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Computer- und Videospiele: 

Barbarengewalt statt Elfencharme

14. Mai 2008 15:04
Zartheit ist anderswo: Szene aus 'Age of Conan'
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Bald startet das neue Onlinespiel «Age of Conan», das auf einer bekannten Fantasy-Saga basiert. Aber mit den üblichen Fantasie-Welten hat das Spiel ungefähr so viel zu tun wie Frieden mit einem Maschinengewehr.

Die Welt der Online-Rollenspiele hat mehr zu bieten als «World of Warcraft». Das ist hinlänglich bekannt, hat aber nichts daran geändert, dass sich die Konkurrenz des millionenfach verkauften Welterfolgs bislang mit mehr oder minder kleinen Nischen des Markts abfinden musste.

Nun aber könnte nach vielen Jahren wieder Bewegung in die Sache kommen. Denn gerade den Spielern, die langsam keine Lust mehr auf Elfen und Zwerge im Cartoon-Look haben, will Eidos mit «Age of Conan - Hyborian Adventures» eine Alternative bieten. Angesiedelt ist sie fern von Niedlichkeit und Knuddelcharme - «Conan» gilt als erstes Online-Rollenspiel für Erwachsene.

Conan der Barbar? Genau: Dahinter verbirgt sich die Geschichte, die 1982 mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle in Hollywood verfilmt wurde. Die Basis der Fantasiewelt ist aber noch weit älter: Das Grundgerüst bilden Kurzgeschichten, die der Autor Robert E. Howard in den dreißiger Jahren geschrieben hat. Er hatte für seine Werke eine raue und brutale Welt erdacht, in der Entspannung und Frieden die Ausnahme sind.

Anders als die meisten Fantasy-Autoren hat Howard sein Reich zudem aus Versatzstücken der realen Geschichte zusammengesetzt: eine Mixtur aus Fernöstlichem, einer Prise Rom und viel barbarischer Wildheit. Der Bezug zur Realität wird in der Hyboria genannten Landmasse auch durch Ländernamen wie Iranistan oder Afghulistan deutlich.

«Echtes Kampfsystem»

Mit «Age of Conan» baut der Entwickler Funcom aus Oslo auf der von Howard geschaffenen düsteren Atmosphäre auf. Im Klartext: Das Spiel soll wild, barbarisch, brutal und auch blutig sein. Berechtigterweise hat das zur Folge, dass es in Deutschland eine Freigabe erst für Volljährige erhalten hat.

«Auf den ersten Blick handelt es sich um ein klassisches Online-Rollenspiel», sagt Daniel Matschijewski von der in München erscheinenden Zeitschrift «Gamestar»: Es geht darum, einen Charakter zu erschaffen, ihn über Wochen und Monate durch die Welt zu schicken, Aufträge erledigen und vor allem Erfahrung sammeln zu lassen, damit er stärker wird. Auf übliche Fantasy-Rassen wie Elfen, Gnome oder Zwerge verzichtet «Age of Conan», es gibt nur Menschen verschiedener Völker.

Anders als bei bekannten Titeln soll das Kampfsystem ausfallen - also die Art und Weise, wie der eigene Charakter sich gegen wildes Getier und andere Gegner zur Wehr setzt. Der deutsche Publisher Eidos aus Hamburg bezeichnet es kurz und knapp als «echtes Kampfsystem». Werden normalerweise einfach ein paar Knöpfchen gedrückt, um fiese Zauber auf den Gegner zu jagen, kommt hier eigenes Geschick hinzu.

Entschärfte Fassung

«Es handelt sich um ein dynamisches Kampfsystem, bei dem der Spieler auch darauf zu achten hat, von welcher Seite er angreift», so Matschijewski. Und weil das alles für Erwachsene gedacht ist, wird recht schonungslos virtuelles Blut vergossen. Allerdings erscheint in Deutschland eine leicht entschärfte Version. Das bedeutet, dass nicht auch noch abgetrennte Körperteile durch die Gegend fliegen.

In Internet-Foren und auf Fanseiten sehen viele Spieler «Age of Conan» trotz der Altersbeschränkung und der Brutalität als erste ernstzunehmende Alternative zu den bekannten Online-Welten an. Dabei zehrt Conans Welt derzeit vor allem noch von allerlei Vorschusslorbeeren. Denn Veröffentlichungstermin ist erst der 23. Mai - daher wird das meiste Wissen über das Spiel aus den Ankündigungen der Entwickler gezogen.

In der Beta-Version

Seit Anfang Mai läuft zudem der sogenannte Beta-Test, bei dem die Entwickler mit ausgewählten Spielern überprüfen, ob wirklich alles funktioniert. Hier zeigte sich früh die aktuelle Popularität von «Age of Conan»: «Wir hatten bereits im März 500.000 Anmeldungen zur Teilnahme an der Beta», sagt Eidos-Sprecher Sven Liebold.

Auch die Tester der Fachzeitschriften nehmen daran teil - und dämpfen vorerst noch allzu hohe Erwartungen: «Ich bin noch etwas skeptisch, ob bis zum Veröffentlichungstermin wirklich alles fertig ist», sagt Daniel Matschijewski. «Es wirkt zwar insgesamt schon rund, in einigen Bereichen aber eben noch unfertig.» Das beziehe sich auf Performance-Einbrüche im Spiel oder auch auf Abstürze.

Solche Macken gelten aber als bekannte Übel neuer Onlinespiele, die auch nach der Veröffentlichung ständig weiterentwickelt werden. Wer zweifelt, ob Hyboria wirklich ein Anlass zum Abwandern aus den bekannten Rollenspiel-Welten ist, sollte vielleicht die Testberichte abwarten, die bald nach der Veröffentlichung im Internet und später auch in den Fachzeitschriften zu finden sein werden. (Heiko Haupt/dpa)

 
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