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Pilotprojekt der Unesco-Schulen: 

Weltweit vernetzt ohne Schnickschnack

08. Mai 2008 15:00
Schüler und Lehrer des Trierer Hindenburg-Gymnasiums
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Der 8. Mai ist der Tag der internationalen Konferenz «Agenda 21 Now!», auf der Jugendliche aus aller Welt online miteinander diskutieren. Elke Wittich hat für die Netzeitung daran teilgenommen.

Für rund 1000 Schüler weltweit besteht der Unterrichtstag am Donnerstag darin, sich online mit Gleichaltrigen auszutauschen - die Jugendlichen schwänzen allerdings nicht, sondern erarbeiten 24 Stunden lang ihre gemeinsame Vision von der Welt, in der sie als Erwachsene leben wollen.

Möglich wird dies durch die internationale Konferenz «Agenda 21 Now!», ein Pilotprojekt der deutschen Unesco-Schulen, das an diesem 8. Mai bereits zum neunten Mal stattfindet. Der Konferenzname bezieht sich auf die bereits im Jahr 1992 von 179 Staaten beschlossene Agenda 21, in der es um nachhaltige Entwicklung geht - und deren Umsetzung nach wie vor nur unzureichend ist, weswegen das Schülerprojekt mit dem fordernden Zusatz «Now!» versehen wurde.

Initiator der globalen Konferenz ist der Trierer Lehrer Martin Jarrath, der um die Jahrtausendwende erkannte, welche Möglichkeiten das Internet für die globale Kommunikation bietet. «In vielen Ländern ist es so, dass die Schüler keine Chance haben, zum Austausch mit Gleichaltrigen in die nächste Stadt zu fahren. Zu einer Konferenz ins Ausland reisen könnten, ist für sie vollkommen unmöglich», sagt der 42-jährige Lehrer für Informatik, Chemie und Erdkunde am Hindenburg-Gymnasium in Trier.

Transport und Kommunikation

Ein globales Zukunftsprojekt, bei dem Schüler miteinander die Themen, die für eine nachhaltige Entwicklung wichtig sind, besprechen, kann aber nur dann wirklich global sein, wenn jeder mitmachen kann, und so entschied man sich mit Hilfe der Unesco zu einem alljährlichen Meeting im WWW. Einen ganzen Tag lang können Schüler untereinander und mit eingeladenen Experten zu vorgegeben Themen miteinander diskutieren.

In diesem Jahr geht es um Transport und Kommunikation, zwei Themenbereiche, die zunächst nicht so wirken, als ob sie von brennendem Teenie-Interesse sein könnten. Die Diskussionen auf der Konferenz zeigen allerdings, dass die Teilnehmer sich bereits zuvor viele Gedanken gemacht haben: die Entwicklung immer schnellerer Luxustransportmöglichkeiten steht jedenfalls nicht ganz oben auf der Wunschliste.

Was eben auch daran liegt, dass man auf der Konferenz gezwungen ist, global zu denken, schließlich erlebt man dort hautnah mit, welche Probleme Gleichaltrige in Entwicklungsländern und welche Auswirkungen in den westlichen Ländern gefasste Entschlüsse auf Menschen in Asien und Afrika haben.

Mit einer Stimme sprechen

Für viele der Teilnehmer ist dies das erste Mal, dass sie mit Schülern aus Ländern kommunizieren, die sie bisher bestenfalls aus dem Atlas kannten. Erstaunt stellt man Gemeinsamkeiten fest, hat aber auch keine Chance, die Unterschiede in den Lebensstandards nicht zu bemerken - die Konferenz findet ausschließlich auf Englisch statt.

Damit, so geben die Initiatoren zu, schlösse man zwar viele Jugendliche aus, die zum Beispiel nur Französisch oder Spanisch sprächen, aber mit einer Stimme zu sprechen sei wichtig, da bei parallel laufenden Diskussionen in mehreren Sprachen niemand mehr den Überblick behalten könne. Der jedoch ist wichtig, weil am Ende der Konferenz zum ersten Mal eine gemeinsame Resolution verabschiedet wird, in der die Teilnehmer ihre Zukunftsvision festhalten.

