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Sicherheitsbehörden im Internet: 

Mal Polizei 2.0, mal Wache 0.5

22. Mai 2008 15:12
Greater Manchester Police auf Facebook
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Die Möglichkeiten des Web 2.0 haben sich in aller Welt herumgesprochen. Da mag vielerorts auch die Polizei nicht zurückstehen. Doch nicht überall zeigt sie sich auf der Höhe der Zeit.

Oft als Bürohengste und Aktenstapler verlacht, haben viele Polizisten in aller Welt mit diesem Klischee in der Realität längst nichts mehr zu tun. Auch sie gehen mit der Zeit, was im Zeitalter fortschreitender Informationstechnologien insbesondere einen fast selbstverständlichen Umgang mit den Funktionen und Inhalten des Web 2.0 bedeuten müsste.

Schon häufiger ging durch die Presse, dass Internetforen in Wort, Bild und Video von Behörden gelegentlich gründlich ausgewertet werden. Der Raser, der mit Tempo 270 durch den 130 Km/h-Abschnitt der Autobahn brettert, dabei die Kamera draufhält und das Video anschließend stolz auf Youtube einstellt, wird - sofern er der Radarkontrolle entgeht - dann eben im Netz gestellt. Auch Gewaltdelikte wurden schon aufgeklärt, weil Jugendliche ihre mit der Handykamera aufgezeichneten Prügelvideos übers Netz verbreiten wollten.

Internetwache Brandenburg

Jenseits solcher spektakulären Fälle sieht es um die Arbeit der Polizei im und mit dem Netz durchwachsen aus. Längst nicht alle Polizeidienststellen sind online so gut aufgestellt wie etwa die Internetwache Brandenburg. Neben den üblichen Ankündigungen in eigener Sache («feierliche Vereidigung des Einstellungsjahrgangs 2007») und Warnungen an die Bürger («Sicherheit von Wohnung und Haus während des Urlaubs») findet sich hier auch ein praktischer Online-Service.

Direkt auf der Startseite kann man «Anzeige erstatten, Wirtschaftskriminalität/ Korruption melden, einen Hinweis geben, eine Versammlung anmelden» oder sich einfach nur «bedanken/beschweren, Kontakt mit der Polizei aufnehmen» bzw. sich «bewerben». Hinzu kommen zahlreiche Links, Informationen, eine Online-Kinderwache, ein RSS-Feed und eine kleine Mediathek mit Nachrichten und Videos.

Greater Manchester Police

Im englischen Manchester ist man da schon ein paar Schritte weiter. Die «Greater Manchester Police», die nicht nur für den Innenstadtbereich, sondern auch für die Einzugsgebiete zuständig ist, hat mittlerweile einen eigenen Facebook-Account und unterhält einen Youtube-Channel.

Auf dem Videoportal zeigt die Polizei zum Beispiel Filmchen von Fanausschreitungen nach dem Uefa-Cup Finale, das in diesem Jahr in Manchester ausgetragen wurde. Außerdem sind dort Clip-Kurzporträts Ermordeter zu sehen, in denen die Bevölkerung um Mithilfe bei der Aufklärung gebeten wird.

Im sozialen Netzwerk Facebook wiederum belässt es die Polizeibehörde nicht bei einem einfachen Account. Sie stellt auch ein Widget zur Verfügung, mit der sich andere User Angebote der Greater Manchester Police in ihr Profil holen können. Wer will, bekommt auf diese Weise automatisch aktuelle Polizei-Informationen und Fahndungsaufrufe per Nachrichten-Feed. Oder einen kleinen Link, um einfach und anonym Hinweise zu geben. Über den Button «Sharing» können diese Funktionen auch an alle Freunde innerhalb des Netzwerkes weitergegeben werden.

Beinahe offline

Wenn man sieht, wie wenige der Facebook-Mitglieder Gebrauch von diesem Angebot machen (125 sogenannter Fans, 42 Widget-Nutzer) oder wenn man von der Anzahl der Kommentare (Drei) im Youtube-Channel auf die Videoabrufe schließt, kann man solche Online-Offensiven mit guten Gründen in Frage stellen.

Wer aber von dort auf die Webpräsenz eines beliebigen Polizeibezirks in Deutschland zurückkehrt, wird schnell den Unterschied zwischen Web 2.0 und Web 0.5 bemerken. In Berlin etwa ist die Polizei zwar im Internet präsent, seine vielen Möglichkeiten aber bleiben weitgehend ungenutzt. Weder Multimedia noch Mitmachnetz scheinen den Betreibern ein Begriff zu sein.

Einzig ein paar Links und Stadtpläne führen von der Seite ins Web, unter anderem zu einer «Internetwache», die es nunmal auch in Berlin gibt. Dort angelangt, stößt man schnell auf einen komplizierten, alphabetisch strukturierten Aufbau hinter der Startseite. Auf ihr selbst aber kann man lediglich «... eine Strafanzeige erstatten; ... eine Versammlung / einen Aufzug anmelden; ... einen Hinweis geben oder eine Frage stellen; ... sich beschweren oder bedanken; ... den Redakteur oder Webmaster kontaktieren» und «... eine Eingangsbestätigung erhalten». Das ist so gut wie nichts oder anders gesagt offline plus X.

Polizei 2.0

Dass auch solche Seiten nur einen kleinen Ausschnitt der Online-Arbeit der Polizei widerspiegeln, ist spätestens seit dem Vortrag «Polizei 2.0» des nordrhein-westfälischen Polizeibeamten Guido Karl auf der Bloggerkonferenz «Re:publica» im April in Berlin bekannt.

Gut gelaunt referierte der Mitarbeiter des nordrhein-westfälischen Innenministeriums über Presse- und Fahndungsportale der deutschen Polizei, internationale Fahndungssysteme und Datenaustausch - und die vielen Kollegen, die Web 2.0 für «so etwas wie Open Source» und RSS-Feeds für bessere Bildschirmschonschoner hielten.

Karl führt ein eigenes Weblog. Wer sich hier mal umschaut, wird vieles finden, was die Polizei und das Internet verbindet oder demnächst verbinden könnte. Seine Artikel sind gut geschrieben und die Themenauswahl ist vielfältig. Nur scheint es, dass er nicht viele Besucher hat - Kommentare auf seinem Blog bleiben Mangelware. Dabei könnte so mancher Polizist in diesem Blog sehr viel über die Zukunft seines Berufes lernen.

 
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