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Telefonieren übers Netz: 

Hallo, hier spricht das Internet

07. Mai 2008 14:33
Wir müssen reden: Startseite von Jajah
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Wer bei Voice over IP nur an Skype denkt, kennt Jajah noch nicht. Die Netzeitung sprach mit Daniel Mattes, einem der beiden Unternehmensgründer, über computerlose Internet-Telefonie und die Kooperation mit Yahoo.

Netzeitung: Herr Mattes, sprechen wir hier am Telefon gerade über Jajah?

Daniel Mattes: Natürlich. Wie denn sonst?

Netzeitung: Das ist ja einfach und die Verbindung ist auch prima. Wenn wir über Jajah sprechen, worüber genau reden wir eigentlich? Ich höre da immer Voice over IP, Internettelefonie ohne Computer, aber mit Instant Messenger …

Mattes: Jajah war ursprünglich webbasierte Telefonie. Also eine Website, auf der man die eigene Telefonnummer und die des gewünschten Gesprächspartners eingegeben und auf den Anruf-Button gedrückt hat. Dann wurde die Verbindung hergestellt. Das war unser Grundkonzept, mit dem wir 2006 an den Start gegangen sind und das bis heute Bestand hat.

Viele Leute wollen einfach nur telefonieren. Sie wollen dafür keine Software installieren, nichts downloaden, kein Headset tragen und in kein Mikrofon sprechen. Sie wollen auch nicht mit dem PC telefonieren, sondern mit ihrem normalen Handy oder Festnetzgerät. Diese Interessen bedienen wir.

Zehn Millionen User

Netzeitung: Aber registrieren muss man sich bei Jajah schon?

Mattes: Ja, man benötigt einen Account. Aber das ist auch schon alles.

Netzeitung: Und das ist kostenlos?

Mattes: Es ist kostenlos zwischen registrierten Jajah-Usern. Alle anderen Telefonate sind um durchschnittlich 95 Prozent billiger als die von herkömmlichen Telekom-Anbietern – egal, ob sie nach Kenia oder nach China telefonieren.

Wir bieten längst mehr als einfache Internettelefonie, nämlich ein sehr gut funktionierendes Netzwerk für Einzel- und Konferenztelefonate, für die man nicht am Computer sitzen muss.

Netzeitung: Sie haben neulich die Marke von zehn Millionen Usern überschritten. Wie viele davon zahlen für den Dienst und wie viele nutzen Jajah kostenlos?

Mattes: 80 Prozent der User zahlen auch dafür. Jajah ist vergleichbar mit einigen der Mobiltelefonie-Angeboten, wo Gespräche innerhalb des eigenen Netzes gratis sind. Aber irgendwann wächst das Bedürfnis, auch mal außerhalb des Netzes zu telefonieren.

«Kostenlos»

Netzeitung: Fällt das Wort «kostenlos», dann rennen einem im Netz die Leute die virtuellen Türen ein. Sonst aber nicht.

Mattes: Wir haben eine andere Klientel. Für die meisten unserer User macht es kaum einen Unterschied, ob sie null oder zwei Cent pro Minute zahlen. Für sie ist entscheidend, dass ein Telefonat über tausende Kilometer am Ende gerade mal zwei Euro kostet.

Jajah-Mitgründer Daniel Mattes
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Wir sprechen dabei von zwei verschiedenen User-Gruppen: die so genannten Free Minded-Nutzer, die alles gratis haben wollen, und die so genannten Cheap Minded-Nutzer, die darauf achten, dass sie einen guten Deal bekommen. Genau die verwenden unser System.

Netzeitung: Konkreter, bitte. Sind das hauptsächlich Unternehmen?

Mattes: Kann man so nicht sagen - das ist quer Beet: Privat-User mit Migrationshintergrund, Unternehmen, Botschaften, Behörden.