Kein Power Point, kein Video

Rein äußerlich hat die Konferenz nichts von dem, was moderne Meetings ausmacht: Es gibt weder Power Point-Präsentationen noch Video-Einspielungen, keine Grafiken, kein Instant-Messenger-System und keine filmische Vorstellung der Teilnehmer.

Dass die Kommunikation auf der schlicht gestalteten Seite strikt textbasiert abläuft, hat einen ganz einfachen Hintergrund: An der Konferenz sollen auch Schüler aus Ländern teilnehmen können, in denen Computer mit hoher Auflösung und hoher Prozessorgeschwindigkeit sowie Breitbandanschlüsse und Flatrates nicht zum Alltag gehören.

Probleme in aller Welt

Ein Problem, mit dem sich nichteuropäische Teilnehmer herumschlagen müssen, ist oft die mangelnde Computer-Ausstattung vor Ort, der man nun zum Beispiel im ugandischen Entebbe mit einer pfiffigen Lösung begegnet. Lehrer und Schüler haben - mit westlicher Hilfe - extra für die Konferenz ein komplettes Internetcafé gemietet und können nun bequem an den Diskussionen teilnehmen.

Wenn die Energieversorgung funktioniert, was nicht in allen Teilen der Welt selbstverständlich ist: «Wir haben im letzten Jahr erlebt, wie die Teilnehmer einer Schule in Kampala, Uganda, plötzlich weg waren - der Strom war ausgefallen, aber dann wurde kurz entschlossen das Notstromaggregat angeworfen und anschließend ging es weiter», berichtet Jarrath.

In diesem Jahr kämpft Subrata Kumar Das aus Bangladesh mit der Energieversorgung, fünf Mal fiel bis zum Mittag am Birshrestha Munshi Abdur Rouf Rifles College in Dhaka, Bagladesh, wo er Literatur unterrichtet, der Strom aus. 5000 Schüler besuchen die kostenpflichtige Bildungseinrichtung, die über einen eigenen Computerraum mit 25 Rechnern verfügt.

Zukünftige Führungskräfte

Der 44-jährige ist schon seit mehr als zehn Jahren fasziniert von den Möglichkeiten des Internet und begründete unter anderem die Online-Literatur-Sammlung Bangladeshinovels.com.

Und so war er auch gleich begeistert, als er Anfang 2007 vom Projekt Agenda 21 erfuhr. «Ich versuche immer, meine Schüler für die neuen Technologien zu interessieren», sagt der Lehrer der Netzeitung, «aus pädagogischer Sicht ist das Projekt eine sehr spannende Plattform, eben ein sicherer Platz für den Austausch von Gedanken und Ideen zwischen den zukünftigen Führungskräften ihres jeweiligen Landes.»

Durch die Agenda 21 sei es eben nicht nur möglich, zu lernen, wie man an einer Internetkonferenz teilnimmt, sondern auch, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen und den eigenen Standpunkt und die eigenen Erfahrungen zu vermitteln. «Vielleicht gewinnt der eine oder andere ja sogar wertvolle Erfahrungen, die ihm später dabei helfen, wichtige Entscheidungen zu treffen.»

Kontakte über den Projekttag hinaus

Die Moderation der Diskussionen wird nicht nur von den beteiligten Lehrern, sondern auch von Schülern geleistet. Die deutschen Moderatoren wurden auf ihre Rolle in einem eintägigen Kurs vorbereitet, wo sie lernten, wie man hitzige Diskussionen steuert und wo ihnen auch nützliche englische Redewendungen beigebracht bekamen.

Viel zu tun haben die Moderatoren allerdings nicht, die Begeisterung für das gemeinsame Projekt ist bei den meisten so groß, dass sie sich nach Schulschluss von zu Hause aus wieder einloggen und weiterdiskutieren. Ständig kommen Schüler aus anderen Zeitzonen dazu, die neue Aspekte einbringen. Die Kontakte bleiben oft auch über den Konferenztag hinaus, wie aus Befragungen der letzten Jahre hervorgeht. Mehr als ein Drittel aller Teilnehmer hält anschließend weiter Kontakt zu denjenigen, mit denen sie diskutiert haben.

Die Online-Konferenz dauert noch bis zwei Uhr MEZ am Morgen des 9. Mai. Schüler und Interessierte können sich in dieser Zeit registrieren und mitdiskutieren.


 
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