Resistente Keime:
Die Tuberkulose ist zurück
27.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Besonders in armen Ländern breitet sich die Tuberkulose wieder aus: Erkranktes Kind in Afrika
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit der Etablierung von Antibiotika schien die Lungenkrankheit Turberkulose nahezu ausgerottet. Inzwischen aber haben sich die Erreger auf die Medikamente eingestellt und breiten sich mit erschreckender Geschwindigkeit aus.
Mehrfach gegen Antibiotika resistente Tuberkulose-Bakterien verbreiten sich weltweit sehr rasch. . Im Jahr 2006 erkrankten rund 500.000 Menschen, wie aus einer von der Weltgesundheitsorganisation WHO vorgestellten Studie hervorgeht. Rund 110.000 Kranke seien 2006 daran gestorben. Im Jahr 2004 zählte die WHO 420.000 neue Fälle dieser ansteckenden Lungenkrankheit.
Täglich sterben rund 4400 Menschen an Tuberkulose. Für die Studie wurden zwischen 2002 und 2006 etwa 90 000 Kranke in 81 Ländern untersucht. Von MDR-Tb wird gesprochen, wenn die Krankheit nicht auf die übliche sechsmonatige Behandlung mit Medikamenten reagiert.
Nach Angaben der WHO verbreitet sich die schwere Form der Tuberkulose in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion besonders schnell. Auch China sei stark betroffen. Bei der medikamentresistenten Tuberkulose spricht der Körper nicht mehr auf die herkömmliche Medizin an. Die Ursachen für die Resistenz sind laut WHO vielfältig und kompliziert, etwa weil den Medikamenten gefälschte Substanzen beigemischt werden.
Die höchste Quote der multiresistenten Fälle wurde in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, registriert: Dort macht die multiresistente Tb fast einen Viertel aller Tb-Fälle aus. In Moldawien ist es jeder fünfte Fall, in Donetsk in der Ukraine sind es 16 Prozent der Fälle. Auch in zehn chinesischen Provinzen hat sich die multiresistente Tb ausgebreitet. In Afrika bleibt das wahre Ausmaß der Medikamentenresistenz unbekannt: Nur sechs Länder des Kontinents waren imstande, die notwendigen Daten zu liefern. In Westeuropa sind Italien und Deutschland am stärksten von der multiresistenten Tb betroffen.
Die WHO zeigt in der Studie die Verbindung der Ausbreitung von Tb mit der Immunschwächekrankheit Aids auf. In manchen Ländern sei die Quote der multiresistenten Tuberkulose unter den Aidskranken doppelt so hoch wie bei den Tuberkulosekranken, die nicht an Aids leiden. Die Verbindung zwischen Tb und Aids verursacht auch eine viel höhere Todesrate: Im Fall einer Medikamentenresistenz könne diese bis zu 90 Prozent betragen, so die WHO.
Die Studie zeigt zudem erstmals auf, dass die von ultraresistenten Erregern ausgelöste Tb (XDR-Tb) in 45 Ländern aufgetreten ist. Nur wenige Staaten sind aber ausgerüstet, um diese Fälle ausfindig zu machen, und die Daten dazu bleiben entsprechend unvollständig. Jährlich dürften mindestens 30 000 neue Fälle von ultraresistenter Tuberkulose auftreten. Bei XDR-Tb sind die Erreger gegen nahezu alle Medikamente resistent. Um die Kontrolle der Tb in den armen Ländern zu verbessern, müssen laut WHO in diesem Jahr etwa 3,2 Millionen Euro investiert werden. (nz/epd/dpa)