Kooperation mit Yahoo

Netzeitung: Seit neuestem arbeiten Sie auch mit Yahoo zusammen. Wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Mattes: Unser Netzwerk besteht aus Datencentern auf der ganzen Welt und diese Infrastruktur stellen wir Nutzern von Yahoo zur Verfügung. Ein Beispiel: Wenn Sie aus Deutschland in die USA telefonieren, dann sucht unser System die passenden Terminierungsendpunkte heraus. Terminierungsendpunkt bedeutet: Sie bezahlen Telefongebühren nur für die erste und letzte Meile vom Anrufer zum Angerufenen. Alles was dazwischen ist, übertragen wir über die Datenleitungen des Internet. Das senkt die Kosten drastisch.

Bei Yahoo geht es aber um mehr: Um Zahlungsabwicklung, Schutz vor Betrug, Kunden-Support, Technik usw. Yahoo hat einfach festgestellt, dass wir das leisten können, und haben deshalb alles, was mit Internettelefonie - oder wie es bei Yahoo heißt «Phone out» und «Phone in» - zu tun hat, an uns ausgelagert.

Netzeitung: Kritiker sagen, wenn Yahoo diesen Bereich auslagert, dann ist da nichts zu verdienen oder der Bereich hat keine Zukunft. Was entgegnen Sie solchen Aussagen?

Mattes: Das Gegenteil ist der Fall. Jedes Unternehmen hat gewisse Schwerpunkte und Expertisen. Und Telefonate gehören definitiv nicht zur Kernkompetenz von Yahoo. Das ist hingegen unsere Kernkompetenz. Diesen Bereich auszulagern, macht also durchaus Sinn.

Skype

Netzeitung: Wie sehen Sie sich derzeit in der Konkurrenz zum Marktführer Skype gewappnet? Könnte man sagen, Jajah verhält sich zu Skype wie Yahoo zu Google?

Mattes: Aus meiner Sicht ist Skype kein Mitbewerber von uns. Wenn es darum geht ein Telefonat von PC zu PC zu führen, kann ich Skype nur empfehlen. Das ist ein super Produkt. Wenn es aber darum geht übers Internet ohne PC oder mit dem herkömmlichen Telefon zu telefonieren, sind wir einfach weiter als Skype.

Den Deal, den wir jetzt mit Yahoo gemacht haben, könnten wir uns auch mit Skype vorstellen. Die können gerne etwa den ganzen Bereich der Handy-Telefonate auf unsere Plattform outsourcen und damit ihren Kunden Services anbieten, die Skype sonst nicht hätte. Damit wäre allen Beteiligten geholfen.

Weblogs und Web-Blasen

Netzeitung: Einen Teil des Erfolgs verdankt Jajah den Weblogs. Gerade in der Anfangszeit Ihres Unternehmens ist dort viel für Sie geworben worden. Welche Bedeutung haben Weblogs für Sie?

Mattes: Eine sehr große. In der Anfangsphase hat uns das sehr geholfen Aufmerksamkeit zu erreichen. Doch die Blogosphäre hat eine limitierte Reichweite. Wenn man über eine gewisse User-Grenze hinauswill, muss man auch mal traditionelle Werbe- und PR-Formen verwenden. Dennoch: Ohne die Blogosphäre hätten wir es um einiges schwerer gehabt.

Netzeitung: Sie waren schon in den neunziger Jahren in Start-ups sehr aktiv und kennen das Internet nun seit mehr als einem Jahrzehnt. Teilen Sie meine Befürchtung, dass gerade einige Erscheinungsformen der New Economy zurückkehren?

Mattes: Ein Unterschied zur Internet-Blase von damals ist, dass sich heute kaum ein Unternehmer ohne Business-Modell von Finanzierungsrunde zu Finanzierungsrunde hangeln kann. Als riskant erachte ich, dass heute wieder viele Start-ups mit ihrem Business-Modell allein auf Werbefinanzierung setzen. Da wird die Luft dann schnell dünn.

Interview: Maik Söhler

 
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