Schnell wachsendes Internet:
In drei Jahren gibt es keine IP-Adressen mehr
06.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Danach sei IPv6 aber nicht richtig in die Gänge gekommen, erklärt Meinel, der das Hasso-Plattner-Institut (HPI) an der Universität Potsdam leitet. Vor allem in den USA hielt sich die Begeisterung in Grenzen - die dort eingerichteten Netze verfügen ja auch über etwa 74 Prozent aller derzeit vergebenen IP-Adressen. Für China und andere asiatischen Ländern sei der Druck der Adressenknappheit aber sehr viel stärker, erklärt Meinel. Daher werde IPv6 dort sehr viel stärker vorangetrieben.
Der Umstellungsprozess wird schrittweise vor sich gehen und betrifft alle Netzanbieter und -nutzer, auch den Endanwender. «Die meisten Provider beschäftigen sich noch nicht genug mit IPv6», sagt Frank Orlowski vom Internet-Austauschknoten DE-CIX in Frankfurt am Main. «Je früher man damit anfängt, umso besser.» Es dürfe keine Torschlusspanik aufkommen, aber «irgendwann gibt es nichts mehr, was noch an Adressräumen verteilt werden kann».
Immerhin nutzen nach Angaben Orlowskis bereits 70 bis 80 Provider der 240 am DE-CIX angeschlossenen Netze das neue Internet-Protokoll. Der Netzexperte erwartet, dass es eine Übergangszeit geben wird, in der beide Protokolle verwendet werden können. «Irgendwann wird man dann aber das alte Netz abschalten», erklärt Orlowski. «Das wird ein Prozess sein, der mehrere Jahre in Anspruch nimmt.» Die Schätzungen für den Zeitpunkt, zu dem es keine freien IP-Adressen mehr geben wird, reichen je nach Szenario von 2010 bis 2012.
Die Umstellung ist auf Seiten der Provider mit Investitionen in neue Hardware verbunden - die neuen Router müssen dann schließlich mit IPv6 umgehen können. Meinel erwartet aber, dass dies im Rahmen der ohnehin üblichen Erneuerung von Geräten ablaufen kann. Auch der DSL-Router für das drahtlose Wlan-Netz daheim muss dann IPv6 verstehen können, aber Meinel sieht in der Bereitstellung der entsprechenden Geräte kein großes Hindernis: «IPv6 soll nicht teuer werden.»
Feste IP-Adressen haben den Vorteil, dass man einen eigenen Web-Server betreiben kann, der auch ohne Anmeldung einer Domain, also einer Internet-Adresse nach dem Muster meineDomain.de, immer unter der gleichen Ziffern-Adresse erreichbar ist.
Andererseits erhöht eine dynamische, also sich immer wieder ändernde IP-Adresse auch den Schutz der Privatsphäre. Der Informatiker Meinel aber sieht in den dynamischen Adressen nur einen Notbehelf der IPv4-Ära: «Eigentlich sollten Datenschutz und Sicherheit auf anderen Methoden beruhen.» (Peter Zschunke/AP)

