25.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Alles ist möglich: Szene aus 'Spore'
Foto: EA
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Neuro-Headsets, Evolution zum Selbermachen, Integration in die Arbeitswelt: Ein kleiner Film, der am Sonntagnachmittag auf 3sat läuft, weist weit über die Gegenwart der Computer- und Videospiele hinaus.
Man beamt sich einfach direkt ins Spiel - mit der Playstation 9 lösen sich die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt endgültig auf; der Controller wird überflüssig, wenn Sprachanweisungen das Gezappel an der Handsteuerung überflüssig machen, nur wenig später aber muss die Sprach- schon der Gedankensteuerung weichen; indes haben wir uns Monster herangezüchtet, die die Welt von Grund auf verändern.
Es ist eine Grauzone zwischen Gegenwart und Zukunft, in die sich Filmautorin Valentina Hirsch mit ihrem knapp 30minütigen Dokumentarfilm «Games 2.0, der nächste Level» begibt, der am Sonntagnachmittag um 16.30 Uhr auf 3sat im Rahmen der «Neues»-Reihe zu sehen sein wird. Wer am Sonntag keine Zeit hat, kann den Film schon jetzt oder später in der 3sat-Mediathek ansehen.
Gegenwart oder Zukunft?Eindeutig in der Gegenwart steht das Evolutionsspiel «Spore», das im September 2008 auf den Markt kommt. Darin wird der Spieler zum Schöpfer und entwickelt aus einem Einzeller ein biologisch weit fortgeschrittenes Lebewesen. Wer will, tauscht seine Kreationen anschließend online mit anderen Spielern, greift noch einmal korrigierend ein oder lässt der Natur ihren Lauf.
Auch die Sprach- und Gedankensteuerung virtueller Figuren ist schon heute in Teilen möglich, wie zahlreiche Hersteller neuronaler Headsets und Wissenschaftler der Uni Graz im Film betonen. Nur die richtigen Spiele haben sie dafür noch nicht gefunden.
In der Zukunft aber liegen vielleicht all jene Visionen, die die heute gesellschaftlich noch recht isoliert wirkende Welt der digitalen Spiele mit anderen Bereichen von Kultur und Gesellschaft verknüpfen. Davon, dass die Spiele- die Filmindustrie bei der Herstellung der großen Träume ablösen wird, hat man schon öfter gehört. Der Soziologe und Zukunftsforscher Matthias Horx behauptet nun im Interview, es werde nicht mehr lange dauern, bis die Sphären von Arbeit und Spiel miteinander verschmelzen.
Konsolen-KunstwerkeNoch schneller dürfte die Anerkennung von Video- und Computerspielen durch Kulturinstitutionen zu erreichen sein. Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, sieht schon jetzt in manchen Spielen das, was die Hochkultur bisher meist für Bücher, Filme und Musik bereit hielt: «In einigen Fällen kann die Gestaltungsqualität sogar so hoch sein, dass es sich um ein Kunstwerk handelt.»
Aber auch ohne diese Kultur-Adelung dürfte es den digitalen Spielen in nächster Zeit nicht schlecht ergehen. Die Verkaufszahlen sind bestens, das Publikum verlangt mehr. Schon schwärmen die Konsolen- und Spielehersteller aus, die digitale Welt aufs herkömmliche Brettspiel auszudehnen. Und zum Glück hat Matthias Horx bisher nicht immer Recht behalten.
«Games 2.0, der nächste Level», 3sat, Sonntag, 16.30 Uhr