophie einzuhauchen. Man platziert doch auch keine Lyrik-Lesung auf einer Mallorca-Saufparty.
Nun gut, es ist wie es ist und «Haze» hat eben einen kritischen Erzählstrang beigegeben bekommen. Aber was heißt Strang? Er ist ja in einem Satz erzählt: Als Science Fiction-Söldner des privaten Kriegsunternehmens «Mantel» bemerkt der Spieler irgendwann, dass er auf der falschen Seite kämpft. Hm. Äh. Ja. Muss nun die Weltgeschichte neu interpretiert werden? Werden nun alle Soldaten der Welt ihre Gewehre wegwerfen? Was soll man da noch sagen?
Das Blackwater-SzenarioVielleicht, dass es besser gewesen wäre auf die gesamte Story zu verzichten. Oder dass man bessere Alleinstellungsmerkmale finden kann, um sich aus dem Meer der Shooter abzuheben. Die Sache mit dem «Nektar», einer bewusstseinserweiternden Droge, mit der die «Mantel»-Soldaten permanent gedopt werden, hätte sich ausbauen lassen.
Ebenso das Science Fiction-Szenario, in dem sich im Jahr 2048 private Armeen für alle Kriege der Welt mieten lassen. Auch die selbstgefällige, vollstänig auf Inhumanität zielende Vollproll-Elite-Mischung der Söldner würde sich besser machen, wäre sie stärker in den Vordergrund gerückt.
In Verbindung mit dem Sci-Fi-Potenzial und angesichts wiederkehrender Meldungen über Bestialitäten der Angestellten privater US-Sicherheitsfirmen aus dem Irak, ließe sich vielleicht sogar der eine oder andere kritische Spieler erreichen, den die Macher von «Haze» während der Produktion so offensichtlich vor Augen hatten.
Einfach nur ballernWas lässt sich sonst noch sagen? Auf jeden Fall, dass das Spiel gar nicht schlecht ist, wenn man sich die Story wegdenkt und einfach nur ballert. Mit oder ohne «Nektar». Mit oder gegen «Mantel». Und dabei im aufgemotzten Geländebuggy durch die Gegend brettert. Aber gut, das liefern nun wirklich zwei von drei Shootern, die in den letzten fünf Jahren auf den Markt gekommen sind, und so mancher davon sogar in besserer Grafik und mit mehr Abwechslung.
Ja und? Die Szene braucht ständig neuen Stoff. Und die zahlreichen Online-Optionen, zusammen mit anderen Spielern oder gegen sie anzutreten, bieten einiges an Variantenreichtum. Aber das war den Herstellern offensichtlich zu einfach. Oder zu dumm.
Dumm schießt gutComputerspiele sind - von einigen Ausnahmen mal abgesehen - nicht dumm, auch Shooter nicht. Dasselbe gilt für Computerspieler. Wer intellektuell gefordert sein will oder wer meint, heute noch nicht gesellschaftskritisch genug gewesen zu sein, der legt in der Regel keinen Shooter in die Konsole ein.
Dort will er sich im Gegenteil von den Anstrengungen erholen, die intellektuelle Anforderungen und kritisches Denken in einem Alltag voller Dummheit nunmal mit sich bringen. Schade, dass sich «Haze» in diesem Sinne nicht uneingeschränkt zur schlichten, oder anders gesagt, dummen Unterhaltung eignet.
Haze - Ubisoft, Juni 2008, knapp 70 Euro - wurde von uns auf der Playstation 3 gespielt.