Kind in den Selbstmord getrieben: 

netzeitung.deMyspace-Mobberin drohen 20 Jahre Haft

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Nicht nur ein Platz für Freunde: Myspace (Foto: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nicht nur ein Platz für Freunde: Myspace
Foto: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Attacken auf Myspace trieben im Jahr 2006 ein Mädchen in den Selbstmord. Nun steht eine US-Amerikanerin deswegen vor Gericht. Der Fall könnte Geschichte schreiben - mit einer Klage, die sich auf Hacker-Paragrafen stützt.

Nach dem Selbstmord eines Teenagers hat ein US-Gericht Anklage gegen eine 49-jährige Mutter erhoben. Die 13-jährige Megan Meier aus dem US-Bundesstaat Missouri war vor zwei Jahren von einem angeblichen Myspace-Freund, den die Angeklagte erfunden hatte, so gemobbt worden, dass sie Selbstmord verübte. Wie die Staatsanwaltschaft von Los Angeles am vergangenen Donnerstag mitteilte, drohen der Beschuldigten Lori Drew nun bis zu 20 Jahre Haft.

Sie hatte unter dem Namen «Josh Evans» ein Profil im Community-Portal Myspace eingerichtet und sich als 16-jähriger Verehrer Megans ausgegeben. Der fiktive Junge diente einem perfiden Plan: Weil die Freundschaft von Megan und Drews Tochter zerbrochen war, sannen sie und ihre Mutter auf Rache. «Josh» flirtete erst mit dem Mädchen und brach dann den Kontakt mit einer letzten Nachricht ab: «Ohne dich wäre die Welt besser dran». Mit schlimmen Folgen: Megan erhängte sich im Oktober 2006 in ihrem Zimmer.
Anklage wegen Verschwörung
«Diese Frau nutzte Myspace, um eine Minderjährige psychisch zu quälen, zu verletzen und zu beschämen», sagte Staatsanwalt Thomas P. O'Brien nach Angaben des News-Portals «Heise.de» auf einer Pressekonferenz in Los Angeles. Jeder Erwachsene müsse wissen, dass es schwere Folgen haben könne, wenn er jemanden im Internet demütige, «ganz besonders ein junges Mädchen».

Nachdem eine Anklage in Missouri wegen fehlender Rechtsgrundlagen nicht möglich gewesen sei, habe seine Behörde gemeinsam mit dem FBI eigene Untersuchungen eingeleitet. In Los Angeles könne Drew vor Gericht gestellt werden, weil Myspace hier seinen Hauptsitz habe. Dabei wendet O'Brien Paragrafen an, die bisher nur in Hacker-Prozessen zum Tragen kamen: So wird Drew wegen Verschwörung und dem widerrechtlichen Zugriff auf geschützte Computersysteme angeklagt. Sie selbst bestreitet die Vorwürfe.

Experten sehen kaum Chancen auf Verurteilung
Die Zeitung «LA Times» zitierte die Rechtsprofessorin Rebecca Lonergan von der University of Southern California (USC), die den Erfolg des Urteils anzweifelte. «Es handelt sich hier zwar um eine löbliche, aber auch extrem offensiv ausgelegte Strafverfolgungsmaßnahme», sagte sie. «Und ich weiß nicht, ob die Gerichte den Ausführungen der Anklage folgen werden.» Der Klageschrift mangele es außerdem an Eindeutigkeit, wer denn nun das Opfer sei – Myspace oder Megan Meier.

Der Selbstmord des Mädchens hatte 2006 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Zudem wurden Forderungen an die Betreiber von Kontaktbörsen wie Myspace laut, gegen Mobbing in ihren Chat-Rooms vorzugehen. Das Unternehmen teilte mit, «solchen Cyberterror nicht zu tolerieren» und mit den Juristen zu kooperieren.

Sucht man Megan Meiers Profil bei Myspace, landet man auf einer Gedenkseite. Eine 15-jährige Freundin der Verstorbenen hat sie eingerichtet. «Wir freuen uns, dass Lori Drew angeklagt wurde», heißt es darauf. Das Profil ist privat, nur wer hier als «Freund» akzeptiert wurde, kann es vollständig ansehen. Bei Youtube haben Jugendliche unter Titeln wie «Megan: Where is your justice?» eigene Videos über den Fall zusammengestellt.
«Kein Ort für 13-Jährige»
Auch in Diskussionsforen von Nachrichten-Websites gibt es ausführliche Reaktionen zum Fall: «Warum nur halten wir es für nötig, diese sozialen Netzwerke zu nutzen?», fragt ein Mike aus Großbritannien bei «Sky News». «Was ist nur aus dem persönlichen Gespräch geworden. Alle jungen Menschen halten diese Seiten für Must-Haves, dabei sind sie nur Zeitverschwendung».

Cass aus Illinois kommentiert: «Myspace ist kein Ort für eine 13-Jährige. Genauso wie ich im echten Leben darauf achte, würde ich mein Kind auch online nie mit Fremden reden lassen». Die Gefahr ist auch hierzulande real, und das über die Pubertät hinaus: In Nürnberg war 2004 eine 21-Jährige von einem Mann ermordet worden, den sie auf einer Flirt-Seite im Netz kennengelernt hatte. Der scheinbar einfühlsame Gesprächspartner entpuppte sich als vorbestrafter Vergewaltiger und erstach die Frau beim zweiten Treffen.


Für das Web ediert von Maike Schultz