Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Gentherapie erfolgreich gegen Muskelschwund

13. Dez 2007 07:22
Mit Gentechnik gegen Muskelschwund
Bild vergrößern
Mit gentechnisch veränderten adulten Stammzellen haben Wissenschaftler eine unheilbare Muskelkrankheit bei Mäusen behandeln können. Der Einsatz am Menschen ist in Planung.

Gentechnisch manipulierte, menschliche Stammzellen helfen im Tierversuch gegen eine bislang unheilbare Form von Muskelschwund beim Menschen. Das berichten Forscher um Rachid Benchaouir von der Universität Mailand im Journal Cell Stem Cell (DOI 10.1016/j.stem.2007.09.016). In ihren Experimenten stärkten sie damit die Muskeln kranker Mäuse. Die Forscher sehen in den Resultaten einen wichtigen Schritt in Richtung einer Gentherapie beim Menschen.

Mehr in der Netzeitung:
Bei der Duchenne-Muskel-Dystrophie (DMD) ist ein Gen für das Protein Dystrophin defekt. In der Folge werden die Muskelzellen schwer geschädigt, die Skelettmuskulatur geht zurück. Die Betroffenen sitzen im Rollstuhl, auch ihr Herz ist schwach. Der Tod kommt häufig zwischen 20 und 30 Jahren, viele Betroffene müssen zuvor künstlich beatmet werden. Viele Forscher arbeiten daran, das defekte Gen beim Menschen zu korrigieren, um auf diese Weise die Produktion des Dystrophins wieder herzustellen.

Stichwort:
Adulte Stammzellen sind im Unterschied zu embryonalen Stammzellen in jedem Individuum auch nach der Geburt vorhanden. Während der gesamten Lebensdauer des Organismus werden daraus neue spezialisierte Zellen gebildet. Adulte Stammzellen haben aber ein deutlich geringeres Selbsterneuerungsvermögen und ein eingeschränkteres Differenzierungspotential als embryonale Stammzellen. So können sich neurale Stammzellen zu allen Zelltypen des Nervengewebes, wohl aber nicht zu Leber- oder Muskelzellen entwickeln. Allerdings besteht bei körpereigenen Stammzellen nahezu keine Abstoßungsgefahr durch das Immunsystem Auch die Gefahr einer krebsartigen Veränderung ist geringer.
Benchaouir und seine Kollegen isolierten zunächst Muskelstammzellen aus jungen Patienten. Dann schleusten sie eine intakte Version des Dystrophin-Gens in diese Zellen. Diese produzierten daraufhin ein zwar verkürztes, aber funktionsfähiges Dystrophin-Protein.

Im zweiten Schritt wurden die so korrigierten Zellen in Versuchsmäuse gespritzt, die an der tierischen Form des Muskelschwunds litten. Dieser Mäusestamm war außerdem so verändert, dass er die menschlichen Zellen nicht abstieß. Nach drei Wochen fanden sich in den Mäusen feine Muskelfasern, die das lebenswichtige Protein herstellten und die Muskeln der Tiere damit stärkten, schreiben die Wissenschaftler.

Dieses Experiment ist eine Vorstufe für entsprechende Studien am Menschen, heißt es in einem begleitenden Text in dem Journal. Auch diesen Patienten würden dafür Stammzellen entnommen, verändert und dann zurückgespritzt. Weil dafür körpereigene Zellen verwandt werden, ist keine Abstoßung zu befürchten.

Mehr im Internet:
Die neue Studie liefert den Nachweis, dass dieses Verfahren im Prinzip möglich ist. Allerdings ist es sehr arbeitsaufwendig und teuer und begrenzt allein damit die Zahl möglicher Patienten. Auch müssten für den Einsatz beim Menschen noch viele zusätzliche Arbeiten geleistet werden, schreiben die Forscher. (dpa)
 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

 
Folgen des Klimawandels: 
Der November wird zum August
 
Reparatur an der ISS: 
Astronautin Butterfinger im All
Fröhliche Wissenschaften: 
Raumfahrtchef glaubt an Aliens
 
Merkel zum 70. Jahrestag der Pogromnacht: 
«Nie wieder eine Chance» für Antisemitismus
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.