04.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Nicht jeder mit Amalgam-Füllungen muss gleich zum Zahnarzt
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Viele Menschen mit silberfarbenen Plomben im Mund haben Angst, dass sie sich schleichend mit Quecksilber vergiften. Doch müssen die Amalgam-Füllungen nicht unbedingt ausgetauscht werden, zeigt eine neue Studie.
Der Austausch von Amalgam-Zahnfüllungen ist einer Studie zufolge fast immer unnötig. Bei Patienten, die über Beschwerden klagten, habe man mit einer Kombination aus Entspannungstherapie und Ernährungsberatung praktisch gleich gute Ergebnisse erzielt wie mit der Entfernung der Füllungen, sagte Dieter Melchart vom Münchner Klinikum Rechts der Isar am Freitag. Er wies zudem darauf hin, dass es keine eindeutige Diagnose für Schäden wegen Amalgamfüllungen gebe.
Die Gesundheitsgefahr der Legierung ist nach wie vor umstritten. In der mehrteiligen, insgesamt zwölfjährigen Studie hatten Forscher zwar keine Beweise, aber durchaus Hinweise für die Schädlichkeit von Amalgam gefunden. Patienten mit Beschwerde sahen dabei sowohl einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Einsetzen der Plomben und dem Auftreten der Beschwerden, als auch zwischen Entfernung und Besserung, wie Melcharts Kollege Wolfgang Weidenhammer berichtete.
Allerdings hätten sich die Wissenschaftler auf Fragebögen der Staatsanwaltschaft aus einer Klage gegen einen Amalgamhersteller stützen müssen, schränkte er ein. Die Methode genüge nicht wissenschaftlichen Standards, insofern sei das Ergebnis nur ein Hinweis, kein Beweis für die Schädlichkeit von Amalgam.
Rund 300 unspezifische Amalgamsymptome Es sei bis heute nicht möglich, einen klaren Zusammenhang zwischen Amalgamfüllungen und bestimmten Beschwerden herzustellen, sagte Melchart. Die rund 300 mit Amalgam in Verbindung gebrachten Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme seien sehr unspezifisch und träten in den Industriestaaten häufig auf.
Vor einer Entfernung der Füllungen empfehle er deswegen nicht nur die Entspannungstherapie sondern auch eine grundlegende Untersuchung auf andere organische Beschwerden. Auch Reinhard Hickel von der Zahnklinik der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität sah Amalgambeschwerden eher kritisch. Es komme häufig vor, dass Patienten, die über sie klagten, zwei Tage nach einer Zahnsanierung kämen und sagten, dass es ihnen viel besser gehe. Dabei hätten sie gerade nach dem Ausbohren der Füllungen für einige Tage besonders hohe Quecksilberwerte im Körper. Im Allgemeinen träten keine Schäden durch Amalgam auf, in Einzelfällen allerdings könne so etwas passieren, sagte er. (AP)