29. Apr 2008 15:30
Die Zeckensaison hat begonnen. Mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen ist der Aufenthalt in Wäldern kein Problem. Die Wahl eines Schutzmittels sollte dennoch wohlüberlegt sein.
Neben der Hirnhautentzündung FSME können Zecken aber auch die durch Bakterien verursachte Borreliose übertragen. Das Risiko, sich mit Borrelien zu infizieren besteht im Unterschied zur FSME im ganzen Lande. Das nationale Referenzzentrum für Borrelien im bayrischen Gesundheitsamt geht von 60.000 bis 100.000 Neuerkrankungen pro Jahr aus. Zwar kann die Borreliose unbehandelt zu einer chronischen Erkrankung mit erheblichen Spätfolgen führen, bei entsprechender Verhaltensweise ist aber auch in diesem Falle kein Grund zur Panik angesagt. Zecken sind im Frühjahr besonders aktiv. Der beste Schutz ist, sich nicht von einer Zecke beißen zu lassen: Nicht barfuss über Wiesen gehen, im Wald möglichst lange Hosen anziehen und auch wenn es modisch nicht gerade der letzte Schrei ist: Ganz vorsichtige Menschen können die Hosen in die Socken ziehen. Die Zeckenabwehr aus der Sprühdose ist nur über einen kurzen Zeitraum wirksam. Die Stiftung Warentest zieht in ihrer aktuellen Ausgabe eine ernüchternde Bilanz: 12 von 20 getesteten Mittel erhielten das Prädikat «mangelhaft». Im schlechtesten Fall ließ die Wirkung schon nach wenigen Minuten nach. Selbst die Testsieger konnten die Zecken nur maximal bis zu drei Stunden abhalten.
Nach dem Waldbesuch sollte der Körper nach Zecken abgesucht werden. Die Tiere mögen weiche und warme Körperstellen: Leistengegen, Bauchnabel, Achselhöhlen, Haaransatz sind sehr beliebt. Sollte eine Zecke zugebissen haben, lässt diese sich leicht mit einer Pinzette entfernen: So nah wie möglich über der Haut ansetzen und vorsichtig ziehen. Die üblichen Tipps, wie Herausdrehen, mit Alkohol oder Öl benetzen, sind Unsinn und im Zweifel sogar gefährlich, weil die Zecke in ihrem Todeskampf vermehrt Borrelien abgibt und damit die Gefahr einer Infektion steigt. Wer Geld ausgeben will, kann eine spezielle Zeckenzange in der Apotheke kaufen – im Notfall lassen sich Zecken aber auch mit den Fingernägeln entfernen. Danach sollte die Einstichstelle beobachtet werden. Tritt dort nach fünf bis zehn Tagen eine Rötung auf, die sich ausbreitet, die so genannte Wanderröte, sollte ein Arzt aufgesucht werden. In den ersten Stadien ist Borreliose sehr effektiv mit Antibiotika zu behandeln.
Keinesfalls sollte bei einem Zeckenbiss prophylaktisch mit Antibiotika behandelt werden. Neben möglichen Resistenzen, die sich bei dem Erreger entwickeln könnten, wird der Organismus dadurch auch unnötig belastet. In etwa der Hälfte der Fälle wird ein gesundes Immunsystem im Übrigen auch allein mit Borrelien fertig. (nz/AP)