Die neuen Wirkstoffe funktionieren anders. Sie gehören zu den so genannten Serotoninrezeptor-Agonisten und beeinflussen nicht den Serotoninspiegel, sondern imitieren die Wirkung des Botenstoffs im Gehirn: Sie aktivieren direkt eine der Erkennungsstellen für Serotonin an den Gehirnzellen, einen Rezeptor namens 5-HT4. Dadurch zeigt sich der Effekt deutlich schneller, konnten die Forscher an ihren Ratten zeigen.Bereits nach drei Tagen waren die für eine Behandlung mit Antidepressiva typischen Veränderungen im Gehirn nachweisbar, und bereits nach einer Woche waren die Tiere praktisch symptomfrei. Die Vergleichsgruppe, die mit SSRIs behandelt wurde, zeigte diese Verbesserungen erst nach zwei beziehungsweise drei Wochen.
Die Forscher halten ihren Ansatz für sehr vielversprechend und wollen so schnell wie möglich mit klinischen Studien beginnen. Auch Kommentator Duman glaubt an das Potenzial der Wirkstoffgruppe, warnt allerdings vor Gefahren: Da 5-HT4 nicht nur im Gehirn, sondern auch am Herzen und im Magen-Darm-Trakt vorkomme, sei es möglich, dass die Agonisten dort unerwünschte Effekte hervorrufen. So habe etwa bereits ein Medikament gegen das Reizdarmsyndrom, das auf eine ähnliche Weise wirkte, vom Markt genommen werden müssen, weil es die Herztätigkeit beeinträchtigte. (ddp)