14. Dez 2007 10:04
Der zu Weihnachten beliebte Räucherlachs sollte besser nicht zu lange auf der Festagstafel liegen - zu viele Produkte sind verkeimt, warnen die Verbraucherzentralen. Die Fischindustrie spricht von Panikmache.
Untersuchungen von 40 verschiedenen Räucher- und Gravedlachssorten aus Hannover, Düsseldorf und München hätten ergeben, dass die hygienischen Voraussetzungen häufig nicht erfüllt seien, teilte die Verbraucherzentrale Berlin mit. Bei fast zwei Drittel der Proben seien erhöhte oder stark erhöhte Keimzahlen festgestellt worden, bei 30 Prozent habe die Konzentration der sogenannten Enterobakterien über dem Warnwert gelegen. Die Ergebnisse würden auf mangelnde Hygiene bei der Produktion hinweisen und auch Gesundheitsgefährdungen nicht ausschließen. Bei erhöhten Werten von Enterobakterien können Erkrankungen wie Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall nicht ausgeschlossen werden.
In 17,5 Prozent der Proben wurde sogar die kritische Bakterienart Listerien gefunden. Diese könne sich bei mehrtägiger Lagerung im Kühlschrank und längerem Anrichten auf dem Esstisch erheblich vermehren. Eine Infektion verlaufe bei Gesunden wie eine Grippe, bei Schwangeren könne es zu einer Fehlgeburt kommen. Für Menschen mit schwachem Immunsystem bestehe das Risiko einer Hirnhautentzündung. Die Verbraucherzentralen kritisierten den laschen Umgang der Industrie mit einem derart empfindlichen Lebensmittel wie Lachs. Die Untersuchung hatte das Institut für Lebensmittelwissenschaften der Universität Hannover in Auftrag gegeben. Die Verbraucherschützer empfehlen, Lachs spätestens drei Tage vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums zu essen. Kleinkinder, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten ganz darauf verzichten.
Der Bundesverband der Fischindustrie betonte, dass in dem Test kein Produkt gefunden worden sei, das eine Gefahr für die Kunden darstelle. Im Gegenteil: Alle Proben seien verkehrsfähig. «Man muss die Kirche im Dorf lassen», sagte Matthias Keller vom Bundesverband der AP. Er kritisierte zugleich die Methoden des Tests und warnte davor, bei den Verbrauchern ohne Not Panik zu schüren und falsche Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen.
Wie das Bremer Fischkompetenzzentrum Nord berichtete, wurden in 19 von 91 im Jahr 2007 untersuchten Proben Listerien gefunden. Das rheinland-pfälzische Landesuntersuchungsamt berichtete von acht Listerienfunden in 27 Proben. In keinem Fall sollen jedoch die europaweit geltenden Grenzwerte überschritten worden sein. (nz/dpa/AP)