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Computer- und Videospiele: 

Wii-Fit: Sport und Spaß für die Unsportlichen

09. Mai 13:26
Japaner auf dem Balance Board der Wii Fit
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Unecht, unsportlich, leicht zu manipulieren – das neue Trainingsprogramm Wii Fit wird hart kritisiert. Maik Söhler aber meint: Jetzt erst werden Sport und Fitness wahrhaft demokratisch.

Vieles ist dieser Tage gegen das soeben in Deutschland eingeführte neueste Produkt aus dem Hause Nintendo für die Spielkonsole Wii eingewendet worden: Die Wii Fit – eine Mischung aus Computerspiel und Fitnesstrainer für zuhause – verhalte sich zu echtem Sport wie Gummistiefel zu Fußballschuhen; wer seine Zeit damit verplempere, sei für richtiges Yoga, Aerobic und Offline-Fitnessübungen nicht mehr zu gebrauchen; außerdem seien die Übungsprogramme der Wii Fit einfach zu überlisten. Darauf wies jeder dritte Tester nicht ohne Stolz hin.

Ganz falsch ist das alles nicht. Und doch gilt es, die Wii Fit gegen ihre Kritiker zu verteidigen und darauf hinzuweisen, dass diese Software zu den wichtigsten Konsolenneuheiten seit der Erfindung des Bewegungssensors gehört. Sie könnte dazu führen, dass sich Hunderttausende, die das sonst nicht täten, wieder mit ihrem Körper befassen. Denn mit der Wii Fit kommt der Sport zu uns nach Hause, er ist somit einfach in den Alltag zu integrieren, und vor allem: Er macht Spaß.

Worum geht es bei der Wii Fit? Kurz gesagt: um ein individuelles Fitness-Programm. Man erstellt ein Profil, gibt dafür Körperdaten wie Größe und Gewicht an, legt ein Trainingsziel fest, wählt einen Trainer aus und los geht es. Zur Auswahl stehen diverse Übungen aus den Bereichen Balance, Yoga, Aerobic, Muskelaufbau und Ausdauer. Je mehr man trainiert, desto mehr neue Übungen werden freigeschaltet. Zur bisherigen Wii-Ausstattung mit Bewegungssensor und Controller kommt ein sogenanntes Balance-Board hinzu, das auf den Druck der Füße und Gewichtsverlagerungen reagiert.

Der «echte» Sport

Noch mal zu den Einwänden der Kritiker: Warum soll Sport eigentlich nicht echt sein, nur weil man ihn mit digitalen Hilfsmitteln betreibt? Müsste man dann bei den Olympischen Sommerspielen in Peking nicht auch die Sprintwettbewerbe abschaffen, die schon lange nicht mehr ohne eine elektronische Zeitmessung auskommen? Und das Fechten? Und das Schwimmen? Und alle Sportarten, bei denen im Training mechanische oder elektronische Hilfsmittel eingesetzt werden?

Warum soll Aerobic besser (im Sinne von «echter») sein, nur weil einem eine Trainerin was vorhampelt? Wäre Yoga nur mit einer Übungsleiterin «authentisch», so müssten Yogis in aller Welt, die lieber allein oder mit Freunden üben, ihr verwerfliches Tun sofort einstellen. Wer unter «echtem» Sport nur all das versteht, was unter fachkundiger Anleitung stattfindet, der hat die Millionen Hobbysportler in Deutschland vermutlich einfach übersehen.

Und: Ja, es stimmt, man das Balance Board betrügen. Wo von der persönlichen Wii Fit-Trainerin zehn sorgfältige Ausfallschritte gefordert werden, kann man einfach zehnmal kräftig mit dem Fuß wippen. Das gibt zwar Punktabzug, die Übung gilt am Ende aber trotzdem als bewältigt. Genauso einfach kann man aber im Fitness-Studio oder Sportverein betrügen. Auch dort können die Übungsleiter, sofern es überhaupt welche gibt, ihre Augen nicht überall haben.

«Ich geh' jetzt mal Slalom fahren»

Auf dem Balance Board lässt sich sogar eine Einheit absolvieren, während man in der rechten Hand ein Glas Bier und in der linke eine brennende Zigarette hält. Auch das spricht nicht gegen das Gerät, sondern für es: Jeder kann es bedienen, wie, wann und mit welcher Intensität er oder sie will. Zwischen die Tagesschau und die Verabredung um 20.45 Uhr passt genau eine kurze Trainingseinheit. Arbeitsstress lässt sich gut mit einer Runde Slalomfahren oder vier konzentrierten Yoga-Figuren abbauen.

Anders gesagt: Die Wii Fit holt die Menschen dort ab, wo sie am häufigsten anzutreffen sind: zuhause und vor dem Fernseher. Wie schon bei der normalen Wii-Spielkonsole (und auch allen anderen Konsolen) verwandelt sich der gemütliche Fernsehabend zum TV-Abend zum Mitmachen. Es bleibt zwar beim Medienkonsum, aber die strikt passive Rolle wird nun zumindest zeitweise von einer aktiven Rolle abgelöst.

Die Möglichkeit, das Gerät zu mehreren nutzen zu können, fügt dem ohnehin schon leichten, weil spielerischen Zugang zum Körpertraining eine weitere, für den Sport aber typische Dimension hinzu: die des Wettbewerbs. Man will einfach besser sein als der andere, und aus den geplanten 20 Minuten an der Konsole werden deshalb schnell 30.

Jung und alt

Mit der Wii Fit entfällt alles, was Sport manchmal so anstrengend macht: Terminplanung, Suche nach geeigneten Räumen oder Plätzen, Wahl der Sportfreunde- und partner (und wenn wirklich mal alles passt, ist man krank oder verletzt oder hat gerade einen schlechten Tag). Die Wii Fit aber passt sich den eigenen Bedürfnissen an. Hat man keine Lust, bleibt sie halt aus, ist man gut drauf, trainiert man eben mehr. Außer für die Anschaffung und den Strom fallen keine weiteren Kosten an

Und noch etwas spricht für die digitale Fitness: Sie macht den Sport auch all jenen wieder zugänglich, die am Sport- und Körperboom der jungen, gut trainierten Waschbrettbauch-Generation nicht teilhaben konnten. Nun kommen auch die Älteren zum Zug, die Dicken und Dünnen, die Konditionsschwachen und körperlich anderweitig Beeinträchtigten, kurz: die - aus Sicht des Fitness-Mainstreams - Unsportlichen. Wenn sie sich darauf einlassen, dann kann ihnen die Wii Fit viel Spaß am Sport (zurück)bringen.

 
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