Tagesthema Euro 2008: 

netzeitung.deDas Runde kommt nicht ins Eckige

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Geht doch: Handy-TV (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Geht doch: Handy-TV
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Theoretisch ist alles ganz einfach: Die Fußball-EM 2008 könnte man auch unterwegs auf dem Mobiltelefon sehen. Doch in der Praxis wird aus dem Handy-TV mal wieder nichts. Jürgen Liebherr erklärt, warum.

Vor zwei Jahren missglückte der erste Anlauf, das Handy-TV zu etablieren. Trotz vollmundiger Versprechen konnten 2006 gerade mal ein paar Testseher die Fußball-Weltmeisterschaft auf dem mobilen Display verfolgen. Das war peinlich, doch hinterher versprachen alle, dass diese Schlappe spätestens zur EM 2008 vergessen sei.

Jetzt aber scheint auch der zweite Versuch grandios zu scheitern. Obwohl seit Anfang des Jahres alle Weichen in die richtige Richtung gestellt wurden, hat es das zuständige Konsortium «Mobile 3.0» nicht geschafft, einen echten Sendebetrieb für Millionen oder zumindest zigtausende Fußballfans zu organisieren.

Zwar heißt es in einem Statement des Handy-TV-Vermarkters, man werde «planmäßig den Sendebetrieb via DVB-H pünktlich zur EM 2008 im Juni in einzelnen Städten starten.» Weiter verkündet die Erklärung von Mobile 3.0, dass «nach derzeitigem Stand im Juni 2008 die Ausstrahlung von neun TV- und drei Radiosendern in mindestens vier deutschen Städten über DVB-H realisiert werden konnte. Nach aktuellen Planungen handelt es sich dabei um Hamburg, München, Hannover und Frankfurt.»

Kleiner Haken
Doch leider gibt es einen kleinen Haken bei dieser auf den ersten Blick recht verheißungsvollen Meldung. Der normale Konsument wird bis zum EM-Start am 7. Juni nämlich kein DVB-H-fähiges Mobilfunkgerät im Angebot der großen Handy-Provider finden! Denn bisher konnte noch kein Vertrag zwischen Mobile 3.0 und den großen Mobilfunkbetreibern Vodafone, O2, T-Mobile sowie E-Plus geschlossen werden.

Die Gründe: Zum einen geht es noch um die genaue Regelung der Weiter-Vermarktung/-Lizenzierung (Insider sprechen von Monatspauschalen zwischen 4,99 und zehn Euro für den Endkunden). Zum anderen sind grundlegende unabdingbare Vorlizenzierungen mit den föderalistisch aufgeteilten Landesmedienanstalten noch immer nicht ganz abgeschlossen.

Die oben zitierte Meldung drückt das so aus: «Die kommerzielle Vermarktung eines Dienstes für Mobile-TV auf Basis von DVB-H zur EM 2008 ist auf Grund des noch nicht abgeschlossenen Lizenzierungverfahrens jedoch nicht möglich.» Auf gut deutsch heißt das: Die Antennen funken womöglich die EM-Spiele, aber keiner kann sie empfangen bzw. sehen.

Frust bei Vodafone
Die Frustration über das viel gepriesene Handy-TV macht sich langsam auch bei den sogenannten Entscheidern, etwa dem Vodafone Deutschland-Chef Friedrich Joussen breit. Er hält laut «Financial Times Deutschland» das Handy-TV für gescheitert. Weiter sagte der Chef des umsatzstärksten deutschen Mobilfunkanbieters: «Ich werde auch kein Bezahl-TV auf dem Handy unterstützen, solange die Gefahr besteht, dass Kunden dann weniger Geld für andere Dienste ausgeben».

Dazu muss man wissen: Die Mobilfunkkonzerne haben seit jeher für ein werbefinanziertes Handy-TV – ohne Zusatzgebühren - plädiert. Der Plattformbetreiber Mobile 3.0 besteht dagegen auf einer Gebührenregelung.

Immerhin einen Trost gibt es dieser Tage für Fußballfans. Der koreanische Hersteller LG hat seit kurzem das Model «HB620T» auf den deutschen Markt gebracht. Das Klapphandy ist das erste Mobiltelefon mit einem eingebauten Mini-DVB-T-Empfänger. So lassen sich auf dem zwei Zoll großen Querformat-Display theoretisch - ähnlich wie vom heimischen Fernsehen bekannt – alle EM-Spiele in digitaler Qualität verfolgen. Zumindest solange der Akku hält.