Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Schnelle Therapie macht Depressiven Hoffnung

06. Sep 2007 15:19
Hoffnung auf neue Therapie gegen Depression
Bild vergrößern
Mediziner haben ein neues Antidepressivum entwickelt, das schneller als alle anderen Wirkstoffe helfen soll. Allerdings birgt die Therapie auch Risiken.

Kanadische Mediziner haben eine neue Gruppe von Antidepressiva entwickelt, die zumindest im Tierversuch vier- bis siebenmal schneller wirken als die bisher verwendeten Medikamente: Ihr aufmunternder Effekt stellte sich bei Ratten bereits nach drei Tagen ein, während Antidepressiva aus der Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), der gängigsten Wirkstoffgruppe, erst nach etwa zwei Wochen zu wirken begannen.

Ob es auch beim Menschen einen derartig schnellen Erfolg gibt, müsse sich allerdings erst noch zeigen, berichten die Forscher um Guillaume Lucas von der McGill-Universität in Montréal in der Fachzeitschrift Neuron (Bd. 55, S. 712). Auch die Gefahr ernsthafter Nebenwirkungen müsse in Betracht gezogen werden, gibt der Pharmakologe Ronald Duman in einem zugehörigen Kommentar (S. 679) zu bedenken.

Problematische Verzögerung

Mehr in der Netzeitung:
Bei Depressionen ist die Menge des Botenstoffs Serotonin im Gehirn vermindert. Als Therapie werden daher Wirkstoffe eingesetzt, die den Serotoninspiegel auf unterschiedliche Weise erhöhen. So verhindern SSRIs beispielsweise, dass der Botenstoff von den Gehirnzellen aufgenommen wird.

Das verursacht wiederum verschiedene Umbaumaßnahmen und Anpassungen im Gehirn, die mit der Zeit zu einer Abnahme der typischen Depressionssymptome wie Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung und die Unfähigkeit, sich über irgendetwas zu freuen. Allerdings dauert diese Anpassung eine gewisse Zeit, so dass etwa die Wirkung einer SSRI-Therapie erst nach drei bis sechs Wochen einsetzt. Gerade in schweren Fällen mit Suizidneigung kann diese Verzögerung jedoch höchst problematisch sein, sagt Studienleiter Lucas.

Nach einer Woche symptomfrei

Die neuen Wirkstoffe funktionieren anders. Sie gehören zu den so genannten Serotoninrezeptor-Agonisten und beeinflussen nicht den Serotoninspiegel, sondern imitieren die Wirkung des Botenstoffs im Gehirn: Sie aktivieren direkt eine der Erkennungsstellen für Serotonin an den Gehirnzellen, einen Rezeptor namens 5-HT4. Dadurch zeigt sich der Effekt deutlich schneller, konnten die Forscher an ihren Ratten zeigen.

Bereits nach drei Tagen waren die für eine Behandlung mit Antidepressiva typischen Veränderungen im Gehirn nachweisbar, und bereits nach einer Woche waren die Tiere praktisch symptomfrei. Die Vergleichsgruppe, die mit SSRIs behandelt wurde, zeigte diese Verbesserungen erst nach zwei beziehungsweise drei Wochen.

Die Forscher halten ihren Ansatz für sehr vielversprechend und wollen so schnell wie möglich mit klinischen Studien beginnen. Auch Kommentator Duman glaubt an das Potenzial der Wirkstoffgruppe, warnt allerdings vor Gefahren: Da 5-HT4 nicht nur im Gehirn, sondern auch am Herzen und im Magen-Darm-Trakt vorkomme, sei es möglich, dass die Agonisten dort unerwünschte Effekte hervorrufen. So habe etwa bereits ein Medikament gegen das Reizdarmsyndrom, das auf eine ähnliche Weise wirkte, vom Markt genommen werden müssen, weil es die Herztätigkeit beeinträchtigte. (ddp)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

 
Folgen des Klimawandels: 
Der November wird zum August
 
Reparatur an der ISS: 
Astronautin Butterfinger im All
Fröhliche Wissenschaften: 
Raumfahrtchef glaubt an Aliens
 
Merkel zum 70. Jahrestag der Pogromnacht: 
«Nie wieder eine Chance» für Antisemitismus
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.