Pilotprojekt der Unesco-Schulen:
Weltweit vernetzt ohne Schnickschnack
Initiator der globalen Konferenz ist der Trierer Lehrer Martin Jarrath, der um die Jahrtausendwende erkannte, welche Möglichkeiten das Internet für die globale Kommunikation bietet. «In vielen Ländern ist es so, dass die Schüler keine Chance haben, zum Austausch mit Gleichaltrigen in die nächste Stadt zu fahren. Zu einer Konferenz ins Ausland reisen könnten, ist für sie vollkommen unmöglich», sagt der 42-jährige Lehrer für Informatik, Chemie und Erdkunde am Hindenburg-Gymnasium in Trier.
In diesem Jahr geht es um Transport und Kommunikation, zwei Themenbereiche, die zunächst nicht so wirken, als ob sie von brennendem Teenie-Interesse sein könnten. Die Diskussionen auf der Konferenz zeigen allerdings, dass die Teilnehmer sich bereits zuvor viele Gedanken gemacht haben: die Entwicklung immer schnellerer Luxustransportmöglichkeiten steht jedenfalls nicht ganz oben auf der Wunschliste.
Was eben auch daran liegt, dass man auf der Konferenz gezwungen ist, global zu denken, schließlich erlebt man dort hautnah mit, welche Probleme Gleichaltrige in Entwicklungsländern und welche Auswirkungen in den westlichen Ländern gefasste Entschlüsse auf Menschen in Asien und Afrika haben.
Damit, so geben die Initiatoren zu, schlösse man zwar viele Jugendliche aus, die zum Beispiel nur Französisch oder Spanisch sprächen, aber mit einer Stimme zu sprechen sei wichtig, da bei parallel laufenden Diskussionen in mehreren Sprachen niemand mehr den Überblick behalten könne. Der jedoch ist wichtig, weil am Ende der Konferenz zum ersten Mal eine gemeinsame Resolution verabschiedet wird, in der die Teilnehmer ihre Zukunftsvision festhalten.
Dass die Kommunikation auf der schlicht gestalteten Seite strikt textbasiert abläuft, hat einen ganz einfachen Hintergrund: An der Konferenz sollen auch Schüler aus Ländern teilnehmen können, in denen Computer mit hoher Auflösung und hoher Prozessorgeschwindigkeit sowie Breitbandanschlüsse und Flatrates nicht zum Alltag gehören.
In diesem Jahr kämpft Subrata Kumar Das aus Bangladesh mit der Energieversorgung, fünf Mal fiel bis zum Mittag am Birshrestha Munshi Abdur Rouf Rifles College in Dhaka, Bagladesh, wo er Literatur unterrichtet, der Strom aus. 5000 Schüler besuchen die kostenpflichtige Bildungseinrichtung, die über einen eigenen Computerraum mit 25 Rechnern verfügt.
Und so war er auch gleich begeistert, als er Anfang 2007 vom Projekt Agenda 21 erfuhr. «Ich versuche immer, meine Schüler für die neuen Technologien zu interessieren», sagt der Lehrer der Netzeitung, «aus pädagogischer Sicht ist das Projekt eine sehr spannende Plattform, eben ein sicherer Platz für den Austausch von Gedanken und Ideen zwischen den zukünftigen Führungskräften ihres jeweiligen Landes.»
Durch die Agenda 21 sei es eben nicht nur möglich, zu lernen, wie man an einer Internetkonferenz teilnimmt, sondern auch, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen und den eigenen Standpunkt und die eigenen Erfahrungen zu vermitteln. «Vielleicht gewinnt der eine oder andere ja sogar wertvolle Erfahrungen, die ihm später dabei helfen, wichtige Entscheidungen zu treffen.»
Viel zu tun haben die Moderatoren allerdings nicht, die Begeisterung für das gemeinsame Projekt ist bei den meisten so groß, dass sie sich nach Schulschluss von zu Hause aus wieder einloggen und weiterdiskutieren. Ständig kommen Schüler aus anderen Zeitzonen dazu, die neue Aspekte einbringen. Die Kontakte bleiben oft auch über den Konferenztag hinaus, wie aus Befragungen der letzten Jahre hervorgeht. Mehr als ein Drittel aller Teilnehmer hält anschließend weiter Kontakt zu denjenigen, mit denen sie diskutiert haben.
Die Online-Konferenz dauert noch bis zwei Uhr MEZ am Morgen des 9. Mai. Schüler und Interessierte können sich in dieser Zeit registrieren und mitdiskutieren.
