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Computer- und Videospiele: 

«Oh Gott» – Wie sieht die denn aus?

09. Mai 14:19
Sehr unvorteihaft: Stella in der Garderobe
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Es bleibt uns nichts erspart: «Germany's next Topmodel» gibt es jetzt als «Deluxe»-Computerspiel. Zum Glück kann man dabei aber auch alles falsch machen, finden Kerstin Rottmann und Maik Söhler.

Die kürzlich erschienene Deluxe-Version des PC-Spiels «Germany's next Topmodel» hat das Zeug zum sinnlosesten digitalen Spiel der letzten Jahre. Holprige Dialoge, kantige 3D-Grafiken und recht beschränkte Aktionsmöglichkeiten lassen einem schon nach einer halben Stunde jegliche Lust zum Weiterspielen vergehen.

Da ist Stella, unsere Spielfigur. Laut Spielbeschreibung ein «junges, kreatives und pfiffiges 17 Jahre altes Mädchen, das der Modewelt leidenschaftlich verfallen ist». Hmm, aber warum kommt sie in unserem Spiel gleich an ihrem ersten Tag an der Modeakademie zu spät? Gut, wie regelmäßige Zuschauer der TV-Sendung wissen, ist das auch einer Kandidatin in der gleichnamigen Prosieben-Show passiert. So unbeholfen wie unsere Stella stakste die echte Gisele dann aber nicht im Gelände oder auf dem Laufsteg herum. Irgendwie ist da der Wurm drin.

Denn auch alle Fotos von Stella missraten und in der Garderobe weiß sie auch nicht viel mit sich anzufangen. Das liegt aber nur zum Teil an der Game-Software, denn längst sind wir dazu übergegangen, «Germany's next Topmodel» auf die einzig mögliche Art zu spielen, die einen selbst nicht, andere dafür umso mehr ärgert: destruktiv.

Grundsätzlich kann man beim «Topmodel»-PC-Spiel zwischen vorgegebenen Aufgaben und dem sogenannten Freien Spiel wählen. Wir fangen vorne an und lassen Stella im «Abenteuerspiel« solange im Flur herumtaumeln, bis sie ihren ersten Termin bei der Leiterin der Modeakademie auch wirklich verpasst hat. Die Beschränkungen in diesem Spielmodus (Wie kommen wir bloß durch die nervige Glastür? Warum spricht einfach niemand mit uns? Und wer denkt sich Figuren mit Namen wie «Angelo Montana», den Foto-Lehrer in knallengenen Jeans und mit Holzfällerhemd, aus?) nerven uns aber bald so sehr, dass wir schnell ins Freie Spiel wechseln.

Freies Spiel ist angesagt

Stella beim Fotoshooting
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Nun gilt es all das zu tun, was modebewusste Teenager angeblich auch gerne mal am Bildschirm machen würden: Der zur leblosen Mannequin-Figur mutierten Stella Stoffe und Kleider auswählen, sie schminken und stylen, und das so veränderte Pixel-Püppchen ins Foto-Shooting und auf den Laufsteg schicken.

Sonderlich stylish wirkt das hier aber leider alles nicht - die Muster sind eine Zumutung für die Augen, die angeboteten Styling-Varianten (ver)führen zu kruden Kombinationen und die Frisuren sind vom Programmierer so grob zusammengestückelt, dass Heidi Klums echte Haar-Stylistin wohl einen Nervenzusammenbruch bekommen würde. Egal, wir wollen Stella ja schließlich so sehr verunstalten wie nur möglich.

Ein paar Klicks später sind wir am Ziel: Ihr Hängerkleidchen erinnert vom Muster her an die Einkaufstüten eines großen Berliner Luxuskaufhauses, die weißen Kniestrümpfe in den trashigen Tigerriemchenschuhen ziehen wir Stella zur Strafe bis an den Po. Dazu kriegt unser künftiges Topmodel noch eine pinke Sonnenbrille mit Herzchen-Gäsern (wer denkt sich sowas aus?) auf die Nase und eine kugelrunde Handtasche, ebenfalls in quietschrosa ins Händchen gedrückt - und fertig ist das Fashion-Desaster.

Rein ins Öhrchen...

Nun geht's ans Feintuning. Make-Up-Button angeklickt und los geht's. Komisch, die Haut bleibt trotz üppigst eingesetztem Puderquast seltsam fleckig, ebenso die Augenpartie, bei der uns, hoppla, doch ein wenig der Pinsel verrutscht. Alles schwarz - hat unsere Stella etwa schon Augenringe von den vielen Model-Partys? Jetzt ist uns alles egal. Der knallrote Lippenstift landet als Body-Art quer über der Wange, während wir gleichzeitig versuchen, Stella per Wattestäbchen die Ohren sauberzumachen. Klappt nicht - haben wir was falsch gemacht?

Wir wechseln lieber in der Befehlsleiste und versuchen uns an der Frisur. Gut gefällt uns eine Art Irokesenschnitt - vorne kurz und platt, hinten borstig und hoch. Noch schöner sieht das alles aus, wenn man die mitgelieferte Farbpalette einmal durchdekliniert. Wir schwanken lange zwischen grau-silber meliert, Manga-Schockblau oder aber braun-schwarz gefärbten Blockstreifen wie vom Billigfriseur. Bingo, letzteres wird genommen. Geiz ist schließlich geil. Um den seltsam greisenhaften Girlielook vollständig zu machen, binden wir der armen Stella die Haare noch per Mausklick zu albernen Pipi-Langstrumpf-Zöpfen hoch.

Hoppala, wo läuft sie denn?

So, genug der Vorbereitung! Jetzt bitte aber an die Arbeit und endlich «Jobs machen» und Kunden anwerben, wie Quäl-Moderatorin Heidi Klum es auch in ihrer TV-Show fordert. Stella muss also auf den Laufsteg.

Aber was ist das? Hat Stella etwa einen Prosecco zuviel zum Aufwärmen genippt? Gerade gehen kann unser Nachwuchs-Model erst nach einigen Mühen, der Hüftschwung hingegen gelingt schon besser und wird stets mit dem Geräusch klickender Kameras belohnt. Wer dann noch über gelegentlich aufscheinende Herzchen geht, der kann als Spieler so richtig Punkte sammeln. Wollen wir aber gar nicht!

Spätestens, als wir bemerken, dass Stella auch vom Laufsteg fallen kann, gibt's kein Halten mehr. Mal um Mal lassen wir die Arme trotz hektisch blinkender Warnhinweise vom Catwalk fallen. Nach dem dramatischen Sturz stöhnt Stella schließlich jedesmal so niedlich «Oh Gott, oh Gott». Gut beobachtet - mehr kann man zur «Deluxe Edition» des offiziellen PC-Spiels auch wirklich nicht sagen.

Germany's next Topmodel, Deluxe Edition – DTP, 2008, 29,99 Euro – wurde von uns am PC gespielt. Es ist auch für Nintendos tragbare Konsole DS erhältlich.


 
